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Das letzte Rätsel des Ur-Elefanten

Der Star ist das Skelett: Im Lichthof der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie steht ein Skelettabguss des Gomphoteriums von Gweng.  Foto dpa
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Der Star ist das Skelett: Im Lichthof der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie steht ein Skelettabguss des Gomphoteriums von Gweng. Foto dpa

Der Ur-Elefant, der 1971 in der Nähe von Ebing am Innufer entdeckt wurde, ist das "Fossil des Jahres 2013". Während das "Gomphoterium von Gweng" von der Wissenschaft auch nach über 40 Jahren noch als Sensationsfund gefeiert wird, gibt es widersprüchliche Aussagen, wer es einst überhaupt entdeckt hat.

Mühldorf/München - Was für eine Ehre: Auf der Jahrestagung zum 100-jährigen Jubiläum der Paläontologischen Gesellschaft in Berlin wurde das "Gomphotherium von Gweng" zum "Fossil des Jahres 2013" gekürt.

Die Bewerbung hatte die Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München eingereicht, wo die 170 Einzelknochen für wissenschaftliche Zwecke aufbewahrt werden. Im Lichthof des Museums steht ebenso ein Skelettabguss wie im Naturmuseum in Frankfurt am Main, im Naturhistorischen Museum in Basel, im City Museum von Sendai (Japan) sowie - natürlich - im Kreismuseum Lodronhaus in Mühldorf.

"Die Entdeckung des Skeletts im Jahre 1971 ist bis heute eine paläontologische Sensation. Es stellt einen der weltweit äußerst seltenen, nahezu kompletten Funde voreiszeitlicher Rüsseltierskelette dar", betonen die Experten der Bayerischen Staatssammlung. Darüber hinaus sei es das einzige seiner Art und eines der größten Ur-Elefantenskelette überhaupt. "Die Vollständigkeit, die zweifelsfreie Herkunft und die bekannten Fundumstände machen das Gomphotherium-Skelett von Gweng zu einem äußerst wertvollen fossilen Beleg für alle Aspekte der Evolutionsgeschichte der Rüsseltiere."

Und doch gibt der Ur-Elefant auch nach 40 Jahren noch ein großes Rätsel auf: Wer hat ihn am 27. September 1971 überhaupt gefunden?

Die Literatur - allen voran ein Aufsatz von Norbert Schmidt-Kettler in den Mitteilungen der Bayerischen Staatssammlung aus dem Jahr 1972 - nennt an mehreren Stellen den Namen H. Kretschmann. Der Münchener Sportangler soll damals den Fund der Staatssammlung gemeldet haben.

Vom 4. bis 7. Oktober wurden dann laut Paläontologie alle Backenzähne, beide Unterkieferäste, diverse Schädeltrümmer, das Schädelhinterhaupt, 16 Wirbel, beide Schulterblätter und Teile von sechs bis acht Rippen geborgen. Witterungsbedingt musste die Grabung über den Winter unterbrochen werden, ehe vom 9. bis 20. März 1972 die Ausgrabung der restlichen Knochen folgte.

Insgesamt umfasste der Fund 170 Knochen sowie acht Backenzähne. Der Schädel, zwölf Rippen und einige Fußwurzelknochen fehlten. 1975 wurde nachträglich an der Fundstelle noch einer der Stoßzähne geborgen, der zweite obere Stoßzahn ist dagegen nie aufgetaucht.

Was den Ablauf der Bergung betrifft, gibt es keine Zweifel. Was den Namen des Finders betrifft, schon. Denn Klaus Ertelt, ehemaliger Waldkraiburger Stadtrat und Rektor der Graslitzer Grundschule, erinnert sich noch gut an den Herbst 1971. Seine Version: Franz Schmidt, damaliger Geschäftsführer der Primus Kleiderfabrik und leidenschaftlicher Hobbyangler, hatte einen "seltsamen Stein" am Steilufer des Inns nicht weit von Ebing gefunden. Und weil Schmidt nicht so recht wusste, was es mit dem merkwürdigen Teil auf sich hatte, wandte er sich an den Schullehrer Ertelt.

"Wir haben uns die Knochen angeschaut, ich machte sogar ein paar Fotos und erkundigte mich gleich darauf im Landratsamt. Dort riet man mir das Paläontologische Institut an der Uni München einzuschalten, was ich auch getan habe", erzählt Ertelt.

Gab es also zeitgleich zwei Mitteilungen an das Paläontologische Institut? Und zwei Angler, die vor Ort das Skelett entdeckten? Die Recherche gestaltet sich schwierig: Ein Kontakt zur Familie Kretschmann kam bis Redaktionsschluss nicht zustande und Franz Schmidt ist vor einigen Jahren verstorben.

"Im Moment haben wir keinen Anhaltspunkt, wie die Sache damals wirklich gelaufen ist", sagt Dr. Gertrud Rößner. Die Konservatorin für fossile Säugetiere, in deren Zuständigkeitsbereich das Gomphoterium in der Staatssammlung fällt, kommt zu dem Schluss: "Da steht im Augenblick Aussage gegen Aussage." Einen Findernamen nennt das Institut deshalb ausdrücklich nicht.

Die Expertin will zwar der Finder-Frage in den kommenden Tagen noch einmal nachgehen, eine große Rolle spielt sie in ihren Augen aber nicht mehr: "Entscheidend ist aus heutiger Sicht, dass der Fund einst überhaupt gemeldet wurde. Denn so ist er der Wissenschaft überhaupt erhalten geblieben."

Siehe auch die Glosse "Ein Knochenjob" auf Seite 11. ha

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