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Windkraft-Boom im Landkreis? Landrat im Interview

Nur noch 19 Grad im Amtszimmer: In Mühldorfs Landratsamt wird es frisch

Ein Blick auf die App genügt, und Max Heimerl weiß genau, wie viel Strom die Solaranlage auf dem Dach seines Neumarkter Domizils produziert.
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Ein Blick auf die App genügt, und Max Heimerl weiß genau, wie viel Strom die Solaranlage auf dem Dach seines Neumarkter Domizils produziert.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Mühldorf – Gehen im Landkreis sprichwörtlich bald die Lichter aus und die Wohnungstemperatur in den Keller? Auch in unserer Region machen sich die Verantwortlichen an der Spitze der Kommunalpolitik Gedanken, wie wir am besten durch die aktuelle Energiekrise und über den Winter kommen. Nach Vorgabe des Bundeskabinetts setzt das Landratsamt dieser Tage einige Verordnungen in Kraft, die Energie einsparen helfen sollen.

Was diese Maßnahmen bringen und wie es generell um die Energieeffizienz im Landkreis bestellt ist, darüber spricht Landrat Max Heimerl.

Die Räume im Landratsamt sollen nur noch auf 19 Grad geheizt werden. Fröstelt man nun im Gebäude?

Landrat Max Heimerl: Na ja, manch einer läuft schon mit Schal herum. Nein, ich bin dankbar, dass die Mitarbeiter bereitwillig diesen Weg mitgehen. Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Kitas, Schulen und andere soziale Einrichtungen sind von den Temperaturvorgaben ausgenommen.

Was bringen diese Maßnahmen konkret? 

Heimerl: Das ist eine gute Frage, die auch ich diversen Stellen gestellt habe. Keiner kann es mir verbindlich sagen.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass sie etwas bringen. Wir werden sehen. Ich möchte an der Stelle betonen, dass der Landkreis nicht erst jetzt beginnt, Energie zu sparen. Mit in den vergangenen Jahren abgewickelten Maßnahmen konnten wir insgesamt und dauerhaft neun Prozent einsparen. Das sind umgerechnet 700 Megawattstunden im Jahr.

Laut Klimaschutzbericht laufen ab 2022 alle Liegenschaften mit 100 Prozent Ökostrom. Was ist damit?

Heimerl: Das Ziel haben wir erreicht. Durch den Bezug von 100 Prozent Strom aus regenerativen Energiequellen erreichen wir eine CO2-Einsparung von 412 Tonnen pro Jahr im Vergleich zum vorherigen Stromtarif. Zudem betreiben wir als Regionale Energie GmbH insgesamt zehn Photovoltaik-Anlagen, unter anderem auch auf der Mülldeponie Haag. Die Stromproduktion dieser Einspeiseanlagen entspricht rechnerisch einem Anteil von circa 70 Prozent am Gesamtverbrauch. Für seine Effizienz ausgezeichnet ist das Berufliche Schulzentrum in Mühldorf im Energie-Plus-Standard. Ergänzend zum Strom spielt auch die Wärmeversorgung eine wichtige Rolle, das Gymnasium Gars hängt an einer zentralen Hackschnitzelheizung, sämtliche Liegenschaften in Waldkraiburg an der dortigen Geothermie, um einige Beispiele zu nennen.

Wo steht die Geothermie in dieser Energiebilanz?

Heimerl: Geothermie ist in unserem Landkreis eine große Chance. In Waldkraiburg spielt sie schon eine zentrale Rolle. Für unsere eigenen Liegenschaften in Mühldorf war bis dato eine zentrale Hackschnitzelanlage in Planung. Da allerdings die Firma Reichenspurner 2023 mit den ersten Bohrungen für eine Geothermie-Anlage beginnen möchte, über die auch ein größerer Teil in Mühldorf mitversorgt werden könnte, warten wir diese neuen Entwicklungen ab. Weitere Gemeinden sind in der konkreten Vorbereitung und Planung von Geothermie-Projekten.

Das hört sich an, als ob der Landkreis vorbildhaft dasteht ...

Heimerl: Sicher sind wir als Landkreis insgesamt sehr gut unterwegs. Da spielt uns als Region auch die Wasserkraft sehr in die Karten. Mit Blick auf die einzelnen Kommunen darf man diese in ihrer jeweiligen Energiebilanz nicht gegeneinander aufrechnen. Das hängt zum Teil auch von einer günstigen Lage nahe bei Produzenten erneuerbarer Energien ab.

Die Vorgaben für deren Nutzung kommen aus Berlin. Schafft man dort die nötigen Rahmenbedingungen? 

Heimerl: Es ist gut, dass der Staat in seiner jüngsten Gesetzgebung weiter mit Anreizen fördert. Jetzt soll es auch bei Solaranlagen eine „Krisensonderausschreibung“ geben. Wichtig für unsere Region ist vor allem, dass auch die Förderung von Biogasanlagen fortgeführt und zum Teil neu justiert werden soll. Biogasanlagen sind meines Erachtens weiterhin wichtig, auch wenn sie viel Fläche verbrauchen, weil sie grundlastfähig sind und durchgängig Strom produzieren.

Im Landkreis gibt es derzeit rund 50 Biogasanlagen, deren Betreiber einen erheblichen Beitrag zur Energiesicherheit leisten. Jetzt geht es darum, dass die Netze ertüchtigt werden, damit zum Beispiel neue PV-Anlagen zuverlässig einspeisen können. Zurzeit können Anlagen zum Teil nicht ins Netz einspeisen, weil dieses nicht aufnahmefähig ist und lange Leitungen machen für einen Investor die Maßnahmen unwirtschaftlich.

Wir sprachen von Sonnenenergie und Biomasse. Wie ist der Landkreis bei Windkraftanlagen aufgestellt?

Heimerl: Momentan gibt es bei uns keine größere Windkraftanlage, da sich diese in der Vergangenheit als nicht wirtschaftlich dargestellt haben. Wir sind in vielerlei Hinsicht kein „windiger“ Landkreis ... Derzeit wird der Regionalplan der Region 18 überarbeitet, wonach ein größerer Teil der Fläche als sogenannte Vorranggebiete ausgewiesen werden soll. Laut Vorgaben aus Berlin sollen es bis 2026 1,1 und bis 2032 1,8 Prozent in Bayern sein. Da sind wir im Landkreis Mühldorf nah dran. Im engen Austausch mit den Gemeinden eruieren wir nun, welche Flächen darüber hinaus noch sinnvoll wären, in den Regionalplan mit aufgenommen zu werden. Das heißt jetzt nicht, dass auf dieser ausgewiesenen Fläche unbedingt Windräder stehen werden, sondern nur, dass darauf vordringlich Windkraftanlagen gebaut werden dürfen.

Diskussionen mit den Grundstückseigentümern stehen noch aus?

Heimerl: Das wäre der zweite Schritt. Bei der Umsetzung müssen wir natürlich an die Eigentümer herantreten und verhandeln.

Mit Blick auf die bereits laufenden Projekte – welche erachten Sie als besonders nutzbringend?

Heimerl: Man sollte als Region die Dinge nutzen, in denen man stark ist. Da haben wir uns – wie erwähnt – frühzeitig beim Thema Sonnenenergie auf den Weg gemacht. Nun ist es wichtig, dass alle potenziellen Dächer in der Region genutzt werden. Um diese ausfindig zu machen, haben wir das Solarpotenzialkataster ins Leben gerufen.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Mühldorf

Das ist ein digitales Tool, das über die Homepage des Landratsamts erreicht werden kann und das Auskunft gibt, ob das eigene Dach für eine Photovoltaik- Anlage geeignet wäre und welchen Strom man produzieren könnte. Kostenlos und per Mausklick. Da muss sich jeder an die eigene Nase fassen. Am Landratsamt wollen wir zum Beispiel einen PV-Carport mit weiteren Lademöglichkeiten errichten.

Apropos an die eigene Nase fassen: Achten auch Sie zu Hause auf energieeffizientes Wirtschaften?

Heimerl: Wir haben uns beim Hausbau 2000 bereits eine thermische Solaranlage auf das Dach gesetzt, die für warmes Wasser sorgt. Da wir einen Kachelofen haben, brauchen wir auch in der Übergangszeit keine alternativen Heizangebote. Darüber hinaus nutzen wir unsere Photovoltaik-Anlage immer effizienter. Mittels App können wir jederzeit Stromproduktion und -verbrauch überprüfen. Über dieses Tool passen wir unser eigenes Verhalten automatisch an. Wir sparen dadurch merklich Stromkosten ein.

Factbox: Wie das Landratsamt Energie einspart

Nach dem Maßnahmenbeschluss des Bundeskabinetts zum Einsparen von Gas und Strom zieht auch der Landkreis mit Verordnungen nach. Darunter fallen beispielsweise die Reduzierung von Heizzeiten sowie der Vorlauftemperatur der Heizanlage. Eine Temperaturobergrenze von 19 Grad soll damit technisch umgesetzt werden. In Zukunft muss das Landratsamt auch ohne Warmwasser – ausgenommen Gesundheitsamt und Lebensmittelüberwachung – auskommen. Nicht erforderliche Licht- und Verbrauchsquellen werden abgeschaltet. Ein zusätzlicher Schließtag am 31. Oktober als Brückentag vor Allerheiligen soll messbar Einsparungen bringen. Darüber hinaus soll wieder verstärkt auf Homeoffice und die Möglichkeiten der Digitalisierung bei der Reduzierung von Dienstreisen gesetzt werden.

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