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Nach Missbrauchs-Gutachten der Erzdiözese München

Bleibt der Ex-Papst Ehrenbürger in Aschau? „Mit Erschrecken von den Vorwürfen gehört“

Die Grundschule Aschau wurde 2009 nach Papst Benedikt XVI. benannt, der in der Gemeinde zur Schule ging und hier auch seine Erstkommunion empfing.
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Die Grundschule Aschau wurde 2009 nach Papst Benedikt XVI. benannt, der in der Gemeinde zur Schule ging und hier auch seine Erstkommunion empfing.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Das Gutachten zu den Missbrauchsfällen in der Erzdiözese München hat die katholische Kirche erschüttert. Im Zentrum steht dabei auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. Bayerische Gemeinden diskutieren nun darüber, ob der ehemalige Papst noch länger Ehrenbürger sein soll. Auch in Aschau hat er die Würde erhalten, die Grundschule ist nach ihm benannt.

Aschau – Ein dramatisches Bild zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zeichnete ein Gutachten, das kürzlich in München vorgestellt worden ist. Dort kommt man zu dem Ergebnis, dass sexueller Missbrauch in der Diözese über Jahre hinweg nicht angemessen behandelt wurde. Dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, der heutige emeritierte Papst Benedikt XVI, wird konkret Fehlverhalten in mehreren Fällen vorgeworfen. Zuletzt musste er auch noch eine Falschaussage zugeben.

Scharfe Vorwürfe an Joseph Ratzinger

Als 2005 der damalige Kardinal zum nächsten Papst gewählt worden ist, war man in Aschau stolz. Denn die Familie des emeritierten Papstes wohnte fünf Jahre in der Gemeinde, Papst Benedikt XVI. ging hier zur Grundschule, empfing 1936 in der Kirche seine Erstkommunion.

2006 ernannte ihn die Gemeinde, damals noch unter dem jetzigen Altbürgermeister Josef Huber, zum Aschauer Ehrenbürger. Die Urkunde überreichte eine Delegation persönlich in Rom. Seit Juli 2009 trägt die Aschauer Grundschule den Namen von Papst Benedikt XVI.

Jetzt stellt sich der eine oder andere die Frage: Kann Papst Benedikt weiterhin Ehrenbürger bleiben? Soll die Schule weiterhin seinen Namen tragen? „Papst Benedikt hat ein besonderes Verhältnis zur Gemeinde Aschau, aber wir natürlich auch haben mit Erschrecken von den Vorwürfen gehört“, sagt Bürgermeister Christian Weyrich (CSU). Trotz allem wolle man nun nicht in Hektik verfallen und voreilige Schlüsse treffen. „Wir werden die Vorwürfe nicht ignorieren, sondern weiter verfolgen und die Entwicklungen eiter abwarten“, fährt er fort. Auf einer solchen Basis könne eine Entscheidung getroffen werden.

Auch in der Grundschule hält man sich vorerst noch zurück zu einer möglichen Namensänderung der Schule. „Es gibt bislang keine weiteren Aussagen und wir haben noch nichts in der Hand“, sagt Rektorin Kirstin Wolf. Sie wolle auf jeden Fall im Lehrerkollegium das Thema aufgreifen, doch bislang hat sich keine Gelegenheit für eine Lehrerkonferenz geboten. „Wir wollen keine voreiligen Schlüsse ziehen.“

Altbürgermeister Josef Huber hingegen hat eine klare Meinung. „Für mich bleibt er Ehrenbürger. Die Würde sollte man ihm auch nicht aberkennen.“ Papst Benedikt hat zwar „schwerwiegende Fehler“ gemacht, dennoch dürfe man dessen Lebensleistung nicht kaputt machen. Als Papst Benedikt zum Aschauer Ehrenbürger ernannt worden ist, hatten die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche noch nicht den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Erst mit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg in Berlin 2010 begann nach und nach die Aufarbeiten in der Kirche.

Den Papst hat Josef Huber als „gutmütigen Menschen und großen Theologen“ kennengelernt, der sich jetzt aber von seinen Beratern lösen, auf die Betroffenen und Gläubigen zugehen und sich entschuldigen müsse. „Es war ein Fehler in der Kirche, dass es zu den Missbrauchsfällen gekommen ist und lange nichts gesagt wurde. Jetzt muss Papst Benedikt deutlich um Entschuldigung bitten.“

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