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WELTTAG DER FISCHE

Nicht nur die Nasen werden seltener - Genauer Blick in Inn, Rott und Isen

Vater, Tochter, Fisch: Manfred und Franziska Holzner mit einer heimischen Bachforelle. sie wächst langsamer und wird älter, als die amerikanische Regenbogenforelle, die in heimsichen Gewässern inzwischen stark verbreitet ist.
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Vater, Tochter, Fisch: Manfred und Franziska Holzner mit einer heimischen Bachforelle. sie wächst langsamer und wird älter, als die amerikanische Regenbogenforelle, die in heimsichen Gewässern inzwischen stark verbreitet ist.
  • Peter Becker
    VonPeter Becker
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Seit 15 Jahren erinnert der „Tag der Fische“ daran, dass Fischbestände weltweit bedroht sind. Auch in Inn, Isen und Rott.

Mühldorf – Das kann kaum jemand besser beurteilen als Dr. Manfred Holzner: „Der Verlust an Biomasse in den letzten 50 Jahren ist enorm“, sagt der Vorsitzende des Mühldorfer Bezirksfischereiverbandes erklärt. In Zahlen: bevölkerten 1970 im Schnitt mehr als 750 Kilo Fisch jeden Hektar Wasser der Flüsse in der Region, ist es heute gerade mal ein Fünftel davon.

„Wenn man heute noch wo 150 Kilo hat, muss man das schon als gut bezeichnen!“

Bäche verschlammen oder trocknen aus

Um die 40 heimischen Arten zu fördern, leisten der Biologe und der Fischereiverband jedes Jahr Geburtshilfe für hunderttausende Bachforellen, Nasen und Äschen. Natürliche Laichplätze werden weniger, weil kleine Bachläufe verschlammen oder ausgetrocknet sind. Schuld sei aber keineswegs nur die intensive Landwirtschaft, für die in den letzten Jahrzehnten viele Nasswiesen und Niedermoore trockengelegt worden seien, sagt Holzner. Praktisch jeder Bürger habe über die Flächenversiegelung Anteil an der Misere.

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Die Folgen sind sichtbar: „Die Oberläufe von Wiesbach und Tegernbach fielen 2018 trocken“, erinnert sich der Fisch- und Gewässerexperte. Er selbst hat vor über 50 Jahren das Fischen noch von seinem Vater gelernt und vermisst seit langem Störe, Donaubarsche, Steinbeißer oder Schlammpeitzger.

Neue Fische verdrängen die heimischen

Dafür kamen Aale, die schnell wachsende Regenbogenforelle oder der Bachsaibling in Mode und wurden von Fischern millionenfach ausgesetzt.

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„Früher waren Nasen als Steckerlfische sehr beliebt, aber die lassen sich nicht ganz so einfach entgräten“, erklärt er die Gründe für Veränderungen. Um die seltener gewordenen Fische zu schützen, gibt es neue Gesetze: So darf der Angler eine gefangene Äsche nur dann behalten, wenn sie über 45 Zentimeter groß ist. Trotzdem sei deren Zahl zurückgegangen. Wurden 1970 noch 6000 Äschen gefangen, dürften es heute wegen der Größenregellung nur zwischen 400 und 500 sein. Theoretisch. „Gefangen wird aber nur noch eine Handvoll“, sagt Holzner.

Eingewanderte Arten bereiten Probleme

Probleme mache den heimischen Fischen auch einwandernde Arten, die weniger Ansprüche an Wasser oder Laichgründe stellen würden. So der asiatische Blaubandbärbling, der Brackwasser liebende Sonnenbarsch oder der aggressive amerikanische Signalkrebs. „Immerhin sind wir von den Donaugrundeln bislang verschont.“

Nicht nur dieses Jahr spüle der starke Regen vermehrt Dünger in die Gewässer, die Menge der Wasserpflanzen explodiere. Durch die Regenfälle sei der Inn ein reißendes Gewässer, in dessen Hauptstrom es keinen Fisch ziehe.

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Ein Hoffnungsschimmer sind für Holzner die vom Volksbegehren zur Artenvielfalt geforderten Gewässerrandstreifen, durch die sich an den Bach- und Flussläufen wieder Auen bilden würden, die die Verschlammung der Gewässer verhindern und Regenwasser länger zurückhalten können. Seit zwei Jahren arbeiten die Wasserwirtschaftsämter an einer entsprechenden Kartierung.

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Doch das Wasserwirtschaftsamt tut noch mehr. So lobt Holzer ausdrücklich die teils neuen Fischtreppen an den Innkraftwerken. Seit über einem Jahr untersucht die Behörde außerdem zusammen mit der Universität Salzburg die Laichbedingungen im Inn. Die Studie soll Maßnahmen für die Schaffung und den Erhalt von Laichplätzen aufzeigen, erklärt Abteilungsleiter Michael Holzmann.

Aktiver Eingriff in den Inn

Die Konsequenzen daraus konnten Innanwohner im vergangenen Jahr beobachten: An vier Stellen gruben Bagger im Fluss, unter anderem an der Innlände in Mühldorf. „Bereiche der Kiesbank sind hier stark verfestigt. Diese werden aufgelockert und teilweise umgelagert, sodass Fische diesen Bereich wieder als Laichplatz annehmen“, erklärt Holzmann.

Auch Fischer müssen umdenken

Fischereichef Holzner fordert aber auch ein Umdenken bei den Fischern: „Wir brauchen Leute, die gerne in die Natur gehen und Zeit für die Pflege der Gewässer haben!“ Es sei keineswegs damit getan, schlechte Bestände mit Fischlarven aufzufüllen. Nachhaltiger sei es, ein Bachbett an günstigen Stellen mit Harken aufzuwühlen, damit sich der Schlamm löst und neuer Laichgrund entsteht.

*1167.jpg: Trotz Schonbestimmungen ist die Äsche bei uns selten geworden. Neben der Rückenflosse sind auch die Augen bemerkenswert, die dem Fisch eine sehr gute Rundumsicht ermöglichen.-
*1166.jpg: Dr. Manfred Holzner zeigt seiner Tochter Franziska die prächtige Rückenflosse einer zwei bis drei Jahre alten weiblichen Äsche aus der Nachzucht am Eschbach in Moos bei Tüssling

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