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Viele Züge am Mittwoch ausgefallen

Lokführerstreik trifft Bahnreisende in der Region Mühldorf mit voller Wucht

Die wenigsten brauchten gestern den Blick auf die Anzeigetafel in der Eingangshalle des Mühldorfer Bahnhofs, auf der um 8 Uhr jeder zweite Zug gestrichen war. Die meisten Bahnfahrer hatten sich vorab im Internet informiert.
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Die wenigsten brauchten gestern den Blick auf die Anzeigetafel in der Eingangshalle des Mühldorfer Bahnhofs, auf der um 8 Uhr jeder zweite Zug gestrichen war. Die meisten Bahnfahrer hatten sich vorab im Internet informiert.
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  • Josef Enzinger
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  • Markus Honervogt
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  • Hans Grundner
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Viele Züge sind am Mittwoch (11. August) ausgefallen. Das gilt für Pendlerzüge auf dem Weg nach München genauso wie für Nebenstrecken. Die GDL sagt, wie lange der Streik noch dauern soll.

Mühldorf – Die Stimmung am Bahnhof Mühldorf gestern Morgen war weitgehend entspannt. Der Grund: Es kamen nur die, deren Zug ohnehin fuhr. „Ich habe im Internet nachgeschaut und Glück“, sagt Sandra Meiler, die nach Altötting will. Ihr Zug fährt. Auch andere sehen den Streik gelassen, wie Josef Bär: „Mein Zug fährt.“ Zunächst gingen die Lokführer von Güterzügen in den Ausstand, seit Mittwochnacht 2 Uhr traf der Streik der Lokführer dann auch den Personennahverkehr. Auch auf dem gesamten Streckennetz der Südostbayernbahn (SOB) in Mühldorf.

Fast alle Pendlerzüge fielen aus

In der ganzen Region war der Zugverkehr erheblich beeinträchtigt. Für die stark frequentierte Pendlerlinie in Richtung München hatte die Bahn früh einen Ersatzfahrplan veröffentlicht. Vor allem in den frühen Morgenstunden ab Mühldorf musste das Unternehmen sein Angebot gewaltig ausdünnen. Von den zehn Pendlerzügen, die sonst zwischen 5 und 8 Uhr im Fahrplan stehen, wies der Notplan nur vier als gesicherte Verbindung aus.

Abends fuhr nur wenig zurück

Ähnlich die Situation für die abendlichen Rückkehrer. Nur drei von acht Zügen, die sonst zwischen 17 und 20 Uhr in München abfahren, versah die Bahn mit der Bemerkung „Zug soll verkehren“. Nähere Infos konnten sich die Kunden übers Internet und eine kostenlose Streikhotline unter Telefon 08000/ 99 66 33 besorgen.

Betroffen von den Störungen waren auch die Nebenstrecken. Auf den Zug um 8.09 Uhr von Gars nach Mühldorf wartete Neo Kaminski aus Au am Inn vergeblich. „Eineinhalb Stunden. Dann kam der nächste mit 20 Minuten Verzögerung.“ Der junge Mann, der viereinhalb Szunden später am Bahnhof Waldkriaburg wieder auf einen Zug wartet, nimmt’s gelassen. Er habe keinen Termin. „Wer zur Arbeit muss, ärgert sich.“

Keine konkreten Angaben, wie viele Züge ausgefallen sind

Konkrete Angaben, wie viele Züge der SOB nach München und auf den Nebenlinien gestrichen werden mussten, blieb die Bahn nach einer Anfrage der OVB-Heimatzeitungen schuldig. Nach Angaben eines Lokführers waren kurz nach 13.30 Uhr bereits 59 Züge ausgefallen.

GDL hält Streik für notwendig

Mit der Beurteilung des Streiks hielten sich die Reisenden am Mühldorfer Bahnhof gestern morgen zurück: Einige sprachen vom Recht, sich für seine Belange auch mit einem Streik einzusetzen, andere wussten nicht genau, worum es geht.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Das kann Marco Beyer erklären, Ortsvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL): um die Zusatzrente, um Inflationsausgleich und um die Wertschätzung der Mitarbeiter. Bayer fährt seit fast 20 Jahren bei der SOB in Mühldorf und ist seit Oktober 2020 der örtliche GDL-Chef.

Vor allem das „Einfrieren der Zusatzrente“, wie von der DB vorgeschlagen, beschäftigt den 43-Jährigen. 50 bis 100 Euro – je nach Alter und Dauer des Beschäftigungsverhältnisses – fehlten nach dem Erreichen des Rentenalters im Geldbeutel. „Für viele spielt das jetzt vielleicht noch keine Rolle. Aber man muss jetzt damit anfangen, gegen die Verschlechterung zu kämpfen!“ Vor allem die jungen Kollegen hat Beyer dabei im Blick, „für die in diesem Topf dann gar nichts mehr übrig bliebe“.

Klare Trennung von Arbeit und Freizeit gefordert

Auch die verbindliche Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit ist für Beyer wichtig. Aktuell sei es so, dass bei durchschnittlich 20 Arbeitstagen im Monat der Arbeitgeber an vier Tagen kurzfristig völlig frei disponieren Dienst anweisen könne – das entspreche 20 Prozent. Diesen Zugriff wolle der Konzern von vier auf acht Tage verdoppeln. „Wir müssten also doppelt so flexibel sein.“ Beyer kritisiert auch noch die angekündigte Nullrunde, „was nichts anderes ist als Reallohnverlust, wenn ich mir gleichzeitig die Inflation ansehe“.

Gewerkschaft spricht von Zugeständnissen

Dabei verweist er darauf, dass die GDL mit ihren Forderungen bereits Zugeständnisse erbracht habe. Sie orientiere sich bei den Forderungen am den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst und der sehe für 2021 eine Erhöhung von 1,4 Prozent vor und 2022 ein Plus von 1,8 Prozent vor.

Außerdem eine Corona-Beihilfe von 600 Euro. Laut GDL soll dieser Tarifvertrag für 28 Monate gelten. Die Bahn allerdings verhandelt gerade über 40 Monate. „Und das wäre nichts anderes als eine weitere Nullrunde!“

Ersatzfahrplan für Donnerstag

Laut Ersatzfahrplan der Bahn für den heutigen Donnerstag (Stand: Mittwoch, 16 Uhr) fallen auf der Pendlerstrecke Mühldorf-München folgende Züge sicher aus:

  • Ab Mühldorf: 4.29 Uhr, 5.19 Uhr, 5.46 Uhr, 6.37 Uhr, 6.43 Uhr, 7.32 Uhr und 12.31 Uhr.
  • Ab München: 14.07 Uhr, 14.27 Uhr, 15.22 Uhr, 16.27 Uhr, 16.57 Uhr, 17.26 Uhr, 15.48 Uhr, 18.31 Uhr und 19.48 Uhr.

Alle anderen Züge sollen verkehren, aktuelle Informationen über Internet und Streikhotline sind allerdings zu beachten.hg

Es geht um Rente, Freizeit, Geld: Marco Beyer, Ortsvorsitzender der GDL.

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