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EINSIEDELEI

Nach 300 Jahren so schön wie nie: Klause Engfurt würde gerne Geburtstag feiern

Hoch über der Isen liegt die Klause Engfurt.
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Hoch über der Isen liegt die Klause Engfurt.

Die Klause Engfurt hat in ihrer 300-jährigen Geschichte viel erlebt. Zum Geburtstag verhindert Corona ein große Fest. Das soll nachgeholt werden.

Engfurt – Vor 301 Jahren wurde die Klause Engfurt, an der Straße von Erharting und Töging gelegen, kirchlich geweiht. Wegen Corona wurden die Jubiläumsfeierlichkeiten im vergangenenJahr verschoben und hätten an diesem Sonntag, dem Patrozinium stattfinden sollen. Doch auch daraus wird vorerst nichts, neuer Termin ist am 18./19. September.

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Dann soll das Jubiläum groß gefeiert: mit Dank dafür, dass die Klause heil durch die Fährnisse der Zeit gekommen ist; mit Stolz darauf, dass man sie – unter nicht geringen Lasten, wie jeder Denkmalerbe weiß – heil hat erhalten können; mit Freude darüber, dass die Freunde und Gönner aus nah und fern dabei sein würden.

Hochwasser erzwingt die Verlegung

Der Ortsname Engfurt entspringt nicht einer Engstelle an der Isen, wie man glauben könnte, sondern bezeichnet vielmehr die „Furt bei einem Bergvorsprung“, nämlich dem Häublberg, oder so viel wie „Furt, durch die der Weg ins Hügelland führt“, also ins heutige Holzland.

Mühle, Säge, bald auch Wirtshaus

Die Betreiber der Mühle und Säge, zu denen bald auch das Gasthaus kam, hatten das Gut immer an der Furt nur auf Erbrecht in Besitz. Im 16. und 17. Jahrhundert waren die Egnfurter, wie sie sich damals schrieben, oft auch Kastenbereiter, die für das Eintreiben der Steuern an den Kasten auf der Burghauser Burg zuständig waren.

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1652, kurz nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, soll der Müller Georg Eggenfurtner aufgrund eines Gelübdes am uralten Fahrweg bei der Furt durch die Isen eine Klause mit einem Kirchlein errichtet haben. Wegen immer wiederkehrender Hochwasser ist diese 1711 abgebrochen und 1718 am jetzigen, höher gelegenen Standort neu errichtet worden.

Alte Kirche von Hochwasser bedroht

Die neue Kirche lag etwa 200 Schritt von der alten entfernt, jedoch nun nicht mehr im Pfarrbezirk Pleiskirchen, sondern in dem von Erharting. Lange stritten sich beide Pfarrer um das Pfarrrecht für die Kirche. Geld spielte dabei auch eine Rolle, bis zu Gunsten von Pleiskirchen entschieden wurde.

Einsiedler genossen großes Ansehen

Die Weihe des Engfurter Kirchleins erfolgte am Sonntag, 27. Oktober 1720, durch den Bischof von Chiemsee und Weihbischof von Salzburg, Franz Anton Adolph von Wagensperg, der auf einer Konsekrationsreise die Tage vorher Kirche und Glocken in Flossing geweiht, in Mühldorf die Firmung erteilt und die Kirche St. Michael in Mettenheim geweiht hatte.

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Die nördlich an die Kirche angebaute Klause wurde von Einsiedlern bewohnt, von denen einige großes Ansehen genossen und beachtlichen Zulauf hatten. Der letzte Einsiedler bis 1866 soll der Neuöttinger Bäckerssohn Hartwanger gewesen sein, bevor Köhler die Klause bewohnten.

Neuanfang 1908

Letzte Bewohnerin der Klause war seit 1919 Therese Fußeder. Ihr Mann arbeitete im Sägewerk, und die Familie lebte mit fünf Kindern in den winzigen Räumlichkeiten, ein Beispiel dafür, was früher Genügsamkeit und Bescheidenheit bedeuteten. Kirche samt Klause waren bis 1897 im Eigentum des jeweiligen Engfurter Müllers und Wirtes. Als das Anwesen zertrümmert wurde, erwarb die Pfarrei Pleiskirchen beides.

Rettung durch die Reichenspurners

Als diese jedoch kein Interesse mehr daran hatte und an den Abbruch des baufällig gewordenen Kleinods dachte, kaufte es die seit 1908 ansässige Familie Reichenspurner 1922 zurück und steckte seither ihre ganze Liebe in die Erhaltung, aber auch gottesdienstliche Nutzung des barocken Ensembles, das seitdem keine verschlossene Privatkapelle mehr ist, sondern eine Stätte lebendiger Frömmigkeit.

In den letzten Jahrzehnten haben Restaurierungsmaßnahmen stattgefunden, die in die Hunderttausende gingen. Deshalb wurde mit Unterstützung des einstigen Kreisheimatpflegers Alois Stockner und Genehmigung durch den damaligen Landrat Seban Dönhuber ein „Familien- und Freundesfonds zum Erhalt des Klausenkirchleins“ ins Leben gerufen. Inzwischen hat sich der gemeinnützige Verein „Freundeskreis der Engfurter Klause“ etabliert. (re)

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