Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Zweigleisiger Bahnausbau München-Mühldorf-Freilassing

Neuer Leiter, alte Probleme: Das sagt Andreas Pawlik zum verschobenen Bahnausbau München-Mühldorf

Mit Blick über den Mühldorfer Bahnhof stellte sich Andreas Pawlik vor. Er leitet seit 1. April den Bahnausbau.
+
Mit Blick über den Mühldorfer Bahnhof stellte sich Andreas Pawlik vor. Er leitet seit 1. April den Bahnausbau.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
    schließen

Der Mann an der Spitze des Bahnausbaus ist neu, doch die Probleme sind die alten: Andreas Pawlik leitet seit 1. April den zweigleisigen Bahnausbau zwischen München - Mühldorf und Freilassing und will sich um den Lärmschutz kümmern. Und um den verschobenen Ausbautermin.

Mühldorf – Alexander Pawlik hat die Gesamtprokjektleitung für die 150 Kilometer lange Ausbaustrecke 38 (ABS 38) von München über Mühldorf bis Freilassing übernommen. Doch bei dem 3,2 Milliarden Euro teuren Ausbau gibt es noch viele offene Baustellen.

Eine dieser Baustelle ist die Fertigstellung der elektrifizierten zweigleisigen Strecke. Die Bahn hatte bis vor wenigen Wochen das Jahr 2030 genannt, an dem das Warten nach Jahrzehnten endlich ein Ende haben sollte. Dann, Ende März, die Hiobsbotschaft: Der Ausbau verschiebt sich auf unabsehbare Zeit. Das neue „Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz“ der Ampelregierung zwingt ausgerechnet eine ökologisch sinnvolle Maßnahme wie den Bahnausbau samt Elektrifizierung in eine Planungsextrarunde.

Vielleicht 2035 oder früher

Bei seiner Vorstellung konnte auch Pawlik keinen neuen Termin für die Fertigstellung der Bahnstrecke nennen. Auf die Frage, ob die Strecke 2035 fertig sein würde, antwortete er nur: „Vielleicht auch früher.“

Genauer wollte er es nicht machen. Die Bahn täte alles, um die notwendigen Um- und Neuplanungen – dazu gehört eine vorgezogene Naturschutzprüfung – so schnell wie möglich fertigzustellen.

Neues Gesetz ändert vieles

Die Verzögerung entsteht laut Pawlik auch dadurch, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung bislang im Rahmen des Planfeststellungsverfahren abschnittsweise und parallel zu den anderen Planungen laufen konnte. „Das ist durch das neue Gesetz anders.“

Bei der Bekanntgabe der Verzögerungen im März hatte Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel die Verzögerung bedauert. „Das ist schade für die Region, aber politischer Wille.“ Aus dem Gesetz resultierten neue Verfahrensschritte, die zu einer Änderung des Projektablaufes und der Terminverschiebung führten.

Erst Proteste, seitdem ist es still

„Das Maßnahmevorbereitungsgesetz passt für unsere Ausbaustrecke, die schon mitten in den Planungen steht, nicht so richtig“, sagt Josel. „Das Gesetz soll dazu beitragen, Rechtsstreitigkeiten wie bei der A 94 zu verhindern und soll so Projekte beschleunigen. Aber gegen die Bahnlinie gab es nie Widerstand, es ist ja kein Neubau. Die Bevölkerung will das Projekt und arbeitet mit uns, nicht gegen uns.“

+++ Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Mühldorf finden Sie hier +++

Kritik an dieser Verzögerung hatten heimische Politiker geäußert. „Das muss der Weckruf für die Region sein, alle Abstimmungen und Planungen für den Ausbau der Bahnlinie zu beschleunigen“, forderte Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer CSU).

„Botschaft der Chemie ist angekommen“

Landrat Max Heimerl (CSU) hatte verlangt: „Hier muss der Bund unbedingt nachbessern.“ Nach dem ersten Aufschrei im März ist es allerdings eher ruhig geblieben. Lediglich die Chemieindustrie hatte auf die schwerwiegenden Folgen für ihre Arbeit hingewiesen. Projektleiter Pawlik betonte jetzt: „Die Botschaft der Chemie ist angekommen.“

Auch die Umplanungen bei Weidenbach verzögern den Ausbau. Dort hatten Politiker aus der Region den Bau einer Eisenbahnunterführung durchgesetzt, die die Bahn nicht bauen wollte. Da die Planänderung vom damaligen Verkehrsminister angeordnet worden sei, müsse der Bund die höheren Kosten tragen, sagte Pawlik jetzt. Die Bahn müsse komplett neu planen, von der Bodenuntersuchung bis zur Umweltprüfung.

Anders sieht es in Dorfen aus. Die von der Stadt geforderte Tieferlegung zum Lärmschutz ist noch nicht in trockenen Tüchern. „Dorfen muss einen Eigenanteil zahlen, wenn die Tieflage kommt“, sagte Pawlik. „Eine 100-prozentige Finanzierung durch den Bund ist nicht möglich.“

Lärmschutz wird wichtiges Thema

Damit war der Ausbauchef bei einer weiteren Baustelle seiner Arbeit: der Lärmschutz entlang der Strecke. „Das wird ein Top-Thema sein“, prophezeite Pawlik. Bei 245 virtuellen Veranstaltungen habe die Bahn in den vergangenen zwei Jahren Anwohner und Kommunalpolitiker informiert, jetzt sollen Gespräche vor Ort folgen.

„Wir wollen an den Runden Tisch zurückkehren und Lösungen finden, die finanzierbar sind.“ Die Dialogforen, die Pawlik ankündigte, stehen allerdings nur politischen Vertretern offen und werden nichtöffentlich sein. Dazu kommt das Info-Center am Bahnhof in Mühldorf, in dem auch leitende Mitarbeiter des Ausbaus für Gespräche zur Verfügung stünden. Die sollen auch die Infotouren begleiten, mit denen die Bahn ab 2023 auf Stadt- und Marktplätze kommen will.

Zur Person

Alexander Pawlik ist seit 1. April Gesamtprojektleiter für die Ausbaustrecke München-Mühldorf-Freilassing. Der 47-Jährige hat Bauingenieurwesen studiert und ist seit 2003 bei der Bahn. Er hat am Endausbau der Schnellstrecke von München nach Berlin mitgearbeitet und war vorher bundesweit für Lärmschutz zuständig. Pawlik lebt mit Frau und Kind in Fürstenfeldbruck.

Mehr zum Thema