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PROZESS IN TRAUNSTEIN

Frühchen und Demenzkranken in Mühldorf schwer verletzt? 52-jährige Angeklagte weist Vorwürfe zurück

Mit einer Puppe prüfte das Landgericht Traunstein im Prozess gegen eine 52-jährige Altenpflegerin aus Mühldorf, ob die Opfer in der Weise verletzt worden sein könnten wie die Staatsanwaltschaft glaubt.
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Mit einer Puppe prüfte das Landgericht Traunstein im Prozess gegen eine 52-jährige Altenpflegerin aus Mühldorf, ob die Opfer in der Weise verletzt worden sein könnten wie die Staatsanwaltschaft glaubt.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Eine 52 Jahre alte Altenpflegerin muss sich seit Mittwoch (14. April) wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen unter Gefahr des Todes und gefährlicher Körperverletzung vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein verantworten. In ihrer Aussage weist sie die Vorwürfe zurück.

Traunstein/Mühldorf – Laut Staatsanwalt Thomas Krojer führte die 52-Jährige am 12. Januar 2018 den Schlauch eines Beatmungsgeräts zu tief in die Lunge eines damals knapp sechs Monate alten Frühchens ein. Als das Gerät Alarm auslöste, holte die Frau keine Hilfe, sondern zog sämtliche Stecker und löschte das Licht.

Die Familie des bereits blau angelaufenen Frühchens leistete Erste Hilfe und alarmierte den Rettungsdienst. Dieser brachte den Buben in ein Krankenhaus.

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Keine medizinische Ausbildung

Die Angeklagte gab über ihre Verteidigerin an, sie habe 2007 Altenpflegerin gelernt, aber ohne medizinische Ausbildung. Sie sei in mehreren Einrichtungen tätig gewesen, ab 1. Januar 2018 für einen ambulanten Pflegedienst. Sie habe nur ältere Menschen betreut, sei nie an einem Beatmungsgerät tätig geworden.

Sie sei zur Pflege des Säuglings eingesetzt worden, obwohl sie sich bei der Bedienung des Beatmungsgerätes unsicher gefühlt habe. Nach Verrutschen der Kanüle habe sie gedacht, das Gerät müsse abgeschaltet werden. Die Anwältin über ihre Mandantin: „Sie fühlte sich unter Druck, war überfordert und konnte nicht mehr adäquat reagieren. Sie hatte keinerlei Absicht, das Kind zu schädigen. Die Einarbeitungszeit war einfach zu wenig.“

Die Angeklagte gab mehrfach Erinnerungslücken vor. „Es ist so lange her“, meinte die 52-Jährige.

Fristlose Kündigung beim Pflegedienst

Nach der fristlosen Kündigung durch den Pflegedienst wechselte die 52-Jährige den Arbeitsplatz. In einem Seniorenzentrum im Landkreis Mühldorf leistete sie im Dezember 2018 Nachtschichten in der Abteilung für Demenzkranke.

Laut Staatsanwalt betrat sie am 9. Dezember 2018 gegen 23.03 Uhr das Zimmer eines bettlägerigen, kaum ansprechbaren 83-Jährigen. Mit einer drei Kilogramm schweren Rollstuhlfußstütze soll sie auf den Mann eingeschlagen haben. Stunden später fand ihn die Mitarbeiterin der Frühschicht mit 22 massiven Kopfverletzungen. Zwölf Tage später starb er im Krankenhaus Mühldorf.

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Angeklagte informierte den Frühdienst erst um 6.15 Uhr

Die 52-Jährige ließ auch zum Fall mit dem Senior ihre Verteidigerin reden. Demnach wechselte die Pflegerin nachts Einlagen und lagerte den 83-Jährigen. Dabei stellte sie „zwei bis drei Kratzer“ am Kopf fest. Sie stillte die Blutung, säuberte die Wunden, unternahm aber nichts weiter.

Dazu die Verteidigerin: „Sie schätzte die Verletzungen nicht als notärztlich behandlungsbedürftig ein, wechselte nur die Kleidung des Mannes und reinigte das Zimmer.“ Erst um 6.15 Uhr informierte die Angeklagte die Frühschicht über die „Kratzer“ und verließ das Heim.

Blutspuren an Kleidung und Wänden

Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler und Beisitzende Richterin Dorothea Bartschmid äußerten Skepsis gegenüber der Version der 52-Jährigen. Sie habe den blutgetränkten Schlafanzug gewechselt, das Bett frisch bezogen und hätte beim Waschen die vielen Verletzungen sehen müssen.

Darauf entgegnete die Angeklagte, dass das Licht schlecht gewesen sei. Das Gericht konfrontierte die Altenpflegerin mit drastischen Fotos der Kripo. Die Reaktion der 52-Jährigen: „Es wird schon so gewesen sein.“

Der Kriminalbeamte erklärte, dass man im Zimmer des Seniors zahlreiche Blutspritzer gefunden habe. Überdies seien blutgetränkte Handtücher weggeworfen worden. Auf dem Richtertisch demonstrierte eine Vertreterin des Instituts für Rechtsmedizin der Uni München mittels einer Puppe, wie die Verletzungen am Kopf des 83-Jährigen entstanden sein könnten.

Weitere Verhandlungstermine in Traunstein

Die Verhandlung wird am 20. April, 9 Uhr, fortgesetzt. Weitere Termine sind der 27. und der 29. April.

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