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Corona-Pandemie

Mühldorf: Neue Impf-Strategie ändert nichts an Knappheit - Impfangebot für Jeden erst ab Juli

In der Spritze ist Astra Zeneca: Stefan Feige lässt sich von seiner Frau Dr. Karin Neumann-Feige impfen. Als Pandemiearzt ist er für die Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte in die Impfstrategie des Landkreises mitverantwortlich.
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In der Spritze ist Astra Zeneca: Stefan Feige lässt sich von seiner Frau Dr. Karin Neumann-Feige impfen. Als Pandemiearzt ist er für die Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte in die Impfstrategie des Landkreises mitverantwortlich.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Der Landkreis hat die niedergelassenen Ärzte in die Impfstrategie einbezogen. Das habe funktioniert, heißt es dazu nach der ersten Woche. Die Menge des Impfstoffs ist dadurch aber nicht gestiegen.

Mühldorf – Die ersten Testläufe in fünf Hausarztpraxen hätten reibungslos funktioniert, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts Mühldorf.Jetzt würden die Impfungen auf weitere Praxen ausgeweitet. Obwohl damit die Infrastruktur für die Erweiterung der Impfkapazitäten steht, macht eine Zahl deutlich, die das Landratsamt auf Anfrage mitteilt: Derzeit werden etwa 500 Menschen täglich im Impfzentrum versorgt.

Nicht genug Corona-Impfstoff

„Eine Erweiterung der Kapazitäten wäre möglich“, sagt Landratsamtssprecherin Karin Huber. Aber: Dafür ist nicht genug Impfstoff da. Sollten die Hausärzte einbezogen werden, wären laut Huber sogar 1000 Impfungen am Tag möglich – theoretisch.

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Trotzdem hat der Landkreis die Vorbereitungen vorangetrieben, sagt Landrat Maximilian Heimerl: „Die niedergelassenen Ärzte stehen parat und ich bin mir sicher, dass ein dezentrales und wohnortnahes Angebot gerade in einem Flächenlandkreis wie dem unseren für eine Erhöhung der Impfquote sorgt.“

Profitieren könnten davon aber zunächst nur Senioren und Menschen, die in der Risikogruppe zwei eingeordnet sind. Mit einem Impfangebot an jeden rechnet Pandemiearzt Stefan Feige allerdings erst im Juli.

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Daneben bleibt das Impfzentrum ein Bestandteil der Impfstrategie. Das Landratsamt hat dort räumlichen Voraussetzungen geschaffen, um Impfkapazitäten auch dort kurzfristig hochfahren zu können. Die Zahl der Impfkabinen sei erhöht worden, der Anmelde- und Wartebereich vergrößert. „Wir fahren zweigleisig und können so flexibel reagieren“, sagt Heimerl und fügt das hinzu, was derzeit wohl alle denken: „.Jetzt hoffen wir auf eine zuverlässige und ausreichende Versorgung mit Impfstoff.“

Bereitschaft der Ärzte ist riesig

Das eigentliche Problem: die Unterversorgung mit Impfstoff ist damit aber noch nicht gelöst. Pandemiearzt Stefan Feige erklärt im Interview, ab wann es für alle reichen könnte.

Wie groß ist die Bereitschaft der Ärzte, zu impfen?

Stefan Feige: Die Bereitschaft ist riesig. Bisher ist das daran gescheitert, dass zu wenig Impfstoff vorhanden war. Ab April soll jeder Hausarzt seinen Patienten ein Impfangebot machen können. Seien wir ehrlich, die meisten Patienten möchten sich am liebsten vom Arzt ihres Vertrauens impfen lassen.

Und wer ist dafür besser geeignet als der Hausarzt, der seine Patienten am besten kennt und am meisten Erfahrung mit Impfungen hat.

Wie wurde das Impfangebot während des Testlaufs angenommen?

Feige: Die Patienten waren unendlich dankbar, dass sie endlich geimpft wurden. Solange der Impfstoff aber noch so knapp ist, müssen wir an den Priorisierungsgruppen festhalten. Auch ist der bürokratische derzeit noch hoch. Das muss in Zukunft wie bei einer Grippeimpfung ablaufen.

Wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, gehe ich davon aus, dass die Priorisierungsgruppen wegfallen und wir jeden impfen können, der in die Praxis kommt.

Erst ab Juli genügend Impfstoff

Wann wird das sein?

Feige: Ich gehe davon aus, dass es ab Juli genügend Impfstoff für alle geben wird.

Wie läuft die Impfung in den Praxen ab?

Feige: Bei den Impfungen halten wir uns streng an die Priorisierungsgruppen. Das bedeutet, dass zunächst Patienten über 80 Jahre angerufen werden. Sofern sie noch nicht geimpft sind oder einen festen Termin im Impfzentrum haben, bekommen sie ein Impfangebot.

Die Aufklärungsbögen müssen vor der Impfung vom Patienten oder seinen Angehörigen in der Praxis abgeholt und zum Impftermin ausgefüllt und unterschrieben mitgebracht werden. Ohne Aufklärung keine Impfung! Danach werden dann Patienten über 70 Jahre und alle Patienten, die zur Priorisierungsgruppe zwei gehören, angerufen und ein fester Impftermin vergeben.

Ist die Impfung mit Astra Zeneca-Impfstoff gefährlich?

Feige: Ich halte den Impfstoff nach wie vor für sicher. Das Auftreten von Blutgerinnseln im Hirn ist bei Geimpften und Nichtgeimpften gleich hoch, also verschwindend gering. Und schwere allergische Reaktionen können nach jeder Impfung auftreten. Der Impfstoff hatte bereits zuvor einen schlechten Ruf und jetzt ist der Vertrauensverlust noch größer.

Dabei ist der AstraZ eneca-Impfstoff hochwirksam und wird gerade von älteren Patienten gut vertragen. Auch ich habe mich mit Astra Zeneca impfen lassen.

In absehbarer Zeit soll laut Bundesregierung mehr Impfstoff zur Verfügung stehen. Wie sehen Sie hier künftig die Rolle der Praxen?

Feige: Ohne die Hausärzte wird es nicht gelingen, allen Patienten, die sich impfen lassen wollen, bis zum Sommer ein Impfangebot zu machen. Alle derzeit verfügbaren Impfstoffe sind wirksam, wobei der AstraZeneca-Impfstoff von älteren Patienten besser vertragen wird als von jüngeren Patienten.

Wir werden die Pandemie nur besiegen können, wenn wir in kurzer Zeit so viele Menschen wie möglich impfen. Wer also seine Freiheit wiederhaben möchte, zusammen mit Freunden ausgehen, im Biergarten sitzen, im Sommer verreisen, ins Kino oder ins Konzert gehen möchte oder sich um die wirtschaftliche Zukunft Sorgen macht, der sollte sich impfen lassen. Ich bin überzeugt, dass die breite Mehrheit der Bevölkerung so denkt.

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