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Mühldorfer Kriegs-Zeitzeuge spricht über Widerstand: "Heute bewundere ich den Mut der Menschen"

Auf 400 Seiten schrieb der Mühldorfer Curt Faber seine Kriegserinnerungen auf. Heute ist er 96.

Der 96-jährige Curt Faber aus Mühldorf hatte ein bewegtes Leben. Er selbst blickt mit Stolz darauf zurück, dass er sich Ende des Zweiten Weltkriegs dem Widerstand beugte.

Mühldorf/Osterburg – Curt Faber ist im Landkreis Mühldorf viel herumgekommen. Seine Stationen waren Aschau, Waldkraiburg, Kraiburg und Mühldorf. 

Als junger Mann wurde Curt Faber zusammen mit vielen Kameraden seines Jahrgangs zur Wehrmacht eingezogen. Er kam, obwohl er kein Offizier werden wollte, auf die Offiziersschule in Wien. Aus der Heimat begleitete ihn damals der Mühldorfer Kurt Kern. „Ich will heute nur herausstellen, dass ich kein Nazi war und lieber Unteroffizier geblieben wäre als den Leutnantsrock anzuziehen. Ich wurde aber nicht gefragt“, sagt Faber. 

An das Kriegsende erinnert sich Curt Faber noch heute. Er hatte den Auftrag, die Stadt Osterburg im Kreis Stendal in Sachsen-Anhalt gegen die anrückenden Amerikaner zu verteidigen. 

Er führte den Auftrag nicht aus – und verhinderte damit nach seiner Einschätzung ein Blutband an der Zivilbevölkerung: „Ich wurde mit eine Gruppe von 20 Offizieren und anderen Gruppen zur Verteidigung von Rathenow an der Havel beordert. Wir verloren die Stadt, gewannen sie wieder und zogen über die Elbe in Richtung Burg, Magdeburg und kamen mit den Amerikanern ins Feuergefecht. Wir waren ein fliegendes Kommando und erhielten dann den Befehl, mit 15 Mann in Osterburg hinhaltenden Widerstand gegen die nach Osten vorrückenden Amerikaner zu leisten. Am westlichen Ortsrand der Stadt postierte drei Kameraden, die das Auftauchen des Feindes melden sollten. 

Es dauerte nicht lange, da erhielt ich die Meldung, dass der Feind mit vielen Panzern ohne Scheu auf die Stadt anrückte. 

Aufgebrachte Menschen mit Kindern an der Hand 

Fast gleichzeitig zogen die Einwohner von Osterburg mit weißen Fahnen durch die Straßen. Sie kamen zu uns. Wir standen mit dem Ortspolizisten vor der Polizeistation. Laut rufend "Wir wollen ein freies Osterburg" kamen sie immer näher, bedrohten uns förmlich und waren kaum zu beruhigen. An den Fahrrädern, die wir dabei hatten, schlitzten sie die Reifen auf."

Faber kommt nur dann an diesem Punkt ans Grübeln, weiß nicht mehr, ob er zur Abschreckung der Osterburger die Maschinenpistolen durchladen ließ – oder ob er das nachträglich nur geträumt habe. 

"Jedenfalls ist es mir gelungen, die aufgebrachten Menschen, die reihenweise mit Kinderwagen und Kindern an der Hand dabei waren, zu beruhigen. Ein Major und ein Leutnant vom hiesigen Hospital stachelten mich an, ich solle die Stadt auf jeden Fall verteidigen. Beide wollten selbst mitmachen.

"Bei einer Verteidigung wäre es zu einem Blutbad gekommen"

Ich erhielt vom Major den Befehl zur Verteidigung, doch machte ich ihm klar, dass ich der Ortskommandant sei und wir auf Grund der feindlichen Übermacht abziehen. Das taten wir dann auch."

"Heute bewundere ich den Mut der Menschen von Osterburg. Bei einer Verteidigung wäre es zu einem Blutbad gekommen“, hat Curt Faber in seinen 400 Seiten starken Erinnerungen aufgeschrieben. Auch in der Chronik der Stadt Osterburg berichten die Chronisten über den Einmarsch der amerikanischen Truppen am 13. April 1945. 

Curt Faber und seine Kameraden setzten sich über die Elbe Richtung Westen ab. Faber wurde gefangen genommen und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft am Rhein. „Wir waren glücklich, nicht dem Iwan übergeben worden zu sein“, berichtet er noch heute über seine Angst vor russischer Gefangenschaft. 

Curt Faber machte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Lehre in der Werkstatt von Opel, kam als Fachlehrer zur Firma Peters in Waldkraiburg und gründete eine Firma zur Straßenreinigung in Dachau. Zudem hat er sich zu einem anerkannten Fotografen im Pferdesport entwickelt. Seinen Ruhestand verbringt Curt Faber in der Lohmühlsiedlung in Mühldorf.

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