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Legende im Ort

Mit 85 noch am Herd: Warum Jettenbachs Wirtin Maria Grasser nicht an Ruhestand denkt

Nur zu gut kennt man in Jettenbach Maria Grasser: Vor mehr als 60 Jahren hat sie dort die „Gaststätte zum Bahnhof“ übernommen und ist dort noch heute die Chefin im Haus.
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Nur zu gut kennt man in Jettenbach Maria Grasser: Vor mehr als 60 Jahren hat sie dort die „Gaststätte zum Bahnhof“ übernommen und ist dort noch heute die Chefin im Haus.
  • Kirsten Seitz
    VonKirsten Seitz
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Gut bürgerliche Küche, ein gemütliches Ambiente und eine Wirtin, die seit mehr als 60 Jahren Gastronomin aus ganzem Herzen ist. In Jettenbach denkt die Wirtin der „Gaststätte zum Bahnhof“ Maria Grasser noch lange nicht ans Aufhören.

Jettenbach – Gut bürgerliche Küche, ein gemütliches Ambiente, freundliches Personal und eine Wirtin, die seit mehr als 60 Jahren Gastronomin aus ganzem Herzen ist – das gibt es nur schwer zu finden. In Jettenbach gibt es das noch. Die „Gaststätte zum Bahnhof“ hat ihren Namen in der Region, genauso wie Wirtin Maria Grasser. Die beliebte Gastronomin feierte kürzlich ihren 85. Geburtstag und gibt auch heute nur ungern den Kochlöffel aus der Hand.

An die Rente denkt sie jedoch noch lange nicht. Geboren wurde Grasser in Jettenbach. Wie üblich zu der damaligen Zeit arbeiteten die meisten Jettenbacher beim Grafen Törring. So auch ihre Eltern und nach ihrem Schulabschluss für zwei Jahre auch Maria Grasser. Danach machte sie in Bad Reichenhall eine Ausbildung im Gastgewerbe.

Die Familie ist ihr Lebensglück

1956 kam sie nach Aschau Werk in den „Waldhof“ zu Familie Grasser. Dort verliebte sich deren Sohn Alois in die junge Maria. 1961 heirateten die beiden. Die Gastronomie lag ihr im Blut und als sie von ihrer Freundin erfuhr, dass in Jettenbach die „Gaststätte zum Bahnhof“ zu verpachten sei, beschloss sie, diese zu übernehmen. Am 1. Juni 1960 eröffnete sie ihr eigenes Wirtshaus. Ihr größtes Lebensglück ist ihre Familie. Ihre Tochter Rosmarie, wie ihre Pflegekinder Heidi und Michael wuchsen in der Gastronomie auf. Die heute 85-Jährige hatte das Geschwisterpaar Heidi und Michael 1962 zu sich genommen und ihnen ein liebevolles Zuhause geschenkt.

Für Grasser sind es ihre drei Kinder, auf die sie sehr stolz ist. Genauso wie auf ihre Enkelkinder und Urenkel. Ihre Enkelin Melanie Lang und deren Mann Thomas, ein gelernter Koch, führen die Traditionsgaststätte fort, auch wenn Maria Grasser nach wie vor die Chefin im Haus ist und sich den Kochlöffel nicht aus der Hand nehmen lässt.

Die Gaststätte ist seit je her ihr „Herzstück“

Schon in jungen Jahren meisterte sie Haushalt, Familie, drei Kinder, einen Vollzeitjob mit eigenem Wirtshaus nahezu alleine. Ihr Mann Alois arbeitete in der familieneigenen Metzgerei in Aschau Werk und war noch Jäger. Ihre Eltern halfen ihr, so gut sie konnten.

Das hielt die lebensfrohe Jettenbacherin nicht davon ab, ihre Gaststätte am 21. September 1964 zu kaufen. „Des Gasthaus war damois scho mei Herzstück und is es geblieben“, sagt die Seniorin. Das sieht man auch an der Entwicklung der Bahnhofsgaststätte, denn die Wirtin scheute keine Kosten und Mühe, daraus ein kleines Schmuckstück zu machen. Als sie die Gaststätte vor mehr als 60 Jahren übernahm, war sie viel kleiner. Im Laufe der Jahre baute sie um und an, sodass heute viel Platz für Feste und gemütliches Beisammensein geboten ist. Grasser ist auch die Herbergsmutter des Schützenvereins. Vor etwa 35 Jahren baute sie eigens für den Schützenverein einen Schießraum an das Wirtshaus dran.

Gerne erinnert sich Grasser an die alten Zeiten zurück: „De Antn und Giggerl musste ma früher seiba hoidn und füttern. Und wenn sie groß gnug warn, wurdn sie gschlachtet.“ Einer der die hausgemachte Ente liebte, war der evangelische Pfarrer Heckl aus Waldkraiburg. Er war einer ihrer Stammgäste und kam jeden Sonntag mit seiner Familie zum Essen. „Ois i des Wirtshaus damois übernahm, kostete des hoibe Bier 45 Pfennig und a Essen 1,50 Mark.“ Schon früher half die ganze Familie mit und heute ist das noch genauso.

Eine Kastanie zum Geburtstag

Kulinarisch wird seit mehr als 60 Jahren eine ganze Menge geboten, Frische und Selbstgemachtes ist ihr dabei heilig. Ihre Soßen und Dressings mischt sie aus verschiedenen Gewürzen zusammen, was ihre Gäste zu schätzen wissen. Bekannt ist die lebensfrohe Vollblut-Gastronomin auch als „Dampfnudelwirtin“.

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Selbst wenn Grasser so unbeschwert wirkt, hatte sie im Laufe ihres Lebens schwere Schicksalsschläge zu verkraften. Vor etwa 25 Jahren starb ihr Mann Alois, die Jettenbacherin gab jedoch nie auf, denn ihre Familie und ihr Wirtshaus waren wie ein Motor für sie. Weitermachen, Zusammenhalten und gemeinsam schwere Zeiten überstehen. Fragt man sie, was für sie persönlich ihr größter Wunsch ist, lächelt sie und sagt: „I hod früher oan wunderscheen Kastanienbaum im Biergarten. Weil da Blitz do eingschlogn war, musste er entfernt werden. I wünscht ma, dass do irgndwann wieder a Kastanie blüht, mid rosaroten Blütn. An meim Gburtsdog hom sie im Biergarten wieder oan Kastanienbaum gepflanzt. Genau solch oan, wia i ihn ma gwünscht hob.“

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