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Am Samstag, 7. August

Landratsamt Mühldorf plant Sonderimpfaktion für Jugendliche und erntet Zustimmung und Kritik

Jan Wolters ist 15 Jahre alt und gegen Corona geimpft. Obwohl die Meinungen über eine Impfung von Kindern in Deutschland auseinandergehen, bietet das Landratsamt eine Sonderimpfaktion.
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Jan Wolters ist 15 Jahre alt und gegen Corona geimpft. Obwohl die Meinungen über eine Impfung von Kindern in Deutschland auseinandergehen, bietet das Landratsamt eine Sonderimpfaktion.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Das Landratsamt Mühldorf folgt den Gesundheitsministern und bietet Impfungen für Jugendliche ab 12 Jahren an. Damit sind nicht alle einverstanden.

MühldorfDie Empfehlung der Gesundheitsminister ist eindeutig : Jugendliche ab zwölf Jahren sollen gegen Corona geimpft werden. Das Landratsamt bietet deshalb am Samstag eine Sonderaktion für Jugendliche an, erklärt stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag. „Impfungen von Jugendlichen sind ein wesentliches Element, sowohl der individuellen Vorsorge als auch der Pandemiebekämpfung.“ Die Empfehlung der Gesundheitsminister widerspräche deshalb nicht der Haltung der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Die Entscheidung für eine Impfung liegt auch weiterhin bei dem Jugendlichen und den Sorgeberechtigten.“ Deshalb sei es richtig, allen Kindern und Jugendlichen, die sich impfen lassen möchten, Angebote zu machen.

Auf Wunsch und nach Beratung

Auch Dr. Benedikt Steingruber, Leiter des Mühldorfer Gesundheitsamts, unterstützt die Entscheidung, die er einen ersten Schritt mit Signalwirkung nennt. Er gesteht aber zu: „Viele betroffene Eltern und viele Kinderärzte sind verunsichert und warten auf eine aktualisierte Stellungnahme der Stiko. Diese empfiehlt die Impfung derzeit nicht generell, hält sie aber bei Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren ohne Vorerkrankungen nach individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz für möglich.“

Lesen Sie auch: Corona: Inzidenz steigt weiter an - Bundesregierung will Impf-Empfehlung für über Zwölfjährige

Steingruber selbst hält die Impfung von Jugendlichen für sinnvoll. „Viele Kinder leiden unter den wegen Corona auferlegten Einschränkungen. Mit einer Impfung wären sie der gewünschten Normalität wieder ein Stück näher“, sagt er. Damit nähme auch deren psychische Belastung ab. Inzwischen zeige sich außerdem, dass Corona auch bei Jugendlichen nicht immer glimpflich verliefe. „Auch ich würde mir aber eine Prüfung der vorliegenden Studiendaten über die Impfungen dieser Altersgruppe durch die Stiko wünschen.“

Allgemeinmediziner kritisiert Politik scharf und warnt vor gravierenden Folgen

Ablehnend äußert sich dagegen der Mühldorfer Allgemeinarzt Peter Wapler. Er kritisiert vor allem, dass die Politik mit ihrem Vorgehen das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Impfkommission untergrabe. „Es ist gefährlich, was das läuft“, sagte er. Zugleich spricht er der Politik die notwendige Kenntnis ab: „Kein Maler würde die Statik eines Hauses beurteilen“, sagt er.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Für den Mediziner gibt es nach wie vor keine medizinischen Gründe, Kinder und Jugendliche zu impfen. Er erinnert an Studien, die Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen als Nebenwirkungen beschrieben hätten. „Außerdem ist der Krankheitsverlauf bei jungen Leuten selten schwer.“

Huber pocht auf Durchimpfungsrate

Dr. Marcel Huber sieht in der Diskussion beide Seiten. Der Ampfinger CSU-Abgeordnete war Gesundheitsminister unter Horst Seehofer und ist derzeit im Gesundheitsausschuss des Landtags tätig. Er betont die Notwendigkeit in der Seuchenbekämpfung, möglichst viele Menschen zu impfen.

Er warnt: „Jedes Loch im Impfschutz rächt sich.“ Deshalb müsse die Durchimpfungsrate so hoch wie möglich sein. „Wenn wir bei 60 oder 70 Prozent rumkrebsen, bringt uns das nicht dazu, das Thema abzuschließen.“

Augenmerk auf Erwachsene legen

Auf der anderen Seite zeigt er Verständnis für Eltern, die zögern. „Man sollte schon dreimal hinschauen, ehe man Kinder impft.“ Der Krankheitsverlauf sei bei Kindern und Jugendlichen meist leicht, sodass Corona in dieser Altersgruppe nur wenige Schäden anrichte.

Es kommt auf die Erwachsenen an

Deshalb nimmt Huber die Erwachsenen in die Pflicht, ausdrücklich auch mit Blick auf die Schule. „Wenn wir normalen Unterricht wollen, wenn wir ein Ende der Pandemie wollen, müssen wir jeden ins Boot holen, der impfbereit ist“, sagt er und fordert: „Wir müssen vor allem bei den Erwachsenen schauen, dass die Impfkampagne effektiver wird.“

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