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Mühldorfer wollte Wohnung mit Holzkohlegrill heizen

Gefahr durch leichtsinnige „Heizmethoden“: Warum bei Fachleuten jetzt die Alarmglocken schrillen

Keine gute Idee, um Kosten für Heizung oder Strom zu sparen: Wer versucht, seine Wohnung mit einem Holzkohlegrill, offener Gasflamme oder Kerzen zu heizen, begibt sich in Lebensgefahr.
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Keine gute Idee, um Kosten für Heizung oder Strom zu sparen: Wer versucht, seine Wohnung mit einem Holzkohlegrill, offener Gasflamme oder Kerzen zu heizen, begibt sich in Lebensgefahr.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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Ein Mühldorfer wollte seine Wohnung mit einem Holzkohlegrill heizen, um Stromkosten zu sparen. Zwei Mitbewohner landeten deshalb im Krankenhaus. Feuerwehr, Kaminkehrer und Polizei warnen nun eindringlich vor leichtsinnigen Heizmethoden.

Mühldorf – Gerade noch mal gut ausgegangen ist der Fall, in dem ein Mühldorfer seine Wohnung mit einem Holzkohlegrill geheizt hat. Die zwei Personen, die dabei eine Kohlenmonoxid-Vergiftung erlitten, wurden rechtzeitig gerettet.

„Das ist furchtbar, tödlich!“, reagiert Mühldorfs Kreisbrandrat Harald Lechertshuber, angesprochen auf diese „Heizmethode“. „Ich habe massiv Angst, dass das in nächster Zeit öfter passieren könnte.“

Menschen kommen auf absurde Ideen

Es komme immer wieder vor, dass jemand meint, auf diese Weise heizen zu können. Aber auch wenn ein Holzkohle- oder Gasgrill, ein stylischer Gel-Kamin, ein offener Gasheizer oder eine Batterie brennender Kerzen etwas Wärme erzeugen: „Das geht in geschlossenen Räumen fast immer tödlich aus.“ Denn offene Flammen saugen den Sauerstoff aus der Luft und geben Abgase – vor allem das geruchslose und tödliche Kohlenmonoxid – in den Raum ab.

„Angesichts steigender Energiepreise werden die Menschen im Winter absurde Ideen entwickeln“, mutmaßt der Kreisbrandrat. Er warnt auch dringend davor, etwa mit einem geöffneten Gas-Backofen zu heizen. Dass es schon jetzt zu einem so dramatischen Fall gekommen ist, erschreckt ihn. „Vielleicht ist es bei steigenden Preisen die einzige Lösung, dass man mit der herkömmlichen Heizung sparsamer umgeht“, so Lechertshuber. „Einfach nicht in jedem Zimmer heizen.“ Er hofft, dass solche lebensbedrohliche Heiz-Unfälle künftig nicht öfter vorkommen. „Ich befürchte es aber.“

„Habe gedacht, das gibt‘s nicht“

Seit 2009 ist Kaminkehrermeister Andreas Weinzierl für den Bereich Mühldorf zuständig. Ein solcher Fall ist ihm persönlich noch nicht untergekommen. „Ich habe gedacht, das gibt´s ja nicht“, so Weinzierl. „Wie gefährlich ein solcher Grill in der Wohnung ist, sollte doch jedem bekannt sein.“ Auch Kerzen als Wärmequelle sieht er skeptisch. „Man sollte bedenken, dass ein Teelicht rund 40 Watt abgibt, ein Heizkörper zwischen 1000 und 2000 Watt“, rechnet er vor. Die offene Kerzenflamme reiche gerade mal, um sich die Hände zu wärmen. Von Ethanol- oder Methanol-Öfen rät er komplett ab: „Wenn die noch heiß wieder befüllt werden, kann es zur Explosion kommen.“

Gefahren nicht unterschätzen

Auch Holzöfen können gefährlich werden, wenn man dazu eine Dunstabzugshaube oder eine andere Lüftungsanlage laufen lässt. Denn die Lüftung zieht CO in den Raum. „Ist im Ofen nur noch Glut, sieht man zwar keinen Qualm austreten, trotzdem breitet sich das gefährliche Kohlenmonoxid aus.“ Selbst der Einbau neuer Fenster kann eine Gefahrenquelle werden, denn sie sind viel zu dicht. Der brennende Ofen kann nicht mehr genug Luft ziehen und nimmt dem Menschen den Sauerstoff zum Atmen.

Ganz wichtig: Wer sich jetzt einen Holzofen oder sonstiges ins Haus stellen will, um so eventuell die Heizkosten zu senken, der muss ihn vor Inbetriebnahme vom Kaminkehrer abnehmen lassen. Auch wer eine alte Feuerstelle wieder nutzen will, sollte erst den Fachmann draufschauen lassen. „Oft wurde im Laufe der Jahre etwas am Kamin verändert, Leitungen durchgezogen oder Ähnliches, oder der Kamin hat keinen Zug mehr“, warnt Weinzierl. Auch von kreativen Eigenkonstruktionen, wie ein Ofenrohr einfach selbst nach außen leiten, sollte man die Finger lassen, weil brandgefährlich.

Holzöfen nicht selbst aufstellen

Und nicht alles in den Ofen schieben, was brennt. „Keine Abfälle, keine Kunststoffe, kein Papier, auch nicht zum Anheizen und nicht zu viel Holz auf einmal einlegen“, rät der Kaminkehrermeister. Ofen und Ofenrohr sollten ein- bis zweimal pro Jahr gereinigt werden. Den Kamin übernehmen die Kaminkehrer. Und alle drei bis vier Jahre machen sie die Feuerstättenschau. Dann wird überprüft, ob alles sicher und fachgerecht ist.

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Auch für die Polizei Mühldorf war der Holzkohlegrill in der Wohnung ein seltener Fall. Polizeihauptkommissar Uwe Schindler ist ein solcher aus den vergangenen Jahren nicht bekannt. Die vom Polizeipräsidium ausgesprochene Warnung kann er nur unterstreichen.

„Ich warne dringend davor, Holzkohle- oder Gasgrills in geschlossenen Räumen zu betreiben“, so der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizei Mühldorf. „Innerhalb kurzer Zeit verbreiten sich Verbrennungsgase wie das unsichtbare und geruchslose Kohlenmonoxid unbemerkt in den Räumen, verdrängen die Atemluft und führen zu Lebensgefahr für Menschen.“

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