Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern der Autobahn

Nabelschnur oder Unheilsbringer? Auch am Jahrestag der A94-Eröffnung bleibt der Streit

Sie leben im Schatten der Autobahn: (von links) Erich Heindl, Ingrid Obermeier, Manuela Wimmer, Christian Wimmer, Evi Platschka, Maria Myrth, Josef Platschka, Martin Lentfellner, Markus Heindl, Anita Gilnhammer, Barbara Folger, Bernhard Folger
+
Sie leben im Schatten der Autobahn: (von links) Erich Heindl, Ingrid Obermeier, Manuela Wimmer, Christian Wimmer, Evi Platschka, Maria Myrth, Josef Platschka, Martin Lentfellner, Markus Heindl, Anita Gilnhammer, Barbara Folger, Bernhard Folger.
  • Nicole Sutherland
    VonNicole Sutherland
    schließen
  • Markus Honervogt
    Markus Honervogt
    schließen

Vor zwei Jahren eröffnete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die A94 durch das Isental. In die Freude der einen mischte sich dabei die Ablehnung der anderen. Der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern besteht bis heute.

Mühldorf – Isolde Freundl kann sich mit der A94 nicht anfreunden: „An positiven Aspekten sehe ich nur: Die Bushaltestelle der Kinder wurde an einen weniger gefährlichen Ort verlegt.“ Evi Platschka sagt: „Positiv sehe ich die schnelle Anbindung.“ Der Rest ist Ablehnung. Und die hat viele Gründe, wie die Pfaffenkirchnerin weiß: „Die Lautstärke, der Einschnitt in die Natur, Gummi- und Abgasgeruch in der Luft und als Ablagerung auf dem Gemüse.“

Lesen Sie auch: Erste Aktion zum Lärmschutz auf der A94: Wartungsgänge erhalten Hülle - Initiativen fordern mehr

Und es gibt die andere Seite, die Karin Olliges beschreibt. Die Mühldorferin fährt mehrmals pro Woche nach München, je nach Verkehrsaufkommen spart sie dabei zwischen einer halben Stunde und 40 Minuten. „Das ist sehr gut, mein Arbeitsweg hat sich stark verkürzt“, sagt die berufstätige Mutter.

Ein großer Gewinn für die Region

An Pendler in beide Richtungen denkt auch Ingrid Obermeier-Osl. Die Chefin des Holzwerks in Schwindegg und Vizepräsidentin der IHK für München und Oberbayern ist sehr zufrieden: „Die Anbindung an das Fernstraßennetz wird unserer Lage im Herzen Europas sowie den Anforderungen an unseren Wirtschaftsstandort gerecht.“ Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter der über 14.000 alleine in Industrie, Handel und Dienstleistungen tätigen Unternehmen in den Landkreisen Altötting und Mühldorf profitierten davon.“

Auch interessant: Lärmschutz bei A94 reicht nicht: Bürgermeister setzen Verkehrsminister unter Druck

Diese Ansicht teilen Politiker. Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU) spricht von einem Meilenstein für Wirtschaft und Arbeitnehmer, von dem über Jahrzehnte erkämpften Anschluss an das überregionale Fernstraßennetz und der Entlastung der Betriebe. Er sagt: „Entlang der Autobahn sind viele neue Gewerbe und Arbeitsplätze entstanden.“

„Andi, wink amoi!“ Verkehrsminister Andreas Scheuer war vor einem Jahr stilecht mit einem Oldtimer zur Eröffnung der A94 gekommen.

Der Vorsitzende des Vereins „Ja zur A94“ Günther Knoblauch (SPD) jubelt: „Die A94 hat ihre Bedeutung als Nabelschnur und Lebensader für die Region deutlich aufgezeigt.“

Heftige Kritik an Anwohnern

Mühldorfs Altbürgermeister gibt sich dabei gegenüber Kritikern unversöhnlich: „Die A94 gibt unseren Kindern und Enkelkindern in ihrer Heimat eine außerordentliche Zukunftschance. Dies sollte nicht schlecht geredet werden.“ Er fordert, anzuerkennen, dass die Baumaßnahme und die damit verbundenen Vorgaben laut mehrmaliger Überprüfung eingehalten worden seien. „Verloren gegangen ist bei mir die Hoffnung, dass die Gegner die Realität der A94 einsehen und sie akzeptieren.“

Politiker erkennen Probleme der Autobahn: Hohe Preise für Wohnraum, Lärm für Anwohner

So hart urteilen nicht alle Politiker und Wirtschaftsvertreter. Unternehmerin Obermeier-Osl weist auf die „Herausforderungen“ durch die A94 hin und nennt den Verkehr in Ortschaften und steigende Immobilienpreise. „Wir wissen um das Risiko, das eine nicht abgestimmte Entwicklung den Dreiklang zwischen Wohnen, Leben und Arbeiten aus dem Gleichgewicht bringen kann“, sagt sie und fordert ein Entwicklungskonzept für die Region.

Mayer will Sonderprogramm für Lärmschutz

Auch Innenstaatssekretär Mayer weiß um diese Auswirkungen der A94, die bereits zu einer Erhöhung der Immobilienpreise geführt hätten. „Daher müssen wir Modelle finden, dass insbesondere unsere jungen Menschen bezahlbaren Wohnraum finden.“

Auch interessant: Ergebnisse der A94-Überprüfung liegen vor: Alles okay – aber die Diskussionen gehen weiter (Plus-Artikel OVB-Online)

Der wiedergewählte Bundestagsabgeordnete will sich aber auch um besseren Lärmschutz kümmern. Er erinnert an die Zusage des Verkehrsministeriums, die Wartungsgänge an den Brücken zu verkleiden, um so eine erste Lärmminderung zu erreichen. Er will sich darüber hinaus für ein Sonderprogramm einsetzen, das mehr Schutz für jene bringt, bei denen die gesetzlichen Lärmgrenzen nicht überschritten wurden. „Dies könnte sehr schnell für Abhilfe in den betroffenen Gebieten schaffen“, sagt er.

Endlich mehr Lärmschutz schaffen

Was die Anwohner für notwendig halten, erklärt die Pfaffenkirchnerin Platschka: „Ändern müsste sich, dass ein anderer Fahrbahnbelag aufgebracht wird und der Lärm durch verbesserte Lärmschutzwände reduziert wird.“

Und natürlich bleibt eine Geschwindigkeitsbegrenzung Thema, wie sie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im vergangenen Jahr nach Anwohnerprotesten durchgesetzt hatte und die schließlich ein Gericht kippte. Pendlerin Olliges kann sich damit durchaus anfreunden. „Ich maße mir nicht an, über die Situation der Anwohner zu urteilen“, sagt sie. „Aber ein Tempolimit fände ich gut.“ Die Beschränkung auf 120 Kilometer pro Stunde würde die Fahrzeit nicht merklich verlängern.

Heute Abend wollen Anwohner ab 19 Uhr mit Mahnfeuern und Fackeln entlang der Autobahn für Schutzmaßnahmen demonstrieren.

Das sagt die Isentalautobahn GmbH

Das Thema Lärmschutz bewegt die Betreiberfirma „Isentalautobahn GmbH“ derzeit nicht, obwohl es nach Angaben von Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU) die Vereinbarung gibt, die Wartungsstege unter den Brücken einzuhausen. „Das haben wir der Zeitung entnommen“, sagt Geschäftsführer Anton Maier. Der Vorschlag der Einhausung sei nicht neu und von der Autobahndirektion an den bayerischen Landtag übermittelt worden. „Die Einhausung ist aber nicht im Betreibervertrag enthalten“, sagt Maier. Deshalb muss der Bund dafür zahlen, nach Angaben von Innenstaatssekretär Mayer stellt er das Geld zur Verfügung.

Autobahnbetreiberchef Maier geht davon aus, dass die Einhausung Lärm verringert, will sich aber grundsätzlich nicht zum Thema Lärm äußern. „Ich habe den Betrieb sicherzustellen“, sagt er. Die Isentalautobahn GmbH habe alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten, alle weiteren Maßnahmen seien Aufgabe des Bunds.

Verbesserung an einigen Brücken

In dem Bescheid werden laut Innenstaatssekretär Mayer die Isentalbrücke und die Rimbachtalbrücke für die Maßnahme genannt. Einbezogen werden sollen aber auch die Lappachtalbrücke, die Goldachbrücke und die Brücke über den Grimmelbach.

Mit dem Verlauf der ersten beiden Jahre ist die Isentalautobahn GmbH zufrieden. „Wir ziehen eine positive Bilanz“, sagt Geschäftsführer Maier. Am Bauwerk habe es keine Nachbesserungen gegeben, der Betrieb laufe reibungslos.

Mehr zum Thema

Kommentare