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Coronakrise war der Auslöser

Mit geleastem BMW abgesetzt: Italienischer Koch verschwindet und bleibt Raten schuldig

Der 55-jährige Italiener kam mit einer Bewährungsstrafe davon.
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Der 55-jährige Italiener kam mit einer Bewährungsstrafe davon.
  • Hans Rath
    VonHans Rath
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Wegen der Corona-Pandemie verlor der Koch seine Arbeit, musste Deutschland verlassen und konnte die Leasing-Raten nicht bezahlen. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten, nachdem er monatelang in U-Haft saß.

Mühldorf – In Handschellen wurde der Angeklagte, ein Italiener (55), von zwei Beamten der Justizvollzugsanstalt Mühldorf im Gerichtssaal vorgeführt. Unter Vorsitz von Amtsrichter Dr. Christoph Warga sollte geklärt werden, was dem Koch einer Burghauser Pizzeria vorgeworfen wurde.

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Die Anklage lautete auf Unterschlagung: Am 1. Februar des vergangenen Jahres hatte der Koch von seinem italienischen Chef einen Leasingvertrag für einen BMW 218 i Touring übernommen. Das neuwertige Auto besaß damals einen Wert von etwa 25 000 Euro.

Wegen Corona die Arbeit verloren

Infolge der Corona-Pandemie verlor der Koch seine Arbeit, musste Deutschland verlassen und nach Italien zurückkehren. Für das Auto zahlte er keine einzige Rate und verließ irgendwann zwischen dem 1. Februar und dem 31. Mai Deutschland – mit dem geleasten Fahrzeug. Wo er sich aufhielt, konnte zunächst nicht ermittelt werden.

Von seinem früheren Arbeitgeber erfuhr die Polizei den Aufenthaltsort der Ex-Ehefrau in Italien. Diese lebt in Giulianova, einer Stadt in den Abruzzen mit 23.000 Einwohnern. Schockiert über den Tatvorwurf gegen ihren Ex-Partner gab sie der italienischen Polizei seinen Aufenthaltsort an. Er hatte Arbeit in einem italienischen Lokal in der Nähe der französischen Großstadt Lyon gefunden. Dort wurde er festgenommen und mit einem Flugzeug nach Frankfurt verbracht, wo er zunächst eine zweiwöchige Quarantäne in Untersuchungshaft verbrachte. Seit dem 29. Juni sitzt der Italiener in der Justizvollzugsanstalt Mühldorf ein.

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Seine Rechtsanwältin Christiana Bianco aus München regte ein Rechtsgespräch an. Sollte der 55-Jährige umfänglich gestehen, sollte eine Bewährungsstrafe möglich sein.

Im Anschluss an das Rechtsgespräch erklärte die Verteidigerin für ihren Mandanten, dass er die Klage voll umfänglich einräume. In der Untersuchungshaft habe er Zeit zum Nachdenken gehabt, er bereue die Tat sehr. Da er wegen Corona seine Arbeitsstelle verloren hatte, konnte er die Leasingraten nicht begleichen.

BMW zurückgegeben, bei Bank entschuldigt

Inzwischen sei das Auto durch seine in Italien lebende Ex-Partnerin zurückgegeben und nach Deutschland gebracht worden. Die BMW-Bank habe nun noch eine Forderung in Höhe von 7353,53 Euro, diese resultiere aus ausstehenden Ratenzahlungen.

Als Zeuge wurde der ermittelnde Polizeibeamte der Inspektion Burghausen vernommen. Anfangs habe es nur wenige Informationen gegeben, so der Polizist, der frühere Chef des Beschuldigten habe ihm die Adresse des Kochs in Italien mitgeteilt. So konnte mit Unterstützung italienischer und französischer Polizei der Mann gefunden, verhaftet und in die JVA Mühldorf gebracht werden.

Ein Blick in das Vorstrafenregister ergab nur „Jugendsünden“, wie es die Verteidigerin ausdrückte – mehr als 30 Jahre zurückliegende Drogendelikte.

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Staatsanwältin Salome Engelsberger sah den Tatvorwurf voll umfänglich bestätigt, was vor allem das Geständnis des Angeklagten ergeben habe. Dieses wertete sie ebenso positiv wie die Rückgabe des Wagens und die Bemühungen um Schadensregulierungen. Der Angeklagte habe sich in aller Form bei der BMW-Bank entschuldigt. Negativ fielen für die Staatsanwältin der hohe Wert des BMW und der lange Zeitraum der Unterschlagung ins Gewicht. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, eine Bewährung hielt sie für möglich, sowie die Zahlung von 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Rechtsanwältin Christiana Bianco hielt die Strafzumessung für zu hoch. Ihr Mandant habe alle Anklagepunkte voll eingeräumt. Er habe einen festen Wohnsitz und eine Arbeitsstelle und führe somit ein geordnetes Leben. Mit der BMW-Bank habe ihr Mandant einen Rückzahlungsvertrag ausgehandelt. Sie plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, mit Bewährung, ohne Geldauflage.

Volles Geständnis, drei Jahre Bewährung

Richter Dr. Christoph Warga verhängte schließlich eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Die geforderte Geldauflage ließ er fallen. Der Koch müsse die Raten zurückzahlen, Unterhalt für seine Tochter bezahlen und die Kosten des Verfahrens seien ebenfalls hoch.

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Bei seiner Urteilsbegründung sah Dr. Warga auch das Geständnis als sehr positiv, ebenso wie die Bemühungen um Wiedergutmachung des Schadens und die freiwillige Rückgabe des Autos. Auch die monatelange Untersuchungshaft wertete er für den Koch. Der nicht deutsch sprechende Mann habe sich monatelang nicht verständigen können, die lange Haftstrafe habe ihn psychisch sehr belastet. Den langen Zeitraum der Unterschlagung rechnete der Richter negativ an, auch den hohen Preis des Autos.

Die Bewährungsstrafe hielt er für angezeigt, denn der Mann habe viele Jahre straffrei gelebt, besitze eine Arbeitsstelle und sei familiär eingebettet.

Der Haftbefehl gegen den Beschuldigten wurde aufgehoben. Einer Rückkehr in seine Heimat steht nichts mehr im Wege.

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