Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Marcel Huber nicht mehr im bayerischen Kabinett:

„Ich schmeiße deshalb nicht hin“

Noch im Juni Seite an Seite in Waldkraiburg: Ministerpräsident Markus Söder (rechts) und der damalige Umweltminister Dr. Marcel Huber beim Ortsbesuch in der Flüchtlingsunterkunft im BfZ Peters. peter kneffel/DPA
+
Noch im Juni Seite an Seite in Waldkraiburg: Ministerpräsident Markus Söder (rechts) und der damalige Umweltminister Dr. Marcel Huber beim Ortsbesuch in der Flüchtlingsunterkunft im BfZ Peters. peter kneffel/DPA

Dr. Marcel Huber gehört zu den großen Verlierern bei der Kabinettsbildung im Bayerischen Landtag. Im Interview mit der Heimatzeitung spricht der 60-Jährige über seine Enttäuschung, über mögliche politische Ämter und über den Abend nach dem Aus als Minister.

Wie tief sitzt die Enttäuschung, dass es für Sie als Minister keine Zukunft im bayerischen Kabinett gibt?

Es ist schon nicht leicht, keine Frage. Vor allem deshalb, weil ich aus meiner Sicht in den letzten Jahren nicht so viel falsch gemacht habe. Zudem habe ich mich bis zuletzt bei der Ausarbeitung des Koalitionsvertrags aktiv in die Gestaltung der ökologischen Zukunft Bayerns eingebracht. Das hätte ich gerne an entscheidender Stelle umgesetzt. Aber so ist Politik.

Horst Seehofer hat über Sie einmal gesagt: „Huber kann alles, außer Intrige.“ Ist Ihnen Ihre verbindliche Art ohne breite Ellbogen im politischen Geschäft nun zum Verhängnis geworden?

So würde ich es nicht sehen. Meine Leistungen wurden vom Bayerischen Ministerpräsidenten heute ja auch mehr als deutlich gewürdigt. Grundsätzlich habe ich auch Verständnis für die politischen Zwänge, die sich durch die neue Konstellation im Bayerischen Landtag ergeben haben. Aber persönlich trifft mich die Entscheidung natürlich. Schließlich war ich immer der politische Feuerwehrmann und habe in den letzten elf Jahren im Kabinett sieben verschiedene Positionen bekleidet. Da gab es denkbar schwierige Situationen zu meistern, von der Flüchtlingskrise bis zum Hochwasser. Da war Einsatz gefragt, nicht Verwaltung.

Zudem haben Sie das beste Stimmenergebnis in Oberbayern erzielt: Was hat aus Ihrer Sicht letztlich den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben?

Ich bin Oberbayer, männlich und über 60 Jahre alt. Eine aktuell denkbar schlechte Kombination. Zentrales Ziel war es, das Kabinett jünger und weiblicher zu machen. Das hat der Ministerpräsident nun auch erreicht, das Durchschnittsalter liegt bei gerade einmal 47 Jahren.

Sie gehören nicht zu den engsten Vertrauten von Markus Söder. Hätte ein besseres persönliches Verhältnis etwas verändert?

Das Vertrauensverhältnis zu allen drei Ministerpräsidenten, unter denen ich gearbeitet habe, war immer gut. Das gilt auch für Markus Söder. Dass er sich aus den eigenen Reihen junge, fähige Mitarbeiter ins Kabinett holt, ist verständlich.

Wo sehen Sie Ihre eigene berufliche und politische Zukunft?

Das wird sich innerhalb der nächsten Wochen entscheiden. Ich bin durchaus bereit für neue Aufgaben. Was dabei am Ende herauskommt, kann ich noch gar nicht einschätzen.

Nach so vielen Jahren im Kabinett ist es schwer vorstellbar, dass Sie in Zukunft als Landtagsabgeordneter in zweiter Reihe Politik machen.

Ich habe ein herausragendes Ergebnis in Oberbayern eingefahren. Die Menschen haben mich gewählt und mir damit auch einen Auftrag mitgegeben. Den gilt es zu erfüllen. Ich schmeiße also auf keinen Fall mein Mandat hin und verabschiede mich zum Beispiel in die Wirtschaft, nur weil ich nicht mehr Minister bin. Die Erfahrung und das Wissen, das ich über die letzten 15 Jahre im Landtag angesammelt habe, bringe ich künftig eben an anderer Stelle ein. Nun steht morgen aber zunächst einmal die Amtsübergabe und die Verabschiedung von den Mitarbeitern an.

Und wie verbringen Sie nach so einer Nachricht den heutigen Abend?

Eine Einladung zum Abendessen habe ich ausgeschlagen, ich will den Abend mit meiner Familie verbringen und alles erst einmal sacken lassen. In den nächsten Wochen und Monaten werde ich mich zudem auch erst wieder an ein etwas ruhigeres Leben gewöhnen müssen. So hat der heutige Tag auch etwas Gutes. Die Intensität und Beanspruchung als Minister ist schon enorm. Heuer im Sommer blieben gerade einmal zwei Tage Urlaub übrig. Und doch wird mir das alles irgendwie fehlen.

Kommentare