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Mühldorfer Pflegerin (52) wegen mutmaßlicher Misshandlung vor Gericht

Verdacht auf mysteriösen gewalttätigen Eindringling? Richterin sieht Zeugenaussage kritisch

Das Landgericht in Traunstein. Am Dienstag muss sich hier eine Pflegekraft aus dem Raum Mühldorf verantworten.
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Das Landgericht in Traunstein. Am Dienstag muss sich hier eine Pflegekraft aus dem Raum Mühldorf verantworten.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Mühldorf/Traunstein - In ihrer Tätigkeit für einen Pflegedienst und in einem Altenheim im Raum Mühldorf soll eine Pflegerin beinahe den Erstickungstod eines Frühchens verantwortet und einen Demenzkranken schwer geschlagen haben. Am zweiten Verhandlungstag am Dienstag sollen nun Angehörige der Opfer aussagen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Pflegerin aus dem Raum Mühldorf steht vor Gericht
  • Sie soll einen Säugling und einen alten Mann schwer misshandelt haben
  • Die Anklage wurde verlesen, schreckliche Vorwürfe stehen im Raum
  • Frau aus Raum Mühldorf gibt zu, den Stecker beim Beatmungsgerät des Säuglings gezogen zu haben
  • Einen 83-jährigen Mann geschlagen zu haben, streitet sie jedoch ab
  • Kripo-Beamter im Zeugenstand berichtet vom Vorfall in dem Seniorenheim

Update, 14.04 Uhr - Hat jemand anderes den Heimbewohner verletzt? - Richterin reagiert kritisch auf Zeugin

Nach einer kurzen Pause geht es mit dem Fall des Pflegeheimbewohners weiter, den die Angeklagte mit einer Rollstuhlstütze blutig geschlagen haben soll. „Sein Schlafanzug war vollkommen blutüberströmt“, berichtet ein Kriminalbeamter. „Eine DNA-Untersuchung zeigte eindeutig, dass es sich um sein Blut handelte.“ Auch an der Kleidung der Angeklagten sei Blut des Heimbewohners gefunden worden. „Bei der Obduktion des Mannes, nachdem dieser an einer Lungenentzündung verstorben war, wurde außerdem ein Kunststoffrest an seinem Schädel gefunden. Dieser könnte von der Rollstuhlstütze stammen.“

Könnte ein Fremder in das Pflegezentrum eingedrungen sein und den Bewohner verletzt haben? Dieser Frage will anschließend die Verteidigung nachgehen. Die Angeklagte hatte am ersten Verhandlungstag ausgesagt, ihn bereits verletzt vorgefunden und versorgt zu haben. Die Schwere seiner Verletzungen sei ihr wegen der Lichtverhältnisse nicht klar geworden, weshalb sie niemanden dazu alarmiert habe.

„Nachdem ich weiß, dass man da über den Keller Zutritt reinkommen kann, könnte da jeder reingekommen sein und ihn verletzt haben“, berichtet eine Freundin und ehemalige Kollegin der Angeklagten. „Wissen oder vermuten Sie nur, dass man über den Keller auf die Station kommen könnte?“, hakt die vorsitzende Richterin nach. „Das ist doch nur schwer vorstellbar, da könnten die Demenzkranken dieser Station einfach rausspazieren!“ Die Zeugin räumt ein, dies nur vermutet zu haben und die genauen Verhältnisse vor Ort nicht zu kennen.

Der Prozess wird am Dienstag der kommenden Woche, den 27. April um 9 Uhr fortgesetzt. Dann sollen im Fall des Heimbewohners weitere Pflegekräfte als Zeugen gehört werden. Weitere Verhandlungstage sind für den 29. April sowie den 6. Mai angesetzt.

Update, 11.55 Uhr - Familie und Kollegen sagen gegen Pflegerin aus

Im Prozess gegen eine Pflegekraft aus dem Landkreis Mühldorf werden am Dienstagmorgen erste Zeugenaussagen gehört. „Ich hatte von Anfang an Bedenken, ob sie die Richtige ist. Aber die Unterlagen stimmten“, berichtet zunächst die Mutter des Frühchens. Die Angeklagte habe an diesem Tag ohne ihre Bereichsleiterin arbeiten müssen, aber betont, zurecht zu kommen. „Ich habe dabei ein komisches Gefühl gehabt und deshalb meine Mutter dazu gerufen.“

Die Angeklagte verfolgt die Aussage ruhig, zurückgesunken in ihren Stuhl. „Es tut mir wirklich leid“, betont sie gegenüber der Mutter. „Er hat glücklicherweise keine Langzeitschäden durch den Vorfall erlitten. Wir haben ihn gerade noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht“, schließt die Mutter. Auch der Vater und die Großmutter des Frühchens berichten anschließend übereinstimmend mit ihr über das Geschehen.

„Als der Notfall klar wurde, war die Angeklagte nicht mehr ansprechbar, die war vollkommen weg. Alles was sie gemacht hat, war, die Geräte abzustellen“, berichtet die Großmutter. Auch ihnen gegenüber drückt die Angeklagte ihr Bedauern aus. „Ich wollte dem Kind nichts Schlechtes tun.“ Sie könne sich den Vorfall nicht erklären. „Ich habe das vielleicht aus Unwissenheit, aus Verzweiflung getan.“

„Auf dem Papier hatte sie alle Qualifikationen und wurde auch eingelernt“, berichtet anschließend die Geschäftsführerin des Pflegedienstes. „Aber es scheint: Da ist nichts hängen geblieben. Sie hatte einen Notfallplan und sich Unterstützung holen können, wenn sie überlastet war. Dafür hatte sie extra eine Liste von Telefonnummern. Ich habe ihr hinterher gesagt: In der Pflege haben Sie nichts mehr zu suchen!“

Die Angeklagte sitzt nun nicht mehr zurückgesunken in ihrem Stuhl, stattdessen ist sie nun vorgelehnt, meldet immer wieder Widerspruch an. „Sie wussten, dass ich mir bei der Beatmung unsicher war. Ich hatte davor auch noch keine Erfahrung damit.“ Das sei aber nicht das Problem gewesen, betont wiederum ihre ehemalige Chefin. „Es wäre entscheidend gewesen, mit dem Absaugen und der Kanüle richtig umgehen zu können und das sollten Sie können. Was Sie an diesem Tag getan haben, hatte nichts mit dem normalen Vorgehen im Notfall zu tun!“

„Sie hat nie gesagt, dass sie nicht zurechtkommt“, berichtet anschließend der Mitarbeiter des Pflegedienstes, der für die Einarbeitung der Angeklagten zuständig war. „Wenn sie gesagt hätte, sie kommt mit der Behandlung des Kindes auch nur in Teilen nicht zurecht, hätten wir sie nie zu ihm gelassen.“

Vorbericht, Dienstag, 20. April - Zweiter Verhandlungstag: Angehörige der beiden Opfer sagen aus

Eine 52-Jährige aus Mühldorf muss sich seit Donnerstag der vergangenen Woche vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Sie soll 2018 in zwei Fällen Schutzbefohlene misshandelt haben. Ein sechs Monate altes Frühchen soll sie als Pflegerin in Lebensgefahr gebracht und einen 83-jährigen Demenzkranken mit einer Rollstuhl-Fußstütze mehrmals auf den Kopf geschlagen haben.

Die Anklage lautet auf „schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen unter Gefahr des Todes“. Gemäß Paragraph 225 des Strafgesetzbuchs wird dies mit einer „Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft“. Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn der Täter die schutzbefohlene Person durch die Tat in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung bringt.

Mühldorfer Pflegerin vor dem Landgericht Traunstein: Ausstecken von Beatmungsgerät zugegeben, Schläge gegen Senior abgestritten

Am ersten Verhandlungstag am vergangenen Donnerstag gab die 52-Jährige zu, dass sie die Stecker des Beatmungsgerätes beim Frühchen zog. „Ich wurde nicht richtig eingearbeitet, ich war überfordert“, so die Pflegerin. Auch ihre Verteidigerin meinte: „Sie war davor nur mit der Pflege älterer Menschen betreut. Aber an Beatmungsgeräten war sie nie tätig.“ Von einer anderen Pflegerin sei sie mit dem Frühchen alleingelassen worden, dann sei ihr beim Absaugen die Kanüle verrutscht. „Meine Mandantin fühlte sich unter Druck und überfordert. Aber sie wollte das Kind zu keiner Zeit schädigen“, so die Anwältin.

Die Schläge gegen den Kopf des dementen Altenheimbewohners dagegen stritt sie ab. In jener Nacht auf den 10. Dezember 2018 habe sie bei dem 83-Jährigen im Heim im Kreis Mühldorf lediglich eingetrocknete, blutige Wunden an der Stirn entdeckt. Sie habe die Wunden dann gewaschen und einen Verband angelegt, der Mann sei danach wieder eingeschlafen. Ein Kripo-Beamter aus Mühldorf, der den Fall untersuchte, sagte aus, die Verletzungen im Gesicht und am Kopf des Mannes seien augenscheinlich sehr massiv gewesen.

Auch eine DNA-Gutachterin wurde als Zeugin vor Richterin Aßbichler geladen. Sie hat unter anderem die Metallteile der Fußstützen untersucht und dort mehrere DNA-Spuren gefunden - nachweisbar waren auch die Spuren der Angeklagten und des Heimbewohners. 

Der Prozess wird nun am Dienstag, 20. April, in Traunstein fortgesetzt. Dann sollen auch die Angehörigen der beiden Opfer aussagen. Es sind zwei weitere Verhandlungstage am 27. und 29. April angesetzt. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Prozess.

hs

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