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Nachruf auf „den Alten vom Berge“

Streiter fürs Land: Langjähriger Mühldorfer CSU-Abgeordneter Asenbeck mit 91 Jahren verstorben

Politische Weggefährten: Nikolaus Asenbeck (rechts) und der von ihm geförderte Marcel Huber bei einer CSU-Versammlung beim Kreuzerwirt in Mettenheim.
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Politische Weggefährten: Nikolaus Asenbeck (rechts) und der von ihm geförderte Marcel Huber bei einer CSU-Versammlung beim Kreuzerwirt in Mettenheim.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Ihm war es egal, ob sein Gegenüber Strauß hieß oder Stoiber: Über Jahrzehnte gestaltete der Mühldorfer CSU-Landtagsabgeordnete Nikolaus Asenbeck die Landes- und Kreispolitik mit.

Mühldorf/Zangberg – Es war im April 2003, zu einer Zeit also, als Nikolaus Asenbeck längst aus der ersten Reihe der Politik zurückgetreten war. Da rief er den Redakteur an, und bat ihn zu sich in die heimische Küche nach Herrendeisenbach, hoch über Zangberg.

Der Grund: In der Mühldorfer CSU tobte der Streit um die Nachfolge im Amt des Kreisvorsitzes und des Landtagsmandats. Sieben gestandene CSU‘ler wollten die Aufgabe damals übernehmen, in der Partei herrschte allgemeine Unsicherheit, über den richtigen Mann.

Klare Ansagen gegenüber jedermann

Nicht bei Nikolas Asenbeck. Der war sich sicher und diktierte seinem Besucher bei Kaffee und Kuchen den Namen und die Qualifikation seines Wunschkandidaten in den Block. „Und das schreib’st dann“, endete die Unterweisung zugunsten von Marcel Huber.

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Der ehemalige Minister und derzeitige Heimatabgeordnete lacht, wenn man ihn heute auf diese Episode anspricht. Denn das, sagt Huber, war wohl die einzige gravierende Einmischung in die Arbeit seines Nachnachfolgers, den er zum Wechsel in die Politik bewegt hat.

Der Alte vom Berge

Den „Alten vom Berge“, nannten ihn viele CSU‘ler in den Tagen nach seinem offiziellen Abschied aus der Politik. Und von dort aus betrachtete der sechsfache Vater auch nach seinem Rückzug aus der Landespolitik den Kreisverband und mischte sich hier und da mal ein, oft gefragt, manchmal auch auf eigene Initiative.

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Asenbeck war Landwirt, genauer Landwirtschaftsmeister, als er mit 25 Jahren natürlich in die CSU eintrat und natürlich in Zangberg, seiner Heimatgemeinde. Noch im selben Jahr übernahm der junge Mann den Vorsitz des Ortsverbands, 1967 auch den des CSU-Kreisverbands. Im Jahr davor hatten ihn die Zangberger zu ihrem ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt, ein Amt, das er auch beibehielt, als er 1970 in den bayerischen Landtag einzog. Das Land, es war und blieb seine Wurzel, ein Umstand, den er nie verhehlte, sondern zum Antrieb für seine Politik machte.

Er fürchtete niemanden, auch nicht Franz-Josef Strauß

„Er war als Politiker der geborene Vertreter seiner Region“, sagt Marcel Huber. Es war eine Zeit des Umbruchs, der neuen Themen vor allem in einem so stark ländlich geprägten Landkreis wie Mühldorf. Asenbeck positionierte sich in München als Vertreter der jungen Landwirte, als Fürsprecher dessen, was heute Region heißt. „Da hat er sehr gut gepasst, in dieser Zeit für diese Region“, sagt Huber.

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Die Zeit, das war vor allem die Ära Strauß, eine Epoche sehr direkter und deutlicher Worte, die auch Asenbeck aussprechen konnte. „Er war schon eine Nummer in der Landespolitik“, sagt Huber. „Damals eine Idealbesetzung.“

Vom „Bauernabgeordneten“ schrieb eine Münchner Zeitung nach einem Auftritt Asenbecks im Parlament. Und: „Seine Auftritte waren bis hinauf zum Ministerpräsidenten gefürchtet“, ganz gleich ob der Alfons Goppel, Strauß, Max Streibl oder Edmund Stoiber hieß.

Für den Erhalt ländlicher Strukturen

Sein Einsatz für das Land, für die Landwirtschaft, dazu gehörte auch der Kampf um den Erhalt kleiner, ländlicher Strukturen. Gebietsreform hieß das Kampfgebiet, auf dem er gegen den damaligen Innenminister Bruno Merk – ebenfalls CSU – vorging. Der wollte große Verwaltungseinheiten, Asenbeck bevorzugte das Kleinteilige. Er sah Verwaltungsgemeinschaften als angemessenes Mittel, die Eigenständigkeit der Dörfer möglichst zu erhalten. Eine Ansicht, mit der er sich in seiner Partei und damit auch im Landtag durchsetzen konnte.

Im Landkreis der starke Mann in der CSU - neben Erich Rambold

In der Landkreis-CSU traf Asenbeck auf einen zweiten starken Mann, den jungen Landrat Erich Rambold. Die Reibungen zwischen beiden trieben die Landkreis-CSU in diesen Tagen an und legten die Grundlage für die zwei Pole, die seitdem – allerdings deutlich konfliktfreier – den Kreisverband prägten. Er mit der Wahl von Landrat Maximilian Heimerl vor wenigen Wochen endete dieses Prinzip.

1994, mit 64 Jahren, gab Asenbeck den Kreisvorsitz und das Landtagsmandat ab, er wurde Ehrenkreisvorsitzender. Jetzt ist Nikolas Asenbeck im Alter von 91 Jahren gestorben.

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