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Keine Berührungsängste

Zwei Pflegeschüler im „InnKlinikum“ Mühldorf erzählen von ihren Erfahrungen

Elgita Bytyqi vor dem BSZ, dessen gute Ausstattung für einen praxisorientierten Schulunterricht ein Pluspunkt für die Pflegeschülerin darstellt.
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Elgita Bytyqi vor dem BSZ, dessen gute Ausstattung für einen praxisorientierten Schulunterricht ein Pluspunkt für die Pflegeschülerin darstellt.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Elgita Bytyqi und Markus Rosenburg stecken mitten in der dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann, die das BSZ Mühldorf anbietet. Sie sind jeweils 21 Jahre jung und haben sehr verschiedene Vorstellungen vom Leben, das sie erwartet. Was sie eint, ist das große Interesse an einem Job, der viele Möglichkeiten bietet.

Mühldorf – Elgita Bytyqi wollte schon seit Kindertagen einen medizinischen Beruf ergreifen. In ihrer dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachfrau am Beruflichen Schulzentrum BSZ in Mühldorf sieht sie sich nun am Ziel ihrer Träume angekommen. Auch Markus Rosenburg, der in der gleichen Klasse ist, fühlt sich auf seinem Weg zum Pflegefachmann pudelwohl. Auch wenn er als Mann in diesem Beruf immer noch unterrepräsentiert ist.

Zugang über die Sozialpflege

„Ich bin vor sechs Jahren mit meiner Familien aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen und bin froh über das wirklich gute Ausbildungssystem hier“, erzählt Bytyqi, die heute in Haag in Oberbayern lebt. Sie gehört dem ersten Jahrgang an Pflegeschülern an, der nach einem generalistischen Ansatz geschult wird.

Auch das gefällt der 21-Jährigen: „In nur drei Jahren lerne ich so die drei Berufe der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege, kann mich aber trotzdem im letzten halben Jahr spezialisieren.“ Die Haagerin hat diese Ausbildung direkt an die zur Sozialpflegerin, die sie ebenfalls am BSZ absolviert hat, angeschlossen. Die Voraussetzung der Mittleren Reife konnte sie damit auf einem anderen Weg erfüllen. Außerdem konnte sie dabei bereits in diverse Pflegeeinrichtungen hineinschnuppern und wusste genau, dass dieser Bereich etwas für sie ist.

„Nach meinen Ausbildungsstationen war mir klar, dass ich später in der Klinik arbeiten möchte. Auch das Altersheim war spannend, aber in der Klinik ist immer etwas los“, Elgita Bytyqi mag es, wenn sie auf Trab gehalten wird. Aber auch die medizinischen Abläufe faszinieren sie. Daher war sie froh, ihren Ausbildungsplatz im „InnKlinikum“ Mühldorf erhalten zu haben. Hier hat sie ihre Praxiseinsätze – die sich mit Blockunterricht am BSZ abwechseln – begonnen, hier wird sie abschließen. Dazwischen hat sie Pflichteinsätze in weiteren medizinischen Einrichtungen wie zum Beispiel im Altersheim, in Psychiatrie, Pädiatrie oder im Ambulanten Dienst.

Auch Schichtdienst gehört dazu

Am besten gefällt es ihr in der Urologie im Mühldorfer Krankenhaus, wo sie derzeit im Einsatz ist. Hier darf sie bereits bei einigen Behandlungen und Untersuchungen assistieren. „Es ist wirklich interessant, den Ärzten beispielsweise beim Legen eines Blasenkatheters zuzuschauen und den Wechsel auch mal selbst zu machen“, betont Bytyqi, die sich die Ausbildung genauso vorgestellt hat. Dass sie gerade auf einer Station ist, wo ihr Ärzte und Pflegepersonal viel erklären und eigenverantwortlich Aufgaben übertragen, ist genau das, was sie sich gewünscht hat. Der Schichtdienst, den man von Anfang an macht, zunächst Früh- und Spät-, dann Nachtschicht, tut dem Ganzen keinen Abbruch.

Elgita Bytyqi bereitet eine Infusion vor. Handschuhe, Mund- und Nasenschutz gehören dazu.

Natürlich hört sie auch die ein oder andere Rückmeldung von Klassenkameraden, denen noch nicht so viel Verantwortung gegeben wird. Elgita Bytyqi traut sich das aber zu und hat darum gebeten: „Ausbildung ist eben auch das, was man daraus macht.“

Dass gut die Hälfte ihres Jahrgangs bereits das Handtuch geworfen hat, liege ihrer Meinung auch daran, dass viele frühzeitig erkannt haben, dass die Pflege nichts für sie ist. „Die Verantwortung für Menschenleben zu tragen, mit Empathie und Freundlichkeit mit den Patienten und deren Angehörigen umzugehen, ist nicht jedermanns Sache“, vermutet die Pflegeschülerin.

Pandemie begleitet Unterricht

Ein guter Teil der Schülerinnen und Schüler habe aber wegen der Corona-Maßnahmen und der Impfung geschmissen. Da scheiden sich die Geister, ist sich Markus Rosenburg sicher. Der junge Neumarkt-St. Veiter wolle jedoch die Ausbildung, mit allem, was dazu gehört, auf jeden Fall durchziehen. Angst vor Corona hat er nicht. Zweimal geimpft, zweimal Corona gehabt, im „InnKlinikum“, wo auch er derzeit arbeitet, testet er sich regelmäßig. Das gehöre eben dazu, das habe er sich so ausgesucht. Dafür werde man in jeder Einrichtung mit offenen Armen aufgenommen. „Hier wird man gesucht, weil der Beruf systemrelevant ist“, erklärt der 21-Jährige.

Jobs in der Pflege sind systemrelevant

Natürlich müsse man aber auch psychisch und physisch belastbar sein. Dass Markus Rosenburg seinen Praxiseinsatz in der Klinik während der ersten Corona-Wellen auf der Pneumologie-Station, wo die Lungenkrankheiten behandelt werden, startete, hat ihn beeindruckt. „Allein deswegen, weil man dort während der Ausbildung nicht so leicht hinkommt“, so Rosenburg. Und weiter: „Die Corona- Station ist derzeit aber kein fester Bestandteil der Ausbildung.“

Markus Rosenburg übt das Messen von Vitalzeichen an der Übungspuppe im „Skills Lab“ des BSZ.

Bereits an seinem ersten Tag auf Station durfte er den Stationsleiter in die Zimmer begleiten. Zeige man genügend Einsatz, dürfe man auch selbst bald autonom Arbeiten übernehmen. Das erste Mal selbst eine Heparinspritze in den Oberschenkel eines Patienten zu setzen, wie es bei Markus Rosenburg war, war aufregend.

Alltagstrott kommt bei seiner Arbeit, die er derzeit in der Kardiologie verrichtet, aber auch so nicht auf. „Hier gibt es viele medizinische Herausforderungen, ganz unterschiedliche Patienten und interessante Untersuchungsmethoden.“ Wie etwa ein EKG schreiben, das er bereits selbstständig machen darf.

Praxisnaher Unterricht

Auch die theoretischen Teile der Ausbildung, die neben pflegerischen auch soziale und politische Aspekte umfassen, sind praxisnah ausgerichtet. Im frisch eingerichteten „Skills Lab“ des BSZ können die Schülerinnen und Schüler mit High Tech arbeiten, zum Beispiel mit an medizinischen Geräten angeschlossenen Übungspuppen Vitalzeichen messen oder Spritzen setzen. „Einmal durften wir uns selbst gegenseitig unter Anleitung eine Magensonde legen. Auch das war eine spannende Erfahrung, die es einem möglich macht, sich besser in den Patienten hineinzuversetzen“, betont der Neumarkt-St. Veiter.

Pflege heißt nicht nur Spritzen aufziehen. Markus Rosenburg, hier vor den Schulungsräumen im BSZ, findet die große Bandbreite der Ausbildung gut.

Markus Rosenburgs Weg in die Pflegeausbildung war ein anderer als der von Elgity Bytyqi. Nach seinem Abitur am Gymnasium Mühldorf hat er in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr den Pflegeberuf kennengelernt. Das man ein Vorpraktikum für die Ausbildung benötigt, macht für ihn Sinn. Er selbst möchte nach der Ausbildung vielleicht Pflegewissenschaften am Campus Mühldorf studieren: „Mal sehen, was sich anbietet.“

Auch Elgita Bytyqi hat Möglichkeiten der Weiterbildung, die sie nutzen möchte. Als Pflegeanleiterin noch etwas mehr Verantwortung zu übernehmen, das würde sie reizen.

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