Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Pilotprojekt der Erzdiözese

Mit Schlupfwespen gegen den Holzwurm: Ampfinger Pfarrkirche geht den biologischen Weg

Robin Kazi (Vorne) bringt die Wespen in Position. Beobachten das Ganze: Mesner Stefan Löbbert (von links), Kirchenpfleger Matthias Brandstetter und Dr. Judith Auer.
+
Robin Kazi (Vorne) bringt die Wespen in Position. Beobachten das Ganze: Mesner Stefan Löbbert (von links), Kirchenpfleger Matthias Brandstetter und Dr. Judith Auer.
  • Rita Stettner
    vonRita Stettner
    schließen

In der Pfarrkirche Ampfing ist der Wurm drin. Doch anstatt den Holzwurm zu begasen, versucht man es auf ganz natürlichem Weg – so wie es auch schon in der Schweppermankapelle und in der Friedhofskapelle passiert ist. Ampfing ist dazu ein Pilotprojekt der Erzdiözese München-Freising.

Ampfing – Voruntersuchungen hatten bereits vergangenes Jahr stattgefunden, jetzt will man gegen den Holzwurm in der Kirche vorgehen. Laut Kirchenpfleger Matthias Brandstetter ist in der Pfarrkirche der Befall noch nicht so groß. Aber je eher man die Sache angehe, desto besser sei es. In diesem Pilotprojekt werden jetzt Schlupfwesen punktuell ausgebracht, die den Holzwurm bekämpfen sollen. Begleitet wird das Projekt vom Sachverständigenbüro für historische Bausubstanz „monumentconsult“ mit Sitz in Isen. Gerd Wapler ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Holzschutz. „Diese Behandlung mit Schlupfwespen gibt es noch nicht sehr lange und ist daher noch kein Standardverfahren“, erklärt Dr. Judith Auer, die Biologin für die Schädlingsbekämpfungsfirma APC AG mit Sitz in Nürnberg ist.

Nützlinge leben versteckt am Holz

Die Firma, die diese Methode entwickelt hat, ist deutschlandweit marktführend in der biologischen Schädlingsbekämpfung. Viele wenden zur Behandlung für den Holzwurm noch die Begasung in den Kirchen an- Nachteil: Es können keine Gottesdienste während dieser Zeit abgehalten werden. Bei der Behandlung mit Schlupfwespen jedoch, gibt es keine Gefahr für den Menschen. „Gottesdienste können weiterhin nach den derzeitigen Corona-Regeln mit offener Kirchentüre stattfinden“, sagt Dr. Judith Auer.

In kleinen Röhrchen werden die Wespen an oder unter die befallenen Stellen gelegt.

Lesen Sie auch: Ampfinger Gemeinderat segnet Pläne für Motel ab

Eine Belästigung der Kirchenbesucher durch die Wespen ist nicht zu befürchten, da die erwachsenen Nützlinge sehr versteckt am Holz und deren Larven direkt im Holz leben. Auch stellen sie keinerlei Gefahr für den Menschen durch Stiche oder Ähnliches dar. Die nur wenige millimeter großen Tiere sind nicht mit herkömmlichen Bienen und Wespen zu vergleichen. Auch die häufig geäußerte Befürchtung, dass durch die Wespen ein Schaden am Holz entstehen könnte, lässt sich widerlegen: Der Schaden entsteht verborgen durch die Fraßtätigkeit der Holzwurmlarven und hört in dem Moment auf, wo ein Wespenweibchen eine Holzwurmlarve mit ihrem Legebohrer lähmt.

Lesen Sie auch: 20 Meter hohe Strommasten: Ampfing verlangt Nachbesserungen von der Deutschen Bahn

In den warmen Monaten – am besten ist laut Wapler eine Temperatur so um die 20 Grad Celsius – wird eine Schlupfwespen-Behandlung- nach dem Prinzip „Katzen fangen Mäuse“ durchgeführt. Die verschiedenen Schlupfwespen-Arten („Katzen“) werden vom Geruch der Holzwurmlarven („Mäuse“) angelockt. Haben sie eine Holzwurmlarve im Holz aufgespürt, treiben sie ihren langen Legestachel durch das Holz in die Larve. Dieser Stich lähmt die Holzwurmlarve („Wirt“), tötet sie aber nicht. Nun wird durch den Legestachel ein Wespen-Ei ablegt. Das Wespen-Ei entwickelt sich in der Holzwurmlarve zur Wespen-Larve und frisst die Holzwurmlarve zur Weiterentwicklung auf. Danach schlüpft eine Schlupfwespe aus dem Holz, um wieder eine Holzwurmlarve zu finden.

Gerd Wapler (rechts) zeigt Kirchenpfleger Matthias Brandstetter die kleinen Wespen.

Lesen Sie auch: Ampfing: Aus Kiesgrube wird Ökofläche

Die Schlupfwespen können aber nur die Wespen-Eier in ausgewachsene Holzwurmlarven ablegen. Holzwurm-Eier, Holzwurm-Puppen und Junglarven der Nagekäfer überleben, weshalb mehrere Einsätze der Schlupfwespen erforderlich sind. Damit reduziert sich der Holzwurm-Befall sukzessive. Vollständige Bekämpfungserfolge sind aber von vielen Faktoren abhängig. Die Schlupfwespen können nach dem Einsatz im Kircheninnenraum nicht überhandnehmen: Denn wenn keine Holzwürmer mehr im Holz sind, finden die Wespen keine Vermehrungsmöglichkeit mehr und ihre Population verschwindet ebenfalls.

Verheerende Schäden an Baudenkmälern

Der Holzwurm gehört zu den zerstörerischsten Holzschädlingen in Kirchen, Museen und Baudenkmälern. Dort kann er verheerende Schäden an Bausubstanz oder wertvollen Ausstellungsstücken anrichten. Herkömmliche Behandlungsmethoden wie beispielsweise Wärmebehandlung, Begasung mit dem toxischen Sulfuryldifluorid oder Holzschutzmitteln können aufwendig, teuer und oft mit erheblichen Risiken verbunden sein. Seit einigen Jahren wird daher biologisch mit der Schlupfwespe gegen den Holzwurm vorgegangen.

Mehrere Einsätze nötig

Biologin Judith Auer erklärt den Einsatz der Anobien: Im Zeitraum von Mai bis Oktober werden pro Jahr – je nach Befallsstärke – vier- bis sechsmal die Nützlinge im Abstand von vier bis sechs Wochen freigelassen. „Die Stärke des Holzwurmbefalls und deren Reduktion durch die Wespen wird bei jeder Begehung an festgelegten Bereichen analysiert. Neu entstandene Ausfluglöcher der Holzwürmer und Wespen, die sich an der Größe unterscheiden, werden gezählt und dokumentiert. „Anhand dieser Daten kann der Rückgang geschlüpfter Nagekäfer pro Behandlungsjahr errechnet werden.“

Die Bekämpfung des Holzwurms in der Pfarrkirchen übernimmt die Schlupfwespe: „Der natürliche Feind des Holzwurms ist die kleine parasitische Wespe“, erklärt Gerd Wapler, Sachverständiger für Holzschutz. Der große Vorteil ist auch, dass diese punktionell einsetzbar seien.

Mehr zum Thema

Kommentare