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Nach schwerem Erdbeben mit 2200 Toten

Leben retten: Stephanie Schmitt aus Aschau am Inn erzählt von ihrem Hilfseinsatz auf Haiti

Oft mit einfachen medizinischen Mitteln hat Stephanie Schmitt (links) beim Einsatz auf Haiti mit ihrem Team von I.S.A.R Germany viel erreichen können. Nach dem Erdbeben war medizinische Soforthilfe gefragt.
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Oft mit einfachen medizinischen Mitteln hat Stephanie Schmitt (links) beim Einsatz auf Haiti mit ihrem Team von I.S.A.R Germany viel erreichen können. Nach dem Erdbeben war medizinische Soforthilfe gefragt.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Ein schweres Erdbeben hat Mitte August erneut Haiti erschüttert. Mehr als 2200 Menschen starben, noch mehr wurden verletzt. Stephanie Schmitt aus Aschau am Inn gehörte zu einem Hilfsteam, das vor Ort geholfen hat. Nach ihrer Rückkehr spricht sie nun über ihre Eindrücke.

Aschau am Inn – Eingestürzte Häuser, Menschen unter Trümmern verschüttet und ein Land, in dem auch vor dem Erdbeben das Nötigste schon knapp war. Mehr als 12 000 Menschen wurden verletzt, mehr als 2200 starben nach dem Beben der Stärke 7,2. Schnell wurde die internationale Gemeinschaft zur Hilfe aufgerufen.

Auch Tierärztin Stephanie Schmitt aus Aschau machte sich nur wenige Tage später auf den Weg nach Haiti. Seit 2012 macht sie Rettungshundearbeit, vor sechs Jahren hat sie sich der gemeinnützigen Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany angeschlossen, um genau nach solchen Ereignissen zu helfen. Der Einsatz auf Haiti war ihr erster.

Elf Tonnen Hilsmaterial verladen

„Medizinische Soforthilfe war gefragt. Dazu braucht es aber nicht nur Fachkräfte, sondern auch Manpower“, sagt Stephanie Schmitt. Elf Tonnen Hilfsmaterial wurden in Köln-Bonn in eine Sondermaschine verladen, auf Haiti ging es mit dem Schiff weiter. Das Camp und die Ausrüstung mussten zuletzt handverladen werden auf einen Katamaran, um zum Einsatzort zu gelangen.

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Zu Stephanie Schmitts Aufgaben gehört der Aufbau der Feldapotheke. Auch wenn sie keine Humanmedizinerin ist, sie hat das medizinische Hintergrundwissen und eine Sanitätshelferausbildung und sie kennt die Wirkstoffe der Medikamente. „Es ist ein Trugschluss, zu meinen, dass man nicht helfen kann, nur weil man nichts Spezielles kann. Sicherlich braucht man Vorkenntnisse, aber bei einem Einsatz hat Jeder seine Aufgaben und der eine funktioniert ohne den anderen nicht“, sagt die selbstständige Tierärztin. Camp, Feldapotheke, Feldlazarett müssen aufgebaut werden, die eigene Wasserversorgung auf die Beine gestellt werden.

Elf Tonnen Hilfsmaterial und Ausrüstung wurden für den Einsatz auf Haiti am Flughafen Köln/Bonn verladen.

Das Erdbeben hat Haiti erneut schwer getroffen, der Karibikstaat hatte sich auch elf Jahre nach dem schweren Beben noch immer nicht ganz erholt. Hinzu kommen ein unterfinanziertes Gesundheitssystem, der Wiederaufbau nach dem Beben im Jahr 2010 litt unter Korruption und Verschwendung. Die Not ist groß. Im Feldlazarett können die 39 Helfer von I.S.A.R. Germany kleinere Eingriffe vornehmen und eine hausärztliche Versorgung sicherstellen. Die Hilfe nehmen die Menschen der Insel dankbar an. Ob Prellungen, Schnittverletzungen oder Abszessen – die Helfer kümmern sich um die Verletzungen, die die Menschen durch das Beben erlitten haben.

Blasenentzündung kann zum Problem werden

Doch es geht auch um ganz gewöhnliche Krankheiten, die in westlichen Ländern keine längere Behandlung nach sich ziehen. „Eine Blasenentzündung kann dort aber schon zum Problem werden. Wir haben medizinische Leiden versorgt, die nicht unbedingt direkt mit dem Erdbeben zu tun hatten“, sagt die Stephanie Schmitt. Einen Arzt gibt es auf der kleinen Insel normalerweise nicht.

Einige der Patienten litten an Verwurmungen, die sie als Tierärztin schnell erkannt hatte. „Es gab aber kein Labor für eine genauere Untersuchung, weshalb wir vorrangig Symptome behandelten. Man muss flexibel sein und mit den Möglichkeiten vor Ort auskommen.“

Heißes Frittierfett über die Beine

Im Team mit dabei waren auch Chirurgen für schwere Fälle, doch selbst die konnten nicht in allen Fällen helfen. „Der schlimmste Fall war ein Mädchen, dem durch das Erdbeben heißes Frittierfett über die Beine geschüttet wurde und dadurch schwerste Verbrennungen erlitten hat.“ Das Mädchen musste zur weiteren Behandlung ausgeflogen werden.

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„Bei so einem Einsatz wird einem sehr deutlich, wie gut es uns geht. Wir haben ein funktionierendes Gesundheitssystem und müssen uns keine Sorgen machen, an kleineren Verletzungen zu versterben“, sagt Stephanie Schmitt. Sie sei schon viel gereist und habe auch schon Armut und Umweltverschmutzungen gesehen. „Urlaub und Einsatz ist aber was ganz Anders.“ Dass ihr Team während des einwöchigen Hilfseinsatzes auch Leben gerettet hat, sei den Aufwand wert gewesen. Wenn beim nächsten Mal die Alarmierung einsetzt, wird sie wieder nicht lange überlegen. Denn sie weiß: „Ich habe viel Zeit und Energie in das richtige Engagement investiert.“

Das ist I.S.A.R Germany

Die gemeinnützige Hilfsorganisation I.S.A.R Germany wurde 2003 gegründet. Der Name I.S.A.R. steht für „International Search-and-Rescue“ und ist ein Zusammenschluss aus Spezialisten verschiedener Hilfsorganisationen und dem Bundesverband Rettungshunde. Aufgabe ist es, internationale Hilfe nach Naturkatastrophen, Unglücksfällen und bei humanitären Katastrophen zu leisten. Mittlerweile sind rund 170 Helfer aktiv, die weltweit eingesetzt werden. Die Meisten von ihnen arbeiten ehrenamtlich. Als gemeinnützige Hilfsorganisation finanziert sich I.S.A.R Germany über Spendengelder.

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