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Wohin mit den Flüchtlingskindern?

Zu wenig Platz und Personal: Schulen und Kindergärten im Landkreis Mühldorf sind besorgt

Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen im Landkreis bereiten sich auf die ukrainischen Kinder vor.
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Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen im Landkreis bereiten sich auf die ukrainischen Kinder vor.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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  • Markus Honervogt
    Markus Honervogt
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Viele ukrainische Kinder und Jugendliche mussten aus ihrer Heimat fliehen. In der Region angekommen, sollen sie so schnell und so gut wie möglich integriert werden. Das stellt auch die Schulen vor einige Herausforderungen.

Mühldorf – Noch besuchen wenige ukrainische Kinder und Jugendliche heimische Kindergärten und Schulen.

Aber der Anfang ist gemacht, wie eine im Landkreis Umfrage zeigt.

Ist der sofortige Schulbesuch wichtig

Ein fünfjähriger Bub wird zu den ersten gehören, die in einer Kindertagesstätte unterkommen. Maria Rannetsberger, Leiterin des katholischen Kindergartens Heldenstein, hat mit seiner Mutter ein Aufnahmegespräch geführt. Besondere Vorbereitungen dafür gebe es nicht, sagt Rannetsberger. „Wir müssen schauen, wie es ihm geht“, denn die Kriegs- und Fluchterfahrung unterscheide seine Aufnahme von der anderer Kinder, die nicht aus Deutschland stammten. „Da kann die Arbeit einen ganz anderen Schwerpunkt bekommen.“

Aufnahme von ukrainischen Kindern grundsätzlich kein Problem

Grundsätzlich sei die Aufnahme ukrainischer Kinder kein Problem. „Wir haben immer wieder Kinder, die kein Deutsch können“, sagt Rannetsberger. „Kinder gehen da sehr offen miteinander um.“ So gebe es seit November ein nichtdeutschsprachiges Kinder in dem Kindergarten Heldenstein. „Mit ihm wird es immer besser, die anderen Kinder nehmen es einfach mit.“ Dazu komme, dass Kinder in diesem Alter schrittweise durch tägliches Wiederholen Deutsch lernten. Die Kindergartenleiterin gibt aber zu bedenken. „Ich frage mich, ob es das Wichtigste ist, gleich in Schule oder Kindergarten zu gehen.“

In Buchbach denken das die Familien von vier Kindern. Sie schicken ihren Nachwuchs in die Mittelschule. Hier gibt es eine Deutschlernklasse, sagt Rektor Simon Dörr, er nennt das ideal: „Es geht fast ausschließlich ums Ankommen, darum, die Kinder an Deutschland und die Sprache heranzuführen.“ 14 Kinder werden dort derzeit von einer Lehrerin und einer zusätzlichen Mitarbeiterin fürs Deutschlernen unterrichtet.

Warten ist dagegen in Mühldorf angesagt, so Mittel-Schulleiterin Regina Hornig: „Bei uns wurden noch keine ukrainischen Flüchtlingskinder aufgenommen. Vereinzelt haben Familien nachgefragt, die Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben. Wir mussten sie vertrösten.“ Denn erst will man die grundsätzlichen Informationen aus Kultusministerium und Schulamt abwarten. Hornigs Meinung nach wird das größte Problem beim Schulbesuch dieser Kinder die Personalsituation sein. Die Schule selbst könne die Mehrbelastung nicht stemmen.

Corona erschwert die Situation

An der Grundschule in Mühldorf spricht Rektor Martin Wiedenmannott von einem Glücksfall für die Schule und einen ukrainischen Schüler, der auf Initiative einer Mühldorfer Familie gekommen ist. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass einer seiner Mitschüler ukrainisch spricht und eine unserer Lehrerinnen aus der Ukraine stammt. Das hilft ungemein.“ Die Schule sei bereit: „Wir wollen die Kinder aufnehmen und sind motiviert, aber das zu meistern wird anspruchsvoll. Nur mit dem bestehenden Lehrkörper an der Grundschule wird das sehr schwierig. Derzeit fallen drei Lehrer wegen Corona aus und auch die mobilen Reserven sind ausgeschöpft.“

An den Gymnasien Mühldorf und Waldkraiburg gibt es noch keine ukrainischen Schüler, auch an vielen Mittel- oder Grundschulen sind die Flüchtlingskinder nach Angaben der Schulleitungen noch nicht angekommen.

Kaum freie Plätze in der Betreuung

Probleme für die Kinderbetreuungseinrichtungen könnten vor allem durch die hohe Belegung kommen, macht Astrid Reber von der Stadt Mühldorf deutlich: „Die Betreuungssituation ist angespannt.“ Die aktuellen Platzkapazitäten seien bis auf wenige Plätze in zwei Einrichtungen im ganzen Stadtgebiet ausgeschöpft.

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„Eine kurzfristige Unterbringung der ukrainischen Flüchtlingskinder in den Einrichtungen gestaltet sich äußerst schwierig.“ Das gelte auch mit Blick auf die Belastung des Personals. „Trotzdem laufen auch bei uns die Planungen.“

Das Schulamt hat mit Schulleitern festgelegt, wie der Unterricht für Flüchtlingskinder gestaltet werden soll. Eine Steuerungsgruppe arbeitet mit Hochdruck an einem Konzept. Wie das aussehen wird, stand bis Redaktionsschluss nicht fest.

229 Kinder sind im Landkreis registriert

Am 24. März waren im Landkreis Mühldorf 113 aus der Ukraine geflohene Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jahren registriert, teilte das Schulamt mit. 20 davon werden in neun Grund- und Mittelschulen in Regelklassen beschult. Von den 116 registrierten Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren besuchen sechs eine weiterführende Schule – Gymnasium (4), Realschule (1) und Förderschule (1).

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