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STRAFMAß REDUZIERT

Nachbarn (57) in Mühldorf mit Messer getötet: Täter (48) muss 13 Jahre ins Gefängnis

Die Siebte Strafkammer in Traunstein verurteilte den Täter (48) zu 13 Jahren Gefängnis.
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Die Siebte Strafkammer in Traunstein verurteilte den Täter (48) zu 13 Jahren Gefängnis.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Mit mindestens 23 Messerstichen tötete ein heute 48 Jahre alter Mann seinen Nachbarn (57) in dessen Wohnung in Mühldorf. Das Landgericht Traunstein verhängte gegen den vielfach Vorbestraften eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren – ein Jahr weniger, als beim ersten Prozess gegen vor zehn Monaten.

Traunstein/Mühldorf – Die erneute Verhandlung, beschränkt auf die Höhe der Strafe, hatte der Bundesgerichtshof auf Revision des Verteidigers, Axel Reiter aus Mühldorf, durch Teilaufhebung des Urteils und Rückverweisung an eine andere Traunsteiner Kammer veranlasst. Der Anwalt plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zehn bis elf Jahren. Staatsanwalt Markus Andrä hielt 13 Jahre für erforderlich. In dem jetzigen Prozess war der Schuldspruch bereits rechtskräftig, ebenso die Entscheidung vom August 2020, keine Unterbringung zum Alkoholentzug anzuordnen.

Angebliche Erinnerungslücken

Der 48-Jährige behauptete: „Ich würde mich gerne erinnern. Woran ich mich nicht erinnere – das macht mich selber fertig. Ich weiß, dass ich schuldig bin. Ich will meine Zeit in Ruhe absitzen. Ich bitte um die Chance, gesund zu werden. Ich weiß, dass ich Probleme mit Alkohol habe.“ Damit spielte der Angeklagte auf eine, später vom Verteidiger beantragte Entzugstherapie an, die aber aufgrund des Beschlusses des Bundesgerichtshofs gar nicht mehr zur Debatte stand.

Angeklagter beruft sich auf „russische Mentalität“

„Dieser Fall hat mir mein ganzes Leben kaputtgemacht“, sagte der Angeklagte. Ein Beisitzender Richter entgegnete: „Sie leben noch. Nicht der Fall, sondern Sie selbst haben Ihr Leben kaputtgemacht.“ Die Vorsitzende Richterin verlas einen Liebesbrief des 48-Jährigen aus dem Gefängnis an seine frühere Freundin.

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Darin beklagte er sich, die Strafe sei „übertrieben“, er werde „zu hart behandelt“, als „Mörder und Unmensch“ betrachtet. Weiter hieß es: „Wer hat das Recht, mich zu beschuldigen?“ Frau Braune stellte die Gegenfrage: „Aus Ihren Zeilen klingt heraus, dass das Opfer es nicht anders verdient hat. Auch russische Gerichte urteilen Tötungsdelikte ab.“ Auf Nachfragen berief sich der Angeklagte unter Tränen auf die „russische Mentalität“.

Angeklagter: „Wie es mir wirklich geht, werde ich keinem erzählen

Verteidiger Axel Reiter verlas eine Erklärung namens seines Mandanten. Dieser wisse, er habe schwere Schuld auf sich geladen. Der 48-Jährige bedauere das Geschehene. Eine vorherige Provokation rechtfertige nicht, einem Menschen das Leben zu nehmen. Der Angeklagte ergänzte: „Natürlich bereue ich es.

Wie es mir wirklich geht, werde ich keinem erzählen. Keiner kann mich verstehen.“ Als einzige Zeugin vernahm das Gericht die Ex-Freundin. Sie hatte den 48-Jährigen wenige Tage vor der Tat verlassen und wollte nach Niederbayern ziehen. Vorher wollte sie eine Umschulung beenden, weshalb sie für kurze Zeit bei dem 57-Jährigen wohnte – mit dem sie keine intime Beziehung hatte.

Monatelange Provokationen

Der Gastgeber hatte den 48-Jährigen monatelang mit gegenteiligen Andeutungen provoziert. Ein Problem bei allen Beteitligten war der starke Alkoholkonsum. Der Angeklagte kam Ende 2018 aus einer Entziehungsanstalt mit der Auflage, sich von Suchtmitteln fernzuhalten. Doch ab Frühjahr 2019 trank er wieder.

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Die Richterin hob bei den positiven Aspekten der Strafzumessung das Geständnis des Angeklagten sowie seine Alkoholisierung zur Tatzeit mit entsprechender Enthemmung heraus. Die Schuldfähigkeit sei aber nicht tangiert gewesen.

Tötungsvorsatz wirkt strafschärfend

Für ihn zu werten seien auch die monatelangen Provokationen durch das Opfer. Strafschärfend wirkten sein Tötungsvorsatz, die Begehungsweise der Tat und sein Verhalten hinterher. So habe er gegenüber Polizeibeamten erklärt, er werde es noch einmal versuchen, sollte der 57-Jährige nicht tot sein. In der Haftzelle habe er mit erhobenen Daumen auf die Todesnachricht reagiert.

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