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FEHLENDE PERSPEKTIVE

Mehr Lockerungen für den Landkreis Mühldorf: Das denken Gewerbetreibende und Politiker

In der Pizzeria Palermo im Turmbräugarten in Mühldorf ist alles gerichtet. Am Dienstag ließ Inhaber Ahmad Aljadou den Biergarten möblieren. „Wir wissen zwar nicht, wann wir aufsperren dürfen. Aber wir denken positiv!“
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In der Pizzeria Palermo im Turmbräugarten in Mühldorf ist alles gerichtet. Am Dienstag ließ Inhaber Ahmad Aljadou den Biergarten möblieren. „Wir wissen zwar nicht, wann wir aufsperren dürfen. Aber wir denken positiv!“

Kontrollierte Lockerungen, mehr Schnelltests und individuelle Gestaltung: Vor der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch (3. März) hoffen Gastronomen, Einzelhändler und Politiker auf eine Perspektive, die Gruppen nicht länger gegeneinander ausspielt.

Mühldorf/Waldkraiburg– Vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten zeichnet sich nach Medienberichten ein erster Fahrplan für Lockerungen ab. Demnach könnten Bund und Länder auf eine Regionalisierung im Kampf gegen Corona setzen, die bei einem günstigen Infektionsgeschehen Öffnungen in einem Landkreis erlauben. Verträgt der Landkreis Mühldorf die nächsten Öffnungen? Die Heimatzeitung hat nachgefragt.

Wieso der Einzelhandel seit Wochen geschlossen ist, dafür gibt es für Gerhard Kohlschmid von Intersport Kohlschmid aus Ampfing keine vernünftige Erklärung. „An den wieder steigenden Infektionszahlen trägt der Einzelhandel keine Schuld, trotzdem sind sie geschlossen.“ Hygienekonzepte der Händler würden nach wie vor tragen, eine Öffnung der Geschäfte sollte daher möglich sein. Dass Supermärkte Haushaltswaren, Sport- oder Baumarktartikel anbieten dürfen, ist für ihn ein großes Ärgernis. „Das ist reine Willkür. Ich habe nicht das Gefühl, dass es einen Lichtblick gibt“, sagt er resigniert.

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Mit dieser Meinung ist Kohlschmid nicht allein „Ich würde am Liebsten sofort öffnen. In Supermärkten boomt das Geschäft und ich darf nicht mal zu Termingeschäften aufmachen. Das ist eine Ungerechtigkeit“, sagt Monica Neumeier von Da Vinci-Moda am Mühldorfer Stadtplatz.

Zur Normalität zurückkehren

Frustriert ist auch Serhad Yazici, dessen Familie das Hotel und Restaurant Centrale und das Avocado am Waldkraiburger Stadtplatz betreibt: „Wenn der Lockdown noch ein bisschen länger dauert, gibt es nichts mehr zu öffnen.“ Man müsse zur Normalität zurückkehren, ab 15. März oder spätestens 1. April. Auf Lockerungen so bald wie möglich hofft auch Willi Engelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk Waldkraiburg: „Die Geschäfte sind keine Infektionsherde. Die Inhaber leiden fürchterlich.“

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Von einer „großen Belastung“ spricht Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch. „Den Kampf gegen das Virus müssen wir mit einem Blick auf das öffentliche Leben führen. Wir müssen Gastronomen und Einzelhändlern und Bürgern eine Perspektive bieten.“ Pötzsch befürwortet kontrollierte und schrittweise Lockerungen. Es sei eine schwierige Gratwanderung, aber man habe genug Erfahrungswerte gesammelt, um es zu schaffen, wenn alle an einem Strang ziehen.

Auf Öffnungen mit Vernunft und Konzept setzt IHK-Vizepräsidentin Ingrid Obermeier-Osl. 15 Prozent der bayerischen Unternehmen würden um ihre Existenz fürchten: „Eine Öffnung ist unabdingbar, die Unternehmen haben Hygiene- und Umsetzungskonzepte.“ Plan (Impfen), Perspektive und positive Zeichen setzen – so sollte der unmittelbare Fahrplan laut Ingrid Obermeier-Osl aussehen.

Kein Festhalten am starren Inzidenzwert

Auf Öffnungen setzt auch Erika Fischer, Vorsitzende des Waldkraiburger Seniorenbeirats. „Man sollte gezielt steuern und individuell gestalten.“ Während Kinos, Gast- und Sportstätten trotz Hygienekonzepten und Lüftungsanlagen geschlossen haben, würden sich in Supermärkten viele Leute aufhalten. „Die Regierung könnte uns entgegenkommen.“

Darauf hofft auch Landrat Max Heimerl. „Das Festhalten an dem starren Inzidenzwert von 100 für Schulen und Kitas ist kaum umsetzbar und stößt auf wenig Akzeptanz. Hier müssen Faktoren wie der Fortschritt beim Impfen, die Situation im Gesundheitswesen oder die Ausweitung der Teststrategie mit Selbsttests eine Rolle spielen.“ Einzelhändler und Gastronomen bräuchten Perspektiven, Heimerl schränkt aber ein: „Ein festes Datum zu nennen, ist schwierig, weil das Infektionsgeschehen der Virus-Mutationen weiter beobachtet werden muss.“

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Ein Konzept, das Menschenleben schützt, gleichzeitig aber die Existenz des Einzelnen erhält, darauf baut Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl. „Wir müssen aufhören, den Lockdown als Allheil bringendes Mittel anzusehen.“ Es brauche einen Stufenplan, der allen Menschen eine Perspektive bietet und Gruppen nicht mehr gegeneinander ausspiele. „Ohne Perspektive wird die Bevölkerung die Maßnahmen nicht weiter mittragen.“

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