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Interview

„Nicht egal“ im Mühldorfer Haberkasten: Christian Springer spricht über neues Kabarett-Programm

Schaut an Brennpunkten nicht vorbei – Kabarettist, Schlachthof-Moderator und Orienthelfer Christian Springer.
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Schaut an Brennpunkten nicht vorbei – Kabarettist, Schlachthof-Moderator und Orienthelfer Christian Springer.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Mühldorf/ München – Kabarettist und Schlachthofmoderator Christian Springer mischt sich gerne ein. Und das nicht nur mit spitzer Zunge bei seinen Auftritten, sondern auch mithilfe seines Vereins Orienthelfer. Um gesellschaftliches Engagement geht es auch in seinem neuen Programm „Nicht egal“, mit dem er am Donnerstag, 22. September, ab 20 Uhr in den Haberkasten kommt.

Als Orienthelfer in Krisengebieten der Welt unterwegs, touren Sie als Kabarettist gerne durch das bayerische Land. Ist dies auch eine Form der „Krisenhilfe“?

Christian Springer: Wenn ich Spenden in der Tasche habe, dann kann ich vor Ort sehen, was und wo wir helfen können. Wenn ich auf die Bühne gehe, kann ich die Welt aber nicht zum Besseren verändern. Aber das Kabarett kann Menschen solidarisieren, sodass sie durch den Humor wieder etwas Kraft schöpfen.

Sie sind einer der engagiertesten Künstler. Gehört das zur Stellenbeschreibung oder ist da auch ein wenig Selbsttherapie dabei?

Springer: Es ist einfacher, als man denkt. Als ich Kabarett angefangen habe, sind wir Künstler bei den Demos gegen die WAA in Wackersdorf aufgetreten. Gesellschaftliches Engagement und Bühne waren eng verbunden. Das hat bei mir nie aufgehört.

Was sagen Sie dazu, dass Sie im Haberkasten Ihren Auftritt direkt unter einer Ausstellung über die finstersten Zeiten der Region darbieten?

Springer: Das ist super! In den 20er-Jahren, die geprägt waren von Arbeitslosigkeit, Kriegsfolgen, Inflation, Aufstieg der Nazis, sagte die Kabarettistin Erika Mann: „In solchen Zeiten darf man kein Kabarett machen, man MUSS“.

Kommen wir zu „nicht egal“. Dem Titel nach geht es hier ums Wesentliche. Aber ist das nicht auch immer eine Frage der Perspektive?

Springer Uns sollte nichts egal sein. So gesehen ist das Programm auch ein Aufruf an alle, sich mehr in der Demokratie zu engagieren. „Man kann ja eh nix machen“, solche Sätze kann ich nicht mehr hören. Es wird immer mehr rumgemotzt und immer weniger angepackt. Unsere freie Welt ist bei allen Fehlern einzigartig. Aber sie ist kein Selbstbedienungsladen.

Gibt es Dinge, die Ihnen persönlich so wichtig sind, dass sie niemals Teil des Programms sind?

Springer: Ja, klar. Privates gehört nicht auf die Bühne. Wer einen Film dreht, muss Ehering und privaten Schmuck ablegen. Genauso ist es mit privaten Belangen. Gehört nicht auf die Bühne.

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Aktuell scheinen sich viele zu politisieren und zu demonstrieren. Allerdings in eine Richtung, die Ihnen nicht zusagt. Sind Sie enttäuscht?

Springer: Es gibt immer mehr Hass, immer mehr Unwahrheiten und Anhänger von Verschwörungstheorien. Da wünsche ich mir, dass sich Künstler viel mehr einsetzen. Die Zunahme von Antisemitismus erfordert eine klare Kante, auch auf der Bühne. Dafür hört man Judenwitze aus Kabarettistinnenmund, das ist armselig.

Kontroversen schlagen auch unter den Künstlerkollegen hohe Wellen. Gerhard Polts Aufruf gegen Waffenlieferungen in die Ukraine haben Sie entschieden abgelehnt ...

Springer: Wir haben auf Wolke sieben gelebt, aber jetzt ist der Krieg ganz nah. Ich kenne Putins Kriegführung aus Syrien. Und ich weiß, was seine Truppen tun, wenn vermeintlich „Waffenstillstand“ ist. Unsere Hilfslieferungen sind schon vor Jahren Opfer seiner Kriegsverbrechen geworden. Eine Nicht-Einmischung ist auch eine Einmischung. Für Waffenlieferungen zu sein, ist mit das Schlimmste, was ich in meinem Leben tun musste, aber jetzt muss es sein.

Sie sprechen deutliche Themen an, die viele sich nicht trauen anzupacken. Sind Ihre Kollegen zu ängstlich?

Springer: Nein. Glücklicherweise habe ich viele grandiose Kollegen. Ein paar sind während Corona in die rechte Ecke abgeglitten und jammern rum. Aber so etwas gab es immer schon.

Angesichts der Themen, die Sie bespielen: Können Sie selbst noch lachen?

Springer: Und wie. Ich freue mich nach dieser langen Saure-Gurken-Zeit wie ein kleines Kind auf jeden Auftritt. Da draußen ist nicht nur Krieg, sondern auch Sonnenschein und viel Gaudi. Die hol ich mir auf die Bühne!

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