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Mühldorfer Tafel wird zehn Jahre alt und sieht trotzdem keinen Grund zum Feiern

Tafel in Essen
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Auch in größeren Städten besuchen immer mehr Menschen die Tafeln. Überall stellt sich die Frage, wieso in einem reichen Land so viele auf Hilfe angewiesen sind.

Ohne die Mühldorfer Tafel müssten viele Menschen in der Stadt hungern. Fast 300 Bedürftige erhalten von ihr in jeder Woche Lebensmittel. Nach zehn Jahren sagen die Verantwortlichen: Das ist kein Grund zum Feiern, sondern ein Skandal, weil so viele Menschen auf Hilfe angewiesen sind.

Mühldorf – Warum ein Mensch zur Tafel gehen muss, fasst Heike P. (alle Name der Bedürftigen geändert) in drei kurzen Sätzen zusammen: „Nach dem Tod meines Mannes reichte das Geld hinten und vorne nicht. Meine Rente ist zu gering. Ohne die Tafel hätte ich einfach nichts zu essen.“ Bis zu 120 Menschen wie Heike P. versorgt die Tafel einmal in der Woche, Vorsitzende Sylvia Steinweber-Merkl schätzt, dass so bis zu 300 Menschen von den Angeboten der Tafel profitieren. Menschen, deren Einkommen zum Leben nicht reicht: Hartz IV-Empfänger, Menschen die auf Wohngeld angewiesen sind, Rentner.

Immer wieder bekommt die Tafel Unterstützung. So spendeten im Dezember Schülerinnen des Gymnasiums und brachten die Gaben selbst vorbei, um sich vor Ort über die Arbeit zu informieren. Rath

Obwohl sie die Hilfe der Tafel für Bedürftige positiv bewertet, ist der Geburtstag für Steinweber-Merkl kein Grund zum Feiern.

Berufsunfähig - da hilft nur der Weg zur Tafel.

Zu viele Menschen sind ihrer Ansicht nach auf die Unterstützung angewiesen. Menschen wie Peter A., der seit Längerem das Angebot nutzt. „Ich bin aufgrund einer schweren Krankheit berufsunfähig. Da ist das Geld dauerhaft knapp. Seit vier Jahren gehe ich deswegen zur Tafel in Mühldorf.“

30 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich in der Tafel und organisieren, verwalten und verkaufen die Lebensmittel, die der Tafel von Discountern, Biogeschäften, Großmärkten oder Bäckereien kostenlos zur Verfügung gestellt werden. „Großes Lob an alle Freiwilligen. Wir alle wüssten nicht, was wir ohne sie machen würden“, sagt die junge Mutter Sandra K.

Lebensmittel sind nicht verdorben

Jeden Donnerstagmorgen machen sich je zwei Fahrer mit den beiden Kleinbussen der Tafel auf den Weg, die Fahrten führen in den gesamten Landkreis, von Neumarkt-St.Veit bis nach Waldkraiburg und Gars. Die Fahrer holen Obst und Gemüse, Backwaren und Molkereiprodukte und bringen sie zur Sammelstelle der Tafel nach Mühldorf.

In Neumarkt-St. Veit unterstützen ein Mitarbeiter und ein Klient vom „Haus Maximilian“ die Tafel, eine Institution die Sucht– und psychisch Kranke betreut. „Die Lebensmittel sind nicht verdorben, sondern ihr Mindesthaltbarkeitsdatum läuft ab oder es handelt sich um Brot vom Vortag“, betont Steinweber-Merkl.

Flüchtlinge machen einen kleine Teil der Kunden aus

In der Sammelstelle werden die Lebensmittel kontrolliert und bereitgestellt. Obst und Gemüse wird auf faule Stellen überprüft und gegebenenfalls entfernt.

Am Donnerstag ab 13 Uhr ist die Ausgabe der Lebensmittel: Interessenten lassen sich registrieren und geben die Zahl der Familienmitglieder an, für die sie Essen abholen. Kostenlos gibt es die Lebensmittel nicht, pro Einauf sind zwei Euro fällig. Wer einkaufen will, muss zuvor seine Bedürftigkeit belegen. Ob mit Hartz-IV- oder Wohngeldbescheid, Rentennachweis oder Kontoausszug, die Tafel-Helfer schauen, wer kommt.

Diana Arndt und Detlef Künzel im Verkaufsraum der Mühldorfer Tafel. Sie kassieren einen kleinen Obulus der Kunden, denn die Waren gibt es nicht umsonst. Aber stark verbilligt.

Keine besonders große Rolle spielen Flüchtlinge, die laut Detlef Künzel, ebenfalls im Tafelvorstand aktiv, nur etwa ein Fünftel der Kunden ausmachen. Allerdings gehörten viele Menschen mit ausländischen Wurzeln dazu, Künzel nennt Russlanddeutsche als Beispiel. „Natürlich gibt es auch mal ein paar Konflikte. Wenn so viele Nationalitäten und Kulturen aufeinandertreffen, bleibt das nicht aus. Meistens sind alle aber ganz brav“, sagt ein freiwilliger Helfer.

Beide Vorstände betonen, dass keiner, der eine kleine Rente habe oder finanziell schwach dastehe, sich scheuen solle, die Hilfe der Tafel in Anspruch zu nehmen. Die Verkaufserlöse fließen in die Miete für die Gebäude, die beiden Kühltransporter oder den Reinigungsdienst. Für die sonstigen Ausgaben ist der Verein auf Spenden angewiesen, sie kommen von Firmen, Pfarrämtern und Privatpersonen.

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