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PORTRÄT EINER UMSTEIGERIN

Orélie ist jetzt zauberhaft

Hat den Schlüsselzum Glück gefunden: Annette Lanzinger gab ihr Geschäft auf und ist jetzt Zauberin. vk
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Hat den Schlüsselzum Glück gefunden: Annette Lanzinger gab ihr Geschäft auf und ist jetzt Zauberin. vk

Einfach den Job an den Nagel hängen? Wer hat darüber nicht schon mal nachgedacht. Während es in den meisten Fällen beim „hätte-wäre-wenn“ bleibt, wagte Annette Lanzinger den Schritt. Heute ist sie Zauberin.

Mühldorf – Fast zehn Jahre führte Annette Lanzinger eine Textildruckerei in der Mühldorfer Innenstadt. Dann war es Zeit für einen Tapetenwechsel. Dass aus der Promoterin und Geschäftsfrau ausgerechnet eine Zauberkünstlerin wurde, verdankt sie einer zufälligen Begegnung in einem Wellnesshotel.

Dort saß sie mit ihrem Mann beim Abendessen und überlegte, was sie alternativ machen könnte. Ein Mann trat an ihren Tisch, verwickelte das Paar in ein Gespräch und vollführte auf ihrer Hand einen Zaubertrick: „Das war fantastisch. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie er das gemacht hat. Der Mann sah auf den ersten Blick gar nicht aus wie ein Zauberer. Als er dann anfing zu zaubern, wollte ich unbedingt wissen, wie das funktioniert“, erzählt sie und klingt immer noch ganz begeistert. Heute weiß sie nicht nur, wie der Trick funktioniert. Sie beherrscht ihn selbst.

Von dem Zauberkünstler im Hotel erfuhr sie von der Zauberakademie in Pullach. Obwohl sie als Kind weder zauberaffin war, noch einen Zauberkoffer besaß, faszinierte sie die Idee so sehr, dass sie die Ausbildung antrat.

Mutter zweier Kleinkinder, der Laden und dann noch die Ausbildung – ein ganz schönes Pensum. Der Unterricht fand zwar „nur“ einmal in der Woche statt, aber zwei Stunden Anreise und das tägliche Üben gingen doch an die Substanz: „Ich habe das am Anfang vielleicht zu rosarot gesehen“, räumt sie ein. Gerade als sie sich eingestand, dass sie mit dem Zaubern bei aller Passion aufhören sollte, erhielt sie ein attraktives Angebot für ihren Laden. Die Entscheidung, verkaufen oder nicht, fiel ihr nicht leicht.

„In solchen Momenten ist es großartig, wenn man einen Partner hat, der sagt, traue dich, ich unterstütze dich“, sagt sie. Bereut hat sie den Entschluss nicht. Im Gegenteil. Nach zwei Jahren Ausbildung schloss sie mit der höchsten Punktzahl ab, bekam eine Wild Card für den Munich Magic Slam im März 2016, den sie gleich auch noch gewann.

„Das war wie ein Startschuss“, erzählt die 35-Jährige, die seitdem regelmäßig in München unter dem Künstlernamen „Orélie“ auftritt. Während Annette Lanzinger eine sportliche Frau ist, die Turnschuhe trägt, ist Orélie eine Dame: „Es ist gut, wenn man in eine ganz andere Rolle schlüpfen kann.“ Orélie traut sich Dinge zu, die sie als Annette nicht so ohne weiteres machen würde.

Zaubern ist das eine, Angst vor dem Rampenlicht das andere. Auf der Bühne zu stehen war für sie nichts Neues. Mit 18 sang sie etwa in einer Punk-Pop-Band. Im Rampenlicht stehen liegt zudem in den Genen. Ihr Bruder Christian Schratt ist Musiker, ihr Vater, Rainer Schratt, ist Stadtrat und stand als Kabarettist regelmäßig auf der Bühne und ist ebenfalls als Musiker aktiv. Wenn sie etwas nervös macht, dann die besondere Verantwortung, die sie als Zauberkünstlerin trägt: „Wenn man sich als Musiker verspielt, merkt das - wenn überhaupt - ein kleiner Teil im Publikum. Wenn man einen Zaubertrick vergeigt, erzeugt man nicht nur Schadenfreude oder Mitleid, sondern hat im schlimmsten Fall verraten, wie der Trick funktioniert.“ Gegenüber den Kollegen wäre ihr das äußerst unangenehm.

Damit das nicht passiert, absolviert sie wie ein Sportler tagtäglich ihr „Trainingsprogramm“. Nicht immer schafft sie das Pensum. Ihre Kinder stehen dann doch an erster Stelle. Aber ohne Üben geht es auch nicht.

Beim Zaubern ist die Fingerfertigkeit das Handwerk: „Für eine Frau habe ich zum Glück große Hände, was bei vielen Tricks von Vorteil ist“, so Annette Lanzinger. Ihr ist aber auch die Verpackung wichtig. Statt großer Glitzer-Show mit viel Tamtam strickt sie lieber feine Geschichten rund um das Zaubern.

Gebucht wird sie für private Veranstaltungen, Firmenevents, Hochzeiten. Zudem gibt sie als Dozentin Tagesseminare, auf denen sie erklärt, wie man ein Anliegen überzeugend präsentieren kann, wie man Lampenfieber in den Griff bekommt oder etwa die Aufmerksamkeit von Zuschauern gewinnt und hält.

Irgendwann kam ihr die Idee, sich bei dem Künstler zu bedanken, der den Anstoß zu ihrer Zauberkarriere gegeben hatte. Der hatte in der Zwischenzeit ebenfalls seinen Beruf an den Nagel gehängt und ist nun Priester. Jeder hat eben seine eigene Berufung.

In Kürze wird Annette Lanzinger als Orélie zum ersten Mal in Mühldorf zu sehen sein: am 14. Oktober im Kulturschupp‘n.

www.orelie-zauber.de

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