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Maßarbeit am gigantischen Stahlkoloss

Neue Bahnbrücke bei Klugham endlich an Ort und Stelle: Was jetzt auf Aschau am Inn zukommt

Nach 150 Jahren hieß es am Wochenende Abschied nehmen: Die alte Eisenbahnbücke bei Klugham wurde abgerissen.
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Nach 150 Jahren hieß es am Wochenende Abschied nehmen: Die alte Eisenbahnbücke bei Klugham wurde abgerissen.

Am Wochenende wurde endlich die neue Eisenbahnbrücke bei Klugham fertig. Warum jetzt die Gemeinde Aschau am Zug ist.

Aschau am Inn – Fast rund um die Uhr wurden in den letzten Tagen, Monaten und Jahren sowohl an der alten als auch an der neuen Eisenbahnbrücke Klugham an der Jettenbacherstraße in Aschau-Werk gebaut. Am Wochenende war es dann soweit: Der Eisenbahnverkehr wurde gesperrt, die alte Brücke abgerissen und die neue millimetergenau, generalstabsmäßig eingeschoben.

Abrissbagger nach 150 Jahren

Die Widerlager und Fundamente der alten Eisenbahnüberführung stammten aus dem Jahr 1876, der Überbau wurde 1906 errichtet. Das Bauwerk hatte also schon fast 150 Jahre auf dem Buckel, entsprechend eng war die Durchfahrt. Jetzt wurde sie nach Jahren endlich durch einen Neubau ersetzt.

Das neue Brückenbauwerk wurde vor Ort gefertigt, und zwar in unmittelbarer Nähe zum späteren Standort. Zu den Vorbereitungsmaßnahmen gehörte es auch, große Mengen an Erdaushub abzutransportieren, damit die neue Brücke an ihren endgültigen Standort geschoben werden kann.

Der Aushub wurde in der Nähe zwischengelagert und wird im Zuge der weiteren Baumaßnahmen wieder verfüllt. Sauber abgeräumt wurden auch die großen Mengen an Schotter, die nach der Fertigstellung der Brücke wieder benötigt werden, um die Bahnschienen wieder zusammenzuführen.

„Die Bagger haben unwahrscheinlich zügig gearbeitet und die Lastwagen sind gefahren wie in einem großen Uhrwerk, das hat alles total gepasst“, bestätigt ein interessierter Zuschauer, der schon seit einigen Tagen immer wieder von der angrenzenden Böschung aus die Arbeiten beobachtet hat. „Wenn man auf allen öffentlichen Baustellen so zügig arbeiten würde wie hier, würde vieles schneller gehen“, lobte er die Arbeiter und Techniker, die auch noch im nächtlichen Scheinwerferlicht sowie am Sonntag und Feiertag arbeiteten.

Modernste Messtechnik und der gute alte Zollstock

Von der alten Brücke war nach dem Einsatz der schweren Baumaschinen nicht mehr viel übrig, in größeren und kleineren Trümmern lag das Bauwerk am Boden. Innerhalb kürzester Zeit waren Stein und Stahl beseitigt und machten den Weg frei für die neue Brücke, die mit Hilfe einer Luftkissentechnik an ihren neuen Standort verschoben wurde.

Diese ermöglicht das millimetergenaue Absetzen der Brücke an der gewünschten Stelle. Der Einschub wurde dabei fortlaufend vermessungstechnisch überwacht. Und so landete der viele Tonnen schwere Koloss am Ende akkurat da, wo er gebraucht wird. Immer wieder kam dabei modernste Messtechnik zum Einsatz, aber auch der gute alte Zollstock wurde bemüht, um jeden Fehler zu vermeiden.

Geschoben wurde die neue Brücke über ein stählernes Schienensystem. Die notwendigen Platten wurden mit einem Schwerlastkran in die Baugrube gehievt und dort auf Betonplatten gelegt. Montiert wurden sie mit schweren Schrauben, deren Sitz mehrfach kontrolliert wurde.

Und dann ging es unter den Augen vieler Schaulustiger los. Sie alle wollten einmal sehen, wie so ein Brückeneinschub vor sich geht; viele filmten alles mit dem Handy. „Denn so etwas sieht man nicht oft“, war immer wieder zu hören.

Auch Aschaus Bürgermeister Christian Weyrich war als interessierter Beobachter vor Ort. Wenn die Brücke fertig ist, dann ist die Gemeinde Aschau am Zug. Dann kann sie endlich nach jahrelangem Warten die Straße unter der Brücke neu bauen.

Doch manche Zuschauer waren dann etwas enttäuscht, hatten sie doch erwartet, dass sich die neue Brücke „einfach so“ über die Schienen schieben lässt. Aber so einfach ist es nicht, wie ein Bahnmitarbeiter erklärte: „Das geschieht sehr sorgfältig, denn die Sicherheit geht vor.“ So wurde es später Abend, bis die neue Brücke an ihrem Platz stand. Dort bleibt sie auch für die nächsten Jahrzehnte: mindestens 70 Jahre wird sie halten, vielleicht auch noch länger, bestätigte die Pressestelle der Deutschen Bahn.

Bahnverkehr rollt seit vier Uhr wieder

Für die Planung und den Bau der Brücke inklusive der Gleisbau- und Landschaftsarbeiten werden rund 2,4 Millionen Euro investiert. Dazu kommen die Aufwendungen für den Straßenbau, die von der Gemeinde Aschau gestemmt werden.

Am Sonntag war es soweit: Die neue Brücke wurde langsam, aber sicher, an ihren neuen Standort geschoben.

Die Brücke ist an Ort und Stelle. Die Gleise verlegt und verbunden. Und so ist der Streckenabschnitt Wasserburg – Mühldorf seit Freitag, 4. November, 4 Uhr wieder in Betrieb.

krb

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