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40 Jahre Hausnotruf im BRK-Kreisverband Mühldorf

Mit einem Drücker zur Hilfe – Maria Bauernschmid aus Mittergars ist 700. Kundin des Hausnotrufs

Ein Blumenstrauß zum Notrufknopf am Handgelenk: Corinna Ölschläger (links) und Marco Laner (rechts) beglückwünschen die 90-jährige Maria Bauernschmid. Petzi
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Ein Blumenstrauß zum Notrufknopf am Handgelenk: Corinna Ölschläger (links) und Marco Laner (rechts) beglückwünschen die 90-jährige Maria Bauernschmid.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Der BRK-Kreisverband Mühldorf hat doppelten Grund zu feiern: In vier Jahrzehnten Hausnotruf konnte mit der 90-jährigen Maria Bauernschmid aus Mittergars die 700. Nutzerin des Hilfsangebot begrüßen. Der beinhaltet im Kern einen Alarmknopf, den man am Handgelenk oder als Halskette stets bei sich trägt und im Fall der Fälle einfach nur zu drücken braucht.

Mühldorf/Mittergars – Es komme in letzter Zeit schon häufiger vor, dass sie in und um ihr Häuschen in Mittergars stürzt, erzählt Maria Bauernschmid. Bis vor Kurzem hat die 90 Jahre alte Rentnerin hier zusammen mit ihrem Ehemann gewohnt. Nachdem dieser vor wenigen Wochen verstorben war, hat sich ihr Sohn Georg darum gekümmert, dass seine Mama an den BRK-Hausnotruf angeschlossen wird. Sie ist die nunmehr 700. Teilnehmerin in 40 Jahren BRK-Hausnotruf.

Alarmknopf am Handgelenk

Nun, da sie den Alarmknopf stets am Armband trage und diesen bei Bedarf einfach drücken müsse, fühle sie sich wohler und beruhigter, so Maria Bauernschmid. Dabei hat sie in ihrer Wohnsituation noch Glück: Der Enkel wohnt über ihr, Sohn und Schwiegertochter haben in der Nähe gebaut. Aber: „Was soll ich machen, wenn am Vormittag ein Unglück geschieht? Da sind alle in der Arbeit“, erklärt die rüstige Rentnerin.

Ein Druck am Handgelenk reicht aus, um Hilfe zu rufen. Mit dem Alarmknopf kann man auch in die Badewanne steigen.

Angebot ohne Altersbeschränkung

Auf der sonnigen Veranda vor ihrem Haus bietet sie Corinna Ölschläger und Marco Laner Kuchen und Kaffee an. Ausgerechnet an dem Tag, als die Hautnotruf-Leiterin und der BRK-Kreisverbandsgeschäftsführer vorbeikommen und ihr einen Blumenstrauß als Dankeschön überreichen, feiert sie ihren Namenstag. Wie immer im großen Familien- und Freundeskreis. Alleine ist die Mutter, Oma und Uroma auf keinen Fall.

„Es werden immer mehr Menschen, die auch im Alter alleine wohnen“, so Corinna Ölschläger. Nach über zehn Jahren beim BRK-Hausnotruf hat sie allerhand Erfahrung gesammelt und weiß, dass auch bei zusammenlebenden Paaren oder bei in ein Famlienumfeld eingebundene Personen wie Maria Bauernschmid der Hausnotruf eine sinnvolle Sache sein kann.

Ehrenamtliche aus dem Rettungsdienst

Altersbeschränkungen gebe es hier keine. Das BRK-Angebot richte sich zudem auch an Personen mit erhöhtem Pflegebedarf oder solchen mit Handicap, ergänzt Ölschläger. Sie und ihre zehn hauptamtlichen sowie circa 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun. Abgesehen von einer Erste-Hilfe-Schulung, die alle Mitarbeiter erhalten, bringen viele auch noch Erfahrung aus dem Rettungsdienst mit. „Es vergeht kein Tag ohne eine Handvoll direkter Notrufe in der Hausnotrufzentrale.“ Die Stoßzeiten fallen besonders in die Nacht, wenn etwa einer der Teilnehmer aufgrund eines Sturzes auf dem Weg zur Toilette den Knopf drücken muss.

Daten der Teilnehmer verschlüsselt hinterlegt

Möglich ist, dass der Verletzte nach dem Drücken des Alarmknopfs mit einem Mitarbeiter spricht. Oft gehe es einfach nur darum, dass man sich darum kümmert, die Tochter von oben zu holen oder auch einen der Ehrenamtlichen des sogenannten Hintergrunddienstes nach Hause schickt, um Hilfe zu leisten“, erzählt Ölschläger. Wenn allerdings der Knopf gedrückt und nichts gesagt wird, werde der Rettungsdienst alarmiert. Man wisse genau, wer sich da mit welchen Vorerkrankungen oder Medikationen meldet.

Corinna Ölschläger erinnert sich bei der Gelegenheit an so manche brenzlige, aber auch lustige Situation. Schließlich stecken hinter jedem Knopfdruck einzelne Schicksale. „Einmal hat eine Dame den Knopf wohl versehentlich gedrückt und dann nichts gesagt. Als wir mit dem Rettungsdienst in voller Montur eingetroffen sind, war eine Fachingsfeier im Gange, zu der wir feuchtfröhlich eingeladen wurden“, erzählt Corinna Ölschläger mit einem Schmunzeln. Wenigstens habe man die Katze füttern können.

Wenn auch manches Erlebnis lustig anmutet, der Hintergrund ist ein ernster. Und darüber hinaus einer, der in den kommenden Jahren weiter Fahrt aufnehmen dürfte, ist sich Geschäftsführer Marco Laner sicher. „Einerseits gibt es immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen. Anderseits stellen wir einen Trend zur ambulanten Pflege fest“, erklärt Laner. Die Menschen haben vermehrt den Wunsch, auch im Alter in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Zu diesem Zweck sei der BRK-Hausnotruf ein wesentliches Werkzeug, das immer mehr Menschen nutzen werden, so Laner.

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Natürlich wird sich auch das Angebot in Sachen Hausnotruf, das sich im Laufe der 40 Jahre auch technisch sehr verändert hat, in Zukunft weiter digitaler gestalten. Schwieriger werde die Bedienung für die Betroffenen jedoch keinesfalls, betont Corinna Ölschläger: Es bleibt bei einem Knopfdruck, ob am Handgelenk oder an einer Halskette. Dazu brauche man lediglich entweder einen Festnetzanschluss oder auch nur ein Handy sowie eine Steckdose.

Digitale Zukunfthat schon begonnen

Wenn der Kunde etwa das Basispaket mit Notrufgerät und Alarmbereitschaft nutzen möchte, könnte die Pflegeversicherung die Kosten tragen. Jedoch bietet das BRK mittlerweile allerhand zusätzliche Dienste wie Schlüsselhinterlegung, Bewegungs- und Rauchmelder oder eine zusätzliche Überwachung via Sicherheitsuhr, die in einem Zeitintervall bedient werden muss, da ansonsten Alarm ausgelöst wird, an.

Bei jedem Menschen ist die Situation eine unterschiedliche, die jeweils spezifische Lösungen erfordert. Aber unterm Strich „geht es darum, Hilfe zu leisten, wenn Hilfe benötigt wird“, betont Corinna Ölschläger. Die Verantwortung, auf den Knopf zu drücken, wenn es brennt, liege immer noch beim Betroffenen selbst. Das wird sich auch in den nächsten 40 Jahren mit zunehmender Digitalisierung nicht ändern.

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