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Ein Jahr auf Bewährung

Löcher gestopft, bis es nicht mehr ging: Mühldorfer Reisebüro prellt Kunden um 16.000 Euro

Es hätte ein Traumurlaub auf Mauritius werden sollen, am Ende blieb das Ehepaar um fast 6000 Euro betrogen zurück.
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Es hätte ein Traumurlaub auf Mauritius werden sollen, am Ende blieb das Ehepaar um fast 6000 Euro betrogen zurück.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Damals, im Frühsommer des Jahres 2018 war es Stadtgespräch: Die Praktiken eines Reisebüroinhabers in Mühldorf, der seine Kunden geprellt hat, um mit einem Schneeballsystem andere Kosten zu bezahlen. Jetzt stand er vor dem Amtsgericht.

Mühldorf – Von der Hochzeitsreise bis zum Sommerurlaub, von innerdeutschen Flügen bis zum Pauschalpaket reichten die ausgefallenen Reisen, von Dresden bis Mauritius und Neuseeland. Die teuerste kostete fast 6000 Euro.

Ein berufsmäßiger Betrüger

Jetzt, im Dezember 2020, sitzt ein Mann vor Gericht, der so gar nichts von einem berufsmäßigen Betrüger hat. Peter T. (Name von der Redaktion geändert) ist 38, hat ein Insolvenzverfahren am Hals und muss von seinem Lohn das meiste wieder abgeben.

Strafverfahren wegen erwerbsmäßigem Betrug

Und jetzt auch noch ein Strafverfahren wegen erwerbsmäßigem Betrugs.

Sieben Fälle hält ihm der Staatsanwalt vor, alles Kunden, die er im Frühsommer 2018 abzockte. „Obwohl Sie wissen mussten, dass Sie zahlungsunfähig waren, haben Sie weiter Reisen verkauft. Und von denen konnten Sie ausgehen, dass sie nicht zustande kommen würden“, macht Richter Flörian Greifenstein während der Verhandlung klar.

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Das bestätigt zunächst Anwalt Karl-Heinz Merkl und später auch Peter T. Etwas stockend zwar und juristisch nicht ganz in dem Wortlaut, den Greifenstein hören will. Aber immerhin: „Mit heutigem Stand hätte ich das damals wissen müssen“, sagt T. und gibt damit nicht nur den Betrug, sondern auch den „bedingten Vorsatz“ zu. Oder, wie es sein Anwalt Merkl ausdrückt: „Er hätte damals schon bei der Entgegennahme des Betrags wissen können, dass man die Reisen nicht mehr wird darstellen können.“

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T. wird erst selbstsicherer, als das Urteil gesprochen ist: „Mir tut es wahnsinnig leid für die Kunden. Es waren langjährige Kunden, zum Teil seit zehn Jahren.“ Denn T. war kein Neuling im Geschäft. Seit 15 Jahren führte er sein eigenes Reisebüro in Mühldorf. Auch finanzielle Schwierigkeiten waren ihm nicht neu, immer wieder gab es flaue Zeiten. Sein Vater unterstützte ihn, bürgte mit 50.000 Euro bei der Bank. Das Geld ist weg.

Neuen Job im Reisebüro gefunden

Schon bald nach der Schließung seines Büros fand T. einen neuen Job bei einem Reisebüro in der Region. Dort arbeitete er seitdem als Angestellter, Corona hat ihn in die Kurzarbeit geschickt.

Ins Gefängnis aber muss er nicht, auf ein Jahr zur Bewährung verurteilt ihn Richter Greifenstein. „Sie haben das Geld genutzt, um andere Löcher zu stopfen. Irgendwann hat es nicht mehr gereicht.“

Der Angeklagte half nach Kräften mit

Im Juni meldete T. Insolvenz an, schloss sein Reisebüro, unterstützte die Ermittlungen des Insolvenzverwalters, eines Gutachters und des Strafgerichts nach Kräften. Alles Tatsachen, die für den nicht vorbestraften Mann sprachen.

Finanziell ist er auf Jahre ruiniert. Ein großer Teil seiner Einkünfte fließt im Rahmen der Privatinsolvenz an Gläubiger, darunter hohe Summen an Banken und Reiseunternehmer. Die über 16.000 Euro der sieben geprellen Reisewilligen muss er auch zahlen. Die kommen im Strafprozess aber nicht den Opfern zu Gute.

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