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Das sagen Anwohner der Töginger Straße

Konflikt um Mühldorfer Bauprojekt: Wenn nur das Geld im Vordergrund steht

Wo einst nur eine Villa stand, sollen vier Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Der Investor hat jetzt neue Pläne vorgelegt, die die Stadt vor einer Entscheidung mit den Nachbarn besprechen will.
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Wo einst nur eine Villa stand, sollen vier Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Der Investor hat jetzt neue Pläne vorgelegt, die die Stadt vor einer Entscheidung mit den Nachbarn besprechen will.
  • Harald Schwarz
    VonHarald Schwarz
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„Wir sollten mit den Anwohnern ins Gespräch kommen“. Das war eine Forderung im Bauausschuss, als intensiv über die Bebauung des gerodeten Grundstückes an der Töginger Straße diskutiert wurde. Doch diese fühlen sich mehrheitlich bisher weder gehört noch ernst genommen. Und das gilt sowohl von Seiten des Investors als auch von Seiten der Stadt.

Mühldorf - Sie sehen durchaus die Notwendigkeit einer innenstädtischen Nachverdichtung. Das angestrebte Vorhaben des Investors steht aber - was die Bebauung und die zu erwartenden Neuanwohner betrifft - in ihren Augen in keinem Verhältnis zu den Ein- und Zweifamilienhäusern, die bisher dieses Siedlungsgebiet prägen.

Auch bei 16 bis 20 Wohnungen könne man von einer „ordentlichen“ Nachverdichtungsquote sprechen – für das Viertel und die Verkehrssituation, die aufgrund der Lage an der Töginger Straße und bei den Schulen alle Bürger Mühldorfs betrifft, wäre dies deutlich erträglicher. Die abgespeckte Version von 26 Wohneinheiten, verteilt auf vier Mehrfamilienhäuser, entspreche aber in keiner Weise dem Charakter des Siedlungsbereiches.

„Die geplanten Häuser sind zu groß und zu massiv. Sie fügen sich nicht in die Umgebung ein. Die aus den Plänen ersichtliche Bepflanzung ist zudem ungenügend. Wir müssen achtsam und mit Sorgfalt unsere schöne Stadt weiterentwickeln. In der angestrebten Form stellt die Bebauung einen großen Fehler dar und wird unser Siedlungs- und Stadtbild für immer negativ prägen“, sagt beispielsweise Helga Josel.

Man habe sich von der Stadtverwaltung einen Dialog erhofft, ergänzt Dominik Bauch: „Wir verstehen absolut nicht, warum die Stadt bei einem derart zentralen Grundstück Ihren eignen Ansprüchen vom ersten Quartal diesen Jahres nicht nachkommt und dem Bauträger deutlichere Grenzen auferlegt.“ Er - und da steht er nicht alleine mit seiner Meinung - erachtet es als fatal, sich als Stadt alleine den ökonomischen Aspekten des Bauträgers unterzuordnen.

Dazu haben Brian Storm und Astrid Maier eine klare Meinung: „Man braucht keine Investoren, um Wohnraum zu schaffen. Das können die Leute, die Wohnraum brauchen, selbst beispielsweise mittels Genossenschaften“.

Einen weiteren Aspekt bringt Sabine Angerbauer mit der Tiefgarage und der geplanten Ausfahrt in die schmale Schlüsselbergstraße ins Spiel. Hier ergänzt Familie Käsbeck: „26 Wohneinheiten bedeutet 50 zusätzliche Autos, Lieferanten und so weiter in der Schlüsselbergstraße“. Dazu kommen noch neun weitere oberirdische Stellplätze.

Als unmittelbare Nachbarin war Sabine Angerbauer bereits von der Rodungsaktion des Investors massiv betroffen und konnte in der Folgezeit bereits erste Auswirkungen auf die Fauna und Flora in dem Siedlungsgebiet feststellen. „Eichhörnchen und zahlreiche Vögel sind bereits verschwunden“, so ihre Beobachtung. Sie befürchtet, dass dies erst der Anfang sein wird.

Zugleich fragt ein anderer Nachbar, wieso eine Partei kurz vor der Wahl öffentlichkeitswirksam einen Baum pflanzt, wenn sie dann zustimmt, dass mitten in der Stadt eine Brache entsteht, die weitgehend versiegelt sein wird, wenn das Bauvorhaben des Investors fertig sein wird. Und Sabine Angerbauer ergänzt: Die sehr geräumigen Wohnungen deuten auf ein höherpreisiges Segment hin, der klassisch familiengerechte beziehungsweise notwendige bezahlbare Wohnungsbau wird hier nicht entstehen“.

Zugleich fragt sie, inwiefern das Viertel und seine Anwohner und Anlieger ohne den Bebauungsplan eigentlich berücksichtigt und geschützt werden. „Einzig schützenswert scheint im Moment die Gewinnerwartung an das Grundstück“.

Alle eint die Enttäuschung über das Agieren des Stadtrates und der Stadtverwaltung. „Die Aufgabe des Bürgermeisters, des Stadtrates und der Behörden ist es doch, mittels des erkämpften Bebauungsplans zwischen den Positionen der Bürger und des Bauherren zu vermitteln und dafür Sorge zu tragen, dass die Lebensqualität vor Ort für alle erhalten bleibt oder zumindest nicht dramatisch verschlechtert wird“, so Sabine Angerbauer. Das könne man aber nicht erkennen.

Am Donnerstagabend laden die Stadtratsfraktionen zu einem Ortstermin für Stadträte, Interessierte und Anwohner um 18.30 eingeladen. Dabei soll Gelegenheit gegeben werden, „sich selbst einerseits ein Bild vor Ort machen zu können, sich das Projekt aus erster Hand schildern zu lassen, vor allem Fragen zu stellen, und vor allem auch den Anwohnern mit ihren Anliegen und Fragen Gehör und Gesprächsmöglichkeit zu verschaffen.“ innsalzach24.de und die OVB-Heimatzeitungen werden im Anschluss dazu berichten.

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