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Keine staatliche Unterstützung

Lockdown-Verluste in Millionenhöhe: Berufsbildungswerk Don Bosco Aschau schlägt Alarm

Die Zimmer des Tagungs- und Ausbildungshotels von Don Bosco Aschau am Inn bleiben derzeit so gut wie leer. Die Einnahmen aus der Beherbergung und Verpflegung von Tagungsgästen fehlen der Einrichtung. Unter Pandemiebedingungen auszubilden, ist eine Herausforderung. (Das Foto wurde vor der Pandemie aufgenommen.) SDB/Wolf/privat
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Die Zimmer des Tagungs- und Ausbildungshotels von Don Bosco Aschau am Inn bleiben derzeit so gut wie leer. Die Einnahmen aus der Beherbergung und Verpflegung von Tagungsgästen fehlen der Einrichtung. Unter Pandemiebedingungen auszubilden, ist eine Herausforderung. (Das Foto wurde vor der Pandemie aufgenommen.) SDB/Wolf/privat

Weil Dienstleistungsbereiche wie Hotel oder Großküche massive Umsatzeinbrüche verzeichnen, macht das Berufsbildungswerk Don Bosco Aschau am Inn in der Corona-Krise Verluste in Millionenhöhe. Das Problem: Bislang gab es wegen der Unternehmensstruktur keine staatliche Unterstützung für das BBW.

Aschau/Mettenheim – Das Hotel so gut wie leer, keine Tagungen, der Friseurladen dicht, Gärtnerei, Großküche, Näherei und Wäscherei mit erheblichen Umsatzeinbrüchen und bis zu 90 Prozent Kurzarbeit in den verschiedenen Bereichen – Christian Kunde, seit Sommer 2020 Gesamtleiter des Berufsbildungs- und Jugendwerks Don Bosco Aschau am Inn (BBW), zieht mitten im Lockdown eine erste Zwischenbilanz: „Corona fordert uns erheblich“, sagt der 37-Jährige ernst. Die Einrichtung habe Pandemie-Verluste in Millionenhöhe.

Ende der Umsatzeinbrüche nicht in Sicht

Der komplette Ausbildungsbereich ist seit Mitte Dezember auf Fern- sowie Hybridlehre umgestellt. In die täglichen pädagogischen, technischen und pandemiebedingten Herausforderungen in der Begleitung der jungen Menschen mischt sich immer stärker die Sorge um erhebliche wirtschaftliche Folgen. Ein Ende der Einbrüche – nicht in Sicht.

Verluste durch Lockdown und Hygienekonzept

„Das ist das Problem. Es ist nicht absehbar, wie lange das noch so geht“, erklärt Kunde. Er sei froh, mit den Salesianern Don Boscos einen starken, bundesweit aufgestellten Träger im Hintergrund zu haben, der finanziell unter die Arme greife und derzeit hohe Kredite gewähre. Wie das einmal zurückgezahlt werden könne, diese Frage bereitet dem studierten Pädagogen und Wirtschaftswissenschaftler bereits heute Sorgen: „Das Hotelzimmer, das ich heute nicht vermieten kann, das kann ich nächste Woche nicht zwei Mal belegen.“

Fällt das BBW durch das Förderraster?

Mit staatlicher Unterstützung, über die finanzielle Pufferung der Kurzarbeit hinaus, könne das Berufsbildungs- und Jugendwerk derzeit nicht rechnen, sagt er. Ausbildungs- und Tagungshotel, Friseurladen, Gärtnerei sowie die weiteren, von hohen Umsatzeinbrüchen betroffenen Dienstleistungsbereiche der Einrichtung, gelten nicht als eigenständige Unternehmungen.

Das heißt: Umsätze, die zum Beispiel aus der Belieferung von Kindergärten und Schulen durch die einrichtungseigene, EU-zertifizierte Großküche oder die Beherbergung und Verpflegung von Tagungsgästen generiert werden, bewegen sich – in Relation zum pädagogischen Bereich – in einem niedrigen prozentualen Bereich der Gesamteinrichtung. „Die Verluste in Millionenhöhe sind da, aber aus den so genannten Novemberhilfen, welche die von der Schließung betroffenen Betriebe retten und erhalten soll, fallen wir als verbundenes Unternehmen derzeit raus“, so Kunde.

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Wie Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer (CSU) auf Anfrage mitteilt, können verbundene Unternehmen einen Antrag auf November- oder Dezemberhilfe stellen, wenn mehr als 80 Prozent des verbundweiten Gesamtumsatzes auf direkt oder indirekt betroffene Verbundunternehmen entfällt. Diese Voraussetzung erfüllt das Reha-Unternehmen laut Kunde eben nicht.

MdB verweist auf Überbrückungshilfe

Fällt das BBW also durch das Corona-Förderraster? Mayer verneint dies. Er verweist darauf, dass die Bildungseinrichtung, beziehungsweise Einrichtung der Behindertenhilfe als verbundenes Unternehmen beziehungsweise gemeinnützige Organisation Mittel aus der Überbrückungshilfe III beantragen könne. Erst seit wenigen Tagen ist die Antragstellung freigeschaltet. Antrags- und förderberechtigt seien Unternehmen, die in einem Monat einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 erlitten haben sowie gemeinnützige Organisationen oder Einrichtungen der Behindertenhilfe. Die OVB-Heimatzeitungen hatten auch das Bundeswirtschaftsministerium um eine Stellungnahme zur Situation der Berufsbildungswerke gebeten, eine Antwort steht noch aus.

Viele Herausforderungen

„Krise kann ich“, hatte BBW-Gesamtleiter Kunde, ein ehemaliger Pionieroffizier der Bundeswehr, bei seinem Amtsantritt im August versichert. Ein halbes Jahr später bekräftigt er trotz allem diese Haltung. Einen Großteil seiner Arbeitszeit steckt der Gesamtleiter derzeit ins Corona-Management: das stetige und ständige Anpassen der Hygienekonzepte, das Nachverfolgen von Covid-Fällen und Kontaktpersonen, die Absprachen mit dem Gesundheitsamt und Vertragsärzten sowie nicht zuletzt eine dauerhafte Motivations- und Überzeugungsarbeit gegen die Corona-Müdigkeit seien gefragt, um die Krise zu bewältigen und die Ausbildung sicherzustellen.

Seine Hoffnung setzt Kunde auch in die heimische Wirtschaft und in die Unterstützung durch Menschen, die das Anliegen der Einrichtung, die Sorge um eine gelingende Zukunft benachteiligter junger Menschen, teilen und ihre Verbundenheit ausdrücken möchten. „Ich hoffe auf Kooperationen mit Unternehmen, die Patenschaften übernehmen, auf Privatleute, die helfen wollen, auf Menschen, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht so stark betroffen sind oder von den Hilfsprogrammen der Regierung profitieren und einfach etwas zurückgeben und sich für die Zukunft junger Menschen einsetzen möchten.“ Zusammenhalt als Gesellschaft funktioniere auch ohne Regierungsverordnungen, beim Abstand halten wie bei gegenseitiger Hilfe.

BBW hofft auf Hilfe durch Unternehmen und Privatpersonen

Unternehmer und Privatpersonen, die das Berufsbildungs- und Jugendwerk Don Bosco Aschau in der Corona-Krise unterstützen möchten, können dies auf unterschiedliche Art und Weise tun, zum Beispiel durch Sachspenden in Form von IT-Ausstattung, digitalen Endgeräten, Laptops, Servern, durch Ausbildungspatenschaften, durch die Bereitstellung von Praktikumsplätzen, durch Geldspenden oder Ehrenamtsarbeit.

Praktika bieten den Rehabilitanden Chancen, ihre Fähigkeiten auszuloten und unter Beweis zu stellen. „Wir müssen den jungen Menschen Mut machen und Hoffnungsträger sein, gerade in diesen für sie schwierigen Zeiten. Jeder weitere Praktikumsplatz bringt uns weiter“, sagt Christian Kunde.

Vielen Jugendlichen fehle es an der nötigen Ausstattung mit digitalen Endgeräten, Datenvolumen oder einfachen Notebooks mit Internetanschluss. Der „Digitalpakt Schule“ greifeaufgrund fehlender Antragsberechtigung nicht, sodass alles aus eigener Kraft zu stemmen sei. Das Berufsbildungs- und Jugendwerkwerk zehre gerade vor allem aus Investitionsrücklagen, die zum Beispiel für den dringenden Austausch der IT-Infrastruktur der Einrichtung vorgesehen waren. Diese Projekte müssen vorerst in die Zukunft verlagert werden, so der Pädagoge. „Das ist natürlich dann prekär, wenn man gleichzeitig auf Fernlehre umstellen muss.“

200 Jugendliche in Ausbildung

Das Berufsbildungswerk ist eine Einrichtung der beruflichen und gesellschaftlichen Rehabilitation junger Menschen mit besonderen Hilfe- und Förderbedarf sowie Angeboten der Jugendhilfe. Derzeit erhalten rund 200 Jugendliche und junge Erwachsene eine berufliche Erstausbildung oder Berufsvorbereitung.

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