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Nicht einmal der Zeitplan ist klar

„Konzept des Innenstadtparks kaputt“? Streit um Sümö-Gelände in Mühldorf verschärft sich

Wie sollte das Sümö-Gelände in der Mühldorfer Altstadt, unten im Bild, gestaltet werden? Manche Bürger sind mit dem Konzept der Stadt nicht ganz einverstanden.
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Wie sollte das Sümö-Gelände in der Mühldorfer Altstadt gestaltet werden?
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Die Positionen sind unverändert, es gibt keinerlei Bewegung im Streit um die Planung des Sümö-Geländes. Das zeigte eine Sondersitzung des Stadtrats. Vor mehreren Dutzend Zuhörern formulierten die Stadträte die Positionen, die sie seit einigen Wochen vertreten. Eine Annäherung gab es nicht. Sogar über das weitere Vorgehen herrschte Uneinigkeit.

Mühldorf –Architektin Ursula Hochrein vom Münchner Büro Lohrer-Hochrein stellte den Entwurf für das Gelände vor und erinnerte an die Vorgaben der Stadt, mit denen die Freizeitnutzung und Lebensqualität in der Innenstadt gestärkt werden und ein durchgehender Grünstreifen entstehen sollte. Verbesserung des Wegenetzes für Fußgänger und Radfahrer, dazu 1514 Stellplätze, habe der Stadtrat gewünscht, sagte Hochrein. Der Verkehr sollte strukturiert werden, dazu kommen ein Gastrobetrieb und Supermarkt.

Architektin betont Flexibilität

„Es ging darum, einen Entwurf zu entwickeln, der in möglichst vielen flexiblen Schritten umgesetzt werden kann“, sagte Hochrein. „Nach unserem Plan bietet das Gelände eine direkte Verbindung zum Stadtplatz und eine tolle Lage auch zum Wohnen.“

Sie betonte, dass die Versiegelung deutlich zurückgenommen werde, aus bisher 26 000 Quadratmetern würden künftig nur noch 21 000. Dazu, sagte Stefan Schörghuber (CSU), müsse der Parkplatz am Gyn-Zentrum gerechnet werden, der wegfallen solle und etwa 2500 Quadratmeter versiegelte Fläche habe.

Wie geht es am Sümö-Gelände weiter? Einen konkreten Zeitplan brachte auch die Stadtratssitzung nicht. Noch gelten die Vorschläge, die ein Architektenbüro zur Gestaltung des Geländes mit Parkhäusern, Grünstreifen, Supermarkt und Café gemacht hat. Grafik: Klinger

Laut Hochrein wird es deutlich mehr Bäume geben als derzeit. Den 60 Bäumen, die gefällt werden sollen, stünden 143 neue Bäume gegenüber, ein Großteil bestehender Bäume bliebe erhalten. Hochrein betonte mehrfach, dass viele Elemente des Entwurfs diskutiert werden könnten, wenn es in die konkrete Ausgestaltung gehe.

Hochrein verteidigte auch die Idee der Wohnbebauung. Es sein notwendig, Innenstädte anders zu planen. Es werde künftig weniger Geschäfte geben, Innenstädte müssten neu strukturiert und belebt werden.

Fraktionen sollen Anregungen geben

Bürgermeister Michael Hetzl (UM) wiederholte das Lob für den Plan, den der Ideenwettbewerb hervorgebracht hat. „Es ist ein sehr guter Entwurf, der sicher noch nicht ins Detail geht“, sagte er. „Es ging um ein grundsätzliches räumliches Konzept. Nicht um konkrete Planungen und Ausgestaltungen.“ Deshalb könne es auch noch keinerlei Angaben zu möglichen Kosten, Preisen oder Details geben. Hetzl sagte zu, dass die Anregungen aus dem Stadtrat aufgegriffen würden.

Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner würdigte die Klarheit der Jury-Entscheidung, die sich eindeutig für diesen Entwurf ausgesprochen habe.

Als nächste Schritte nannte Architektin Hochrein die Erstellung von Studien zum Verkehr und zum Baumbestand, dazu eine genauere Planung und Konkretisierung des Entwurfs. Einen Zeitraum für die Umsetzung der Planung nannte Bürgermeister Hetzl auf Anfrage Multuschs nicht.

Er sagte aber, die Fraktionen sollten ihre Anregungen binnen der nächsten sechs Wochen sammeln und an die Stadt weitergeben. Dr. Matthias Kraft (Grüne) kritisierte diese Aufforderung. Er forderte eine Gesamtschau unter Einbeziehung der ganzen Innenstadt, bevor die Fraktionen Stellung zu dem Entwurf nehmen könnten und die Planung fortgesetzt werde.

Applaus für Gegner und Befürworter

Stefan Lasner (CSU) sprach sich für einen genau festgelegten Zeitrahmen aus. Er verlangte allerdings weitere Detailinformationen und Zeit für eine Diskussion in seiner Partei. Lasner regte eine Vorstellung der Pläne in den Fraktionen an. Oliver Multusch (AfD) wünschte sich wegen der großen Bedeutung des Geländes einen breiten Konsens im Stadtrat.

So wie der Entwurf im Stadtrat auf unterschiedliche Meinungen traf, waren auch die Ansichten der zahlreichen Zuhörer gespalten. Sie applaudierten Gegnern wie Befürwortern des Entwurfs.

Mehr zur Diskussion finden Sie hier.

Kein gutes Haar am Entwurf gelassen

Vor allem die Grünen ließen kein gutes Haar an dem Plan für das Sümö-Gelände. „Es ist die Schokoladenseite der Stadt, die aufgewertet gehört. Stattdessen konzentrieren wir uns auf große Parkhäuser“, sagte Dr. Georg Gafus (Grüne). Er forderte, Autos aus der Altstadt fernzuhalten und Parkplätze außerhalb zu schaffen. Den von der Stadt ermittelten Parkplatzbedarf hält er für übertrieben.

Dr. Matthias Kraft (Grüne) fragte: „Warum so wenig Entsiegelung, warum den Wohnraum?“ Er fürchtet, dass der Park aus Lärmschutzgründen nicht genutzt werden kann. Solange das Hallenbad stehe, rücke die Schlüsselqualität – der Bau eines geschlossenen Parks rund um die Stadt – nicht näher.

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Oliver Multusch (AfD) hielt dagegen, dass es Menschen gebe, die auf die Nutzung des Autos und damit auf Parkplätze angewiesen seien. „Es ist wichtig, dass wir ein Parkplatzkonzept entwickeln, das dem gerecht wird.“ Weite Wege von Parkplätzen außerhalb lehnte er als unzumutbar ab. Öffentlicher Nahverkehr sei keine machbare Alternative.

Bürgermeister Michael Hetzl (UM) sagte: „Es war wichtig, eine Parkplatzmehrung zu haben und keine Reduzierung.“ Auch die Idee, den Stadtplatz teilweise von Autos zu befreien, werde durch den Entwurf gestärkt. Er sprach von künftig nur noch einer statt zwei Fahrspuren auf dem Stadtplatz. „Das bedeutet die Konzentration der Parkplätze auf eine Fläche“ auf dem Sümögelände.

Von zu viel Wohnraum sprachen Kathrin Enzinger und Zacharias Spöhrl (beide Grüne). Enzinger rechnet mit hochpreisigem Wohnraum, der außerdem den Park einschränke. Sie forderte den Stadtrat auf, seine Planung in den Dienst der notwendigen Verkehrwende zu stellen. „Ich wünsche mir, dass wir da einen Schritt innovativer denken.“ Spöhrl bemängelte, dass die Planung nicht der Allgemeinheit zugutekomme. „Wir sollten Lebensqualität für die Allgemeinheit schaffen.“ Vor allem für Jugendliche sei nichts vorgesehen.

Den 6000 Quadratmetern neuer Wohnungen stellte Claudia Hungerhuber (SPD) die 50 leer stehenden Wohnungen in der Altstadt gegenüber. „Durch die Wohnbebauung ist eine andere Nutzung mit mehr Grün verbaut.“ Ein massiver Riegel durch die Parkhäuser verhindert aus Sicht von Stephan Schinko (Grüne) die Anbindung an den Inn. „Das Konzept macht die Idee des Innstadtparks kaputt.“

„Wir sehen die Idee skeptisch“, sagteAngelika Kölbl (SPD). Als kritisch bezeichnete sie die Auflösung des Parkplatzes am Gyn-Zentrum. Darüber gebe es keine Entscheidung im Stadtrat.

Zustimmung formulierte Stefan Schörghuber (CSU). „Der Entwurf hat die Anforderungen am besten erfüllt“, sagte er. Mehr Grün, weniger Versiegelung und ein Baustein für die Entwicklung des Stadtplatzes sieht er als die Stärken des Entwurfs. Er regte Wasserflächen und einen Spielplatz an. „Auch die Anbindung an den Inn kann verbessert werden.

Für die UM kritisierte Sprecher Markus Saller , dass die Grünen die Vorgaben in Frage stellten, die der Statrat beschlossen hätte. Er nannte den Entwurf einen sehr ansprechenden Ansatz zur Gestaltung des Areals. CSU-Fraktionssprecher Stefan Lasner forderte, dass die Stadt die Planung in die gesamte Altstadt einbetten und einen weiteren Umgriff betrachten solle.

Für Karin Zieglgänsberger (UM) steht der Plan im Dienst einer Weiterentwicklung der Altstadt. „Ich will nicht, dass diese Idee jetzt zerredet wird.“

Das Sümögelände

Der Streit um das Gebiet am Rande der Altstadt beginnt schon beim Namen: Heißt es jetzt Sümö-Gelände, benannt nach der Süddeutschen Möbelfabrik, die dort einst ihre Fabrik hatte? Oder ist es der Innstadtpark, in den die Stadt das Gelände verwandelte, nachdem sie es Ende der 1990er-Jahre gekauft hatte? Dort entstanden Parkplätze, eine Grünanlage, Platz für Kunst und Kirschbaumalleen. Auf der Suche nach der Lösung der Parkplatzraumprobleme in der Innenstadt, ist die Idee einer Neuplanung für das Gelände entstanden. Der jetzt diskutierte Plan ist das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs, der die Grundzüge der künftigen Nutzung zeigt.