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Serie „Summa Dahoam“

Mit dem Badwandl auf dem Inn: Die Geschichte des spektakulärsten Mühldorfer Rennens

Die Schlacht bei Mühldorf war auch ein Thema bei den Badwandl-Rennats.
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Die Schlacht bei Mühldorf war auch ein Thema bei den Badwandl-Rennats.

In der Serie „Summa dahoam“ geht es heute um das Badwandlrennats, das jahrzehntelang fester und beliebter Bestandteil des Mühldorfer Sommers war.

Mühldorf – Ende der Siebziger Jahre war ein völlig anderes Rennen zu beobachten. Drei kreative Mühldorfer hatten die Idee ein „Badwandlrennats“ zu veranstalten. Vierundreißig Badwandlkapitäne aus Österreich, Italien und Deutschland trafen sich an der Innlände zum Start. „De Drei“, so nannten sich der Kotter, der Reichert und der Seidl, waren angenehm überrascht. Zahlreiche Zuschauer bewunderten die abenteuerlichsten Konstruktionen.

Phantasie waren keine Grenzen gesetzt

Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Die mit Rettungsringen und Schwimmkanistern bestückten Auslegerboote, Raddampfer und Tandemwannen waren eine Augenweide. Nach einer dreihundertfünfzig Meter langen Wasserstrecke, musste eine Wendeboje angesteuert und ein Pflichtschnaps getrunken werden. Der Rücktransport der sperrigen Wasserfahrzeuge zum Start war eine schwierige Angelegenheit.

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Die Siegerehrung für das schnellste und für das originellste Badwandl wurde vom königstreuen Schirmherrn, dem bayrischen Schriftsteller Georg Lohmeier durchgeführt. Nach dem zweiten Rennen konnte man im Mühldorfer Anzeiger lesen: „Minister ging baden.“

Innenminister Tandler in einer Wanne

Im zusammengeschweißten Zinkwannen-Achter wollte der bayrische Innenminister Tandler das Steuer von einem der 38 Wasserfahrzeugen übernehmen, doch das Boot kenterte. Der CSU Politiker bekam nasse Füße, hieß es boshaft. Da konnte sich Bürgermeister Federer, der rote Schirmherr des zweiten Rennats, ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen. Aber auch die Zuschauer wurden nass. Im rot lackierten Feuer-wehrwandl saß, der als Feuerwehrhauptmann verkleidete Hans Kotter und spritzte mit einer Feuerwehrspritze in die Menge der Schaulustigen.

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Auch Ambros Seelos, der Schirmherr des dritten Mühldorfer Badwandlrennats, machte Bekanntschaft mit dem Wasser des Inns. Schon nach wenigen Metern ist das Wandl abgesoffen. Der Band-Leader entstieg patschnass den vierzehn Grad kalten Fluten. Jedes Jahr paddelten neue, verrückte Badwandl den Fluss hinunter.

Auch ein Biergarten Badwandl auf dem Inn

Arche Noah, Xanthippe, Sumpfbiber, Sautrogkor-sar und Ballonboot, um nur einige zu nennen. Mitten im Inn ging mein Schulkamerad Wolfgang Laske mit seinem Biergarten-Badwandlboot vor Anker.

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Die fünfundzwanzig schnellsten Schwimmer bekamen Schnaps und Bier kostenlos. Mein Freund Ernst Kastenhuber wollte das seichte Wasser am Rand nutzen. Löcher im Badwandl mit dem Durchmesser eines Oberschenkels waren die Lösung. Als das Wandl kenterte, wäre er beinahe ersoffen. Er steckte im Wandl fest. Die Mühldorfer Wasserwacht hatte alles im Griff und befreite ihn.

Rennats fiel in Dornröschenschlaf

Nach einem knappen Jahrzehnt fiel das Badwandlrennats in einen fünf Jahre dauernden Dornröschenschlaf. Dann wurde es vom Verein „De Boarisch’n“ zu neuem Leben erweckt, zuletzt sind sie wieder eingeschlafen. Vielleicht geht es ja nach Corona weiter.

Die alten Blechwandl anno dazumal sind heutzutage eine Rarität. In meiner Kindheit waren sie ein notwendiges Übel. Einmal in der Woche wurde ich, wie schon erwähnt, von meiner Mutter in einem Badwandl aus Blech abgeschrubbt. Immer am Samstag, „ob ses braucht hod oder ned“.

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