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Große Besorgnis in Betrieben und Kommunen

Drohende Gas-Triage: Geht dem Kreis Mühldorf die Energie aus?

Wird das Gas bald abgedreht? Der Gasabsperrhahn bei der Firma Haldenwanger.
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Wird das Gas bald abgedreht? Der Gasabsperrhahn bei der Firma Haldenwanger.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Bei der Gasknappheit sehen Betriebe und Kommunen im Landkreis Mühldorf die Lage mit mehr oder weniger Besorgnis. Während die einen Optimierungsprozesse immer im Blick haben, setzen andere auf regenerative Quellen. Auch Öl steht wieder hoch im Kurs. Angeprangert wird die fehlende Weitsicht in Berlin, sich von russischem Gas abhängig zu machen.

Mühldorf – Wenn ein schlauer Politiker meint, die Industrie müsse Energie einsparen oder auf Flüssiggas umsteigen, muss Joachim Mayer schmunzeln. Auch wenn er Verständnis dafür hat, dass in schwierigen Zeiten über alles geredet werde: Der Geschäftsführer von Morgan Advanced Materials Haldenwanger in Waldkraiburg kann nicht auf Knopfdruck auf ein anderes Gas umstellen.

In der Produktion von technischer Keramik gebe es wegen der sensiblen Brennprozesse keine Alternative zu Gas. Und was ist mit dem Einsparen? Der Schwabe winkt ab: „Zehn Prozent unseres Umsatzes machen Energie, Strom, Gas aus. Wir haben doch stets Prozessoptimierung auf dem Schirm.“

Fehlende politische Weitsicht angemahnt

Wo der Geschäftsführer, zugleich Vorsitzender der IGW Industriegemeinschaft Waldkraiburg und Aschau, Versäumnisse anmahnt, ist fehlende politische Weitsicht, sich bereits vor Jahren von russischem Gas unabhängig zu machen. Dann gibt er allerdings wieder Entwarnung: „Russisches Gas macht im Ganzen zwischen 50 und 60 Prozent aus, die Industrie braucht zwischen 35 und 40 Prozent. Selbst wenn Putin uns den Gashahn abstellt, fahren wir also nicht gleich auf Null.“ Natürlich könne er nicht für jedes IGW-Mitglied sprechen.

Heizöl wieder hoch im Kurs

Dagegen schaut Dr. Wolfgang Rieck, Geschäftsführer der Bayern-Chemie Aschau, die Strom aus Gas erzeugt, mit Besorgnis in die Zukunft. Eine Alternative müsse her: 300.000 Euro sollen in Öltanks investiert werden. Ob die rechtzeitig kommen, steht allerdings in den Sternen.

Eine „besorgte Stimmung“ nimmt Jörg Neimcke vom Industrie- und Wirtschaftsverbund Mühldorf (IVM) wahr. Man sei bemüht, „langfristige“ Energielieferverträge zu verhandeln, was sich allerdings als schwierig gestaltet, konstatiert der IVM-Vorsitzende.

Forderungen gehen in Richtung Bund, so auch vonseiten der IHK München und Oberbayern. Neben einer Diversifizierung der Energie und dem Ausbau der europäischen Strom- und Gasnetze sei Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien angezeigt, sagt Herbert Prost. Die Umstellung werde mit komplexen Genehmigungsverfahren ausgebremst, so der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Mühldorf. Natürlich haben die Betriebe bei der aktuellen instabilen Lage verstärkt Maßnahmen auf dem Schirm: Zu nennen sind dabei etwa das bedarfsgerechte Nutzen von Klimaanlagen im Büro, Optimierungsprozesse bei Heizungs- und Lüftungsanlagen, die Umstellung der Lager- und Abfüllanlagen auf Heizöl oder Flüssiggas, oder auch betriebseigene Photovoltaikanlagen.

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Das prinzipielle Problem ist jedoch nicht gelöst: „In der Chemiebranche, aber auch bei Molkereien, Brauereien oder Lebensmittel- und Getränkeherstellern, ist man auf Gas angewiesen.“ Hier sei das Risiko real im Zuge einer bevorstehenden Gasmangellage, so Trost.

Das unterstreicht auch Thomas Perzl von der Kreis- und Regionalentwicklung am Landratsamt Mühldorf: „Die Wirtschaft benötigt Gas, um Produktion und Arbeitsplätze zu sichern. Hier sind Bundesregierung und Bundesnetzagentur gefordert.“ Es müsse im Fall von Gas-Triagen dafür gesorgt werden, dass die Prioritäten richtig gesetzt werden, so Perzl.

Auf der kommunalen Seite zeigt man sich – bei gebotener Vorsicht – entspannt. Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl glaubt, das mediale Thema „Energiekrise“ habe nicht viel mit der Realität vor Ort zu tun. Die Versorgung mit Gas und Strom sei bis 2024 gesichert. Von einem Totalzusammenbruch und von einer Energie-Triagen geht er nicht aus. Maßnahmen zur Einsparung werden seit Jahren umgesetzt, wie die Umstellung der Straßenlaternen auf LED-Leuchten.

Sparen schon seit Jahren ein Thema

Auch Waldkraiburg und Neumarkt-St. Veit haben Energiesparen verstärkt auf dem Schirm. Während Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch auf Nachfrage lediglich auf erste interne Überlegungen verweist, zählt Bürgermeister Erwin Baumgartner einige Maßnahmen auf, die Neumarkt-St. Veit am Laufen hat: Neben Photovoltaik-Anlagen am Wasserwerk, Freibad und Kindergarten sollen Freibad und weitere städtische Einrichtungen an die Fernwärme angeschlossen werden.

„Dadurch sind wir mit der Energieversorgung nicht mehr vom globalen Markt abhängig, sondern können die Energie aus der Region beziehen oder selbst vor Ort produzieren“, erklärt Baumgartner. Davon, dass der Region die Energie ausgeht, geht er nicht aus. Billiges Gas werde jedoch der Vergangenheit angehören.“

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