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Landkreis spricht sich für Konzept aus

Kinder in Gefahr sollen in Notinseln Zuflucht finden - Stadt Mühldorf lehnt Partnerschaft ab

Der Notinsel-Aufkleber soll Kindern und Jugendlichen bald landkreisweit anzeigen, wo sie in Notsituationen Zuflucht finden können.
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Der Notinsel-Aufkleber soll Kindern und Jugendlichen bald landkreisweit anzeigen, wo sie in Notsituationen Zuflucht finden können.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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In Geschäfte oder Betriebe mit dem Notinsel-Aufkleber sollen sich Kinder flüchten können, denen auf dem Schulweg etwas passiert ist, die gerade Hilfe brauchen, weil sie von anderen verfolgt werden oder auch nur, weil sie den Bus verpasst haben und nicht weiterwissen. In der Stadt Mühldorf wird eine Partnerschaft abgelehnt.

Mühldorf – Kindern und Jugendlichen in Not- und Gefahrensituationen einen Fluchtpunkt anbieten, das sollen künftig landkreisweit so genannte „Notinseln“.

Für deren Einrichtung hat sich der Ausschuss für Jugendhilfe des Landkreises in seiner jüngsten Sitzung einstimmig ausgesprochen.

Bewährtes Konzept statt eigener Lösung

Die CSU-Kreistagsfraktion hatte im Mai den Antrag „Hier bist du sicher – Kinderschutz im Landkreis“ gestellt: „Der Landkreis entwickelt zusammen mit den Familien-, Jugend- und Sozialreferenten der Städte und Gemeinden ein landkreisweites Konzept, um Kinder zu schützen“, so der Wortlaut. „Es soll ein gemeinsames Projekt unter dem Motto „Hier bist du sicher“ entwickelt werden, in dem Kinder in ihrem Lebensraum eine Anlaufstelle beziehungsweise einen Zufluchtsort finden, wenn sie sich in Not befinden oder bedroht fühlen.“ Geschäfte und Institutionen sollten mit einheitlichen Symbolen gekennzeichnet und mit Notfallinformationen ausgestattet werden. Dafür brauche es ein vom Landkreis entwickeltes Logo und Aufkleber sowie Flyer und Infomaterial für Eltern, Kitas und Schulen.

In der Sitzung wurde den Gremiumsmitgliedern erläutert, dass es bundesweit mit rund 17.000 Notinseln der Deutschen Kinderschutzstiftung „Hänsel + Gretel“ bereits seit 2002 ein ähnliches Projekt gebe. „Solche Notinseln gibt es zum Beispiel in der Münchner Fußgängerzone und die Stadt Waldkraiburg ist bereits seit über zehn Jahren Notinsel-Partner“, sagte Claudia Holzner, Leiterin des Fachbereichs Jugend im Landratsamt. Bisher musste in Waldkraiburg aber noch keine Notinsel tätig werden.

In Geschäfte oder Betriebe mit dem Notinsel-Aufkleber sollen sich Kinder flüchten können, denen auf dem Schulweg etwas passiert ist, die gerade Hilfe brauchen, weil sie von anderen verfolgt werden oder auch nur, weil sie den Bus verpasst haben und nicht weiterwissen.

„Der finanzielle Aufwand, um für den Landkreis ein eigenes Konzept zu entwickeln, wäre deutlich größer, als die Teilnahme an dem bestehenden Konzept“, erklärte Landrat Max Heimerl. Zudem seien die Notinseln in Waldkraiburg schon etabliert, zwei unterschiedliche Logos und Aufkleber könnten bei den Kindern zu Verwirrung führen.

Landrat Max Heimerl nannte dem Ausschuss die Kosten für eine Notinsel-Partnerschaft: „Für den Beitritt sind einmalig 750 Euro zu bezahlen, danach 195 Euro pro Jahr als Betreuungspauschale.“ Dazu kämen Materialkosten für die Bewerbung des Projekts bei Kindern sowie die Kennzeichnung der Standorte. Den Personaleinsatz für die Umsetzung im Landkreis schätzt das Landratsamt auf 30 bis 50 Stunden pro Jahr.

Hintergrund: Stadt Mühldorf lehnte Notinseln ab und erarbeitet ein eigenes Kinderschutz-Modell

Im Mai 2022 hat der Hauptausschuss der Stadt Mühldorf den Antrag der CSU-Stadtratsfraktion auf Abschluss einer Notinsel-Partnervereinbarung einstimmig abgelehnt. Stattdessen soll ein eigenes Konzept erarbeitet werden.

„Eine sinnvolle und zielführende Umsetzung des Projekts ist nicht ohne erheblichen Aufwand in der Verwaltung zu leisten“, hatte Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl (UM) festgestellt. Die Stiftung mit Sitz in Karlsruhe werde nicht vor Ort tätig. Die Grundlagenermittlung, Akquise, Kontaktvermittlung mit Notinsel-Geschäften, Werbung in Schulen sowie die nachhaltige Begleitung des Projekts würden langfristig Personalkapazitäten in der Verwaltung binden. Die finanziellen Auswirkungen wurden als nicht absehbar eingeschätzt, da Erfahrungswerte fehlten. Die Stadt geht von rund 5000 Euro für Personal- und Sachkosten aus.

Aktuell befindet sich das Projekt in der Entwurfsplanung für ein entsprechendes „Logo“. Auch eine Übersichtsliste der wichtigsten Telefonnummern für die teilnehmenden Firmen und Geschäfte ist derzeit in Bearbeitung, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Im nächsten Schritt sollen die interessierten Firmen über eine Pressemitteilung zur Teilnahme am Projekt informiert werden.

Factbox: So läuft das Projekt in Waldkraiburg

„Das Projekt läuft sehr gut in der Stadt“, erklärt Stephanie Till, Pressesprecherin der Stadt Waldkraiburg und Koordinatorin des dortigen Notinsel-Projekts auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Neue Geschäfte sind immer wieder bereit, eine Notinsel zu werden und so wächst die Notinsel-Familie immer weiter. Schulen und Kitas unterstützen uns dabei, das Projekt bei den Kindern bekannt zu machen.“ Zahlen darüber, wie oft die Notinseln tatsächlich schon von Kindern in Anspruch genommen wurden liegen der Stadt Waldkraiburg nicht vor, die Geschäfte geben dazu keine Rückmeldung an die Verwaltung. Auf die Frage nach der Betreuung des Projekts durch die Stiftung Hänsel + Gretel, antwortet Till: „Wir gestalten gemeinsam mit der Stiftung die Hausaufgabenhefte, die kostenlos an die Schulen und Kindergärten verteilt werden. Außerdem steht die Stiftung bei Rückfragen zum Projekt, zur App, den Werbemitteln und Ähnlichem zur Verfügung.“

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