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Wut an Zapfsäulen: Mitarbeiterin erzählt

An Kraiburger Tankstelle geht der Sprit aus - Emotionen kochen hoch: „Da staut sich viel Frust an“

Unschuldiger Blitzableiter: Servicefachkraft Monika Brenneisen musste sich am Tag, als es keinen Sprit mehr gab, viel und heftige Kritik anhören.
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Unschuldiger Blitzableiter: Servicefachkraft Monika Brenneisen musste sich am Tag, als es keinen Sprit mehr gab, viel und heftige Kritik anhören.

Tankstellenpächter Richard Dan musste diese Woche durch einen Shitstorm. Zum Ende des Tankrabatts war der Sprit alle und die Kunden sauer. Warum er unschuldig war und welche drastische Konsequenz er zog.

Kraiburg – Es war ein richtiger „Shitstorm“, den Tankstellenpächter Richard Dan zum Ende des Tankrabatts erleben musste: Er betreibt die HEM-Tankstelle in Kraiburg und an dieser „Tanke“ gab es am Mittwoch, einen Tag vor Auslaufen des Tankrabatts, nur noch „Super Plus“ zu kaufen, an allen anderen Zapfsäulen hingen Schilder mit dem Vermerk, dass die Tanks, aus denen der Treibstoff hochgepumpt wird, leer sind.

Pächter ohne Einfluss auf den Spritpreis

Für viele Kunden, die in den sozialen Netzwerken ihrem Ärger Luft machten, stand fest: Der Tankstellenpächter wolle nur zusätzlichen Gewinn machen, indem er den noch von der Bundesregierung geförderten und damit billigeren Sprit so lange zurückgehalten habe, bis um Mitternacht zum Donnerstag die Preise wieder deutlich höher waren.

„Das ist natürlich völliger Unsinn“, sagt Dan. „Kein Tankstellenpächter hat Einfluss auf den Preis. Der wird seit Jahren zentral von der Zentrale des Unternehmens festgelegt und per Funkschaltung eingestellt – und zwar bei über 400 HEM-Tankstellen gleichzeitig.“ Dies sei bei allen Tankstellenketten so.

Leere Zapfsäulen sorgten für Frust.

Natürlich sei es ärgerlich gewesen, dass die unterirdischen Tanks leer waren. Das sei aber nicht verwunderlich gewesen: „Wir hatten einen riesigen Ansturm von Kunden, die noch einmal den günstigeren Sprit tanken wollten. Es war ja bekannt, dass der Tankrabatt ausläuft.“ Bei sehr vielen Tankstellen sei deshalb der Sprit knapp geworden und die Raffinerien hätten nur begrenzte Transportmöglichkeiten. Die Tanks wurden schnellstmöglich wieder gefüllt, aber bis die Lieferung da war, habe es gedauert. Richard Dan: „In dieser Zeit haben wir uns Einiges anhören müssen. Das war nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig“.

Personal musste Frust aushalten

Den Pächter stört auch das Verhalten mancher Kunden: „Meine Angestellten wurden teilweise richtig dumm angeredet, obwohl die an der aktuellen Situation am aller wenigsten Schuld haben. Wir würden auch lieber zu anderen Preisen verkaufen. Ich weiß von den vielen Pendlern unter unseren Kunden, dass sie unter den höhen Energie- und Treibstoffpreisen sehr zu leiden haben.“ Aber das sei ähnlich wie im Supermarkt: „Die Dame an der Kasse kann ja auch nichts für die Preise der Waren in den Regalen“.

Monika Brenneisen, die am Tag nach der nächtlichen Preiserhöhung im Kassenraum der Tankstelle Dienst hatte, kann nur zustimmen: „Ich kenne die meisten Kunden. Natürlich kann ich ihren Ärger nachvollziehen, gerade jetzt, wo so viele Preise in vielen Bereichen nur noch nach oben gehen. Auch wenn ich das gerne möchte, ändern kann ich es nicht, so leid mir das tut,“ Sie selbst merke, dass die Stimmung der Kunden immer schlechter wird: „Da staut sich viel Frust an, weil das Leben immer teurer wird“.

Stimmung könnte in echte Wut kippen

Dan hat das auch bemerkt: „Auch die jungen Leute, die früher nicht so schnell sauer geworden sind, wenn der Sprit teurer wurde, werden jetzt sauer. Sonst haben sie eben in einem anderen Bereich gespart, beispielsweise beim Lebensmittelkauf – aber der wird ja auch immer teurer. Die Politik muss sich jetzt etwas einfallen lassen, sonst könnte die Stimmung irgendwann in echte Wut kippen – so weit sollte man es nicht kommen lassen“.

Der Tankstellenpächter hat aus den Entwicklungen der letzten Monate übrigens seine Konsequenzen gezogen: Zum Monatsende endet sein Pachtvertrag, er hat ihn nicht verlängert. „Natürlich ist mir das nicht leichtgefallen. Viele Kunden sind gute Bekannte und Freunde geworden. Die Firma HEM war auch immer ein fairer Partner. Aber für mich persönlich ist das Thema Tankstelle beendet, wer das macht, der braucht noch stärkere Nerven als ich.“

krb

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