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Gewaltiger Umbruch

Wegen Krankheitsfall: Pfarrverbände Kraiburg und Flossing müssen gemeinsamen Weg finden

Trägt seit Kurzem für acht Pfarreien Verantwortung: Pfarrer Michael Seifert, der seit elf Jahren den Pfarrverband Kraiburg leitet, und jetzt auch den Pfarrverband Flossing.
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Trägt seit Kurzem für acht Pfarreien Verantwortung: Pfarrer Michael Seifert, der seit elf Jahren den Pfarrverband Kraiburg leitet, und jetzt auch den Pfarrverband Flossing.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Die Pfarrverbände Kraiburg und Flossing stehen vor einem großen Umbruch. Wegen eines Krankheitsfalls übernimmt Kraiburgs Pfarrer Michael Seifert die Leitung des Flossinger Pfarrverbands. Eine schwierige Übergangszeit.

Kraiburg – Vor fünf Jahren haben sie schon mal „angebandelt“: die Pfarrverbände Flossing und Kraiburg. Damals zeichnete sich ab, dass sich immer mehr Pfarrverbände wegen des Seelsorgermangels die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter würden teilen müssen. 2016 schien das noch in weiter Ferne. Dann der Schock: Nach zwei Schlaganfällen fällt Pfarrer Armin Thaller (59) auf unbestimmte Zeit aus. Sein Kollege Michael Seifert (42), der seit elf Jahren den Pfarrverband Kraiburg leitet, hat nun auch die Leitung des Pfarrverbands Flossing übernommen.

Neue Kräfte für eine Übergangsphase

Eine halbe Priesterstelle und eine halbe pastorale Mitarbeiterstelle stehen noch für den PV Kraiburg im neuen Personalplan der Erzdiözese, eine halbe Priesterstelle für den PV Flossing. Auf diese Personalausstattung wird es in zwei bis drei Jahren hinauslaufen, weiß Seifert, der seit Kurzem Verantwortung für acht Pfarreien trägt. Zu Kraiburg, Taufkirchen, Ensdorf, Frauendorf und Grünthal mit insgesamt etwa 5000 Katholiken kommen Flossing, Oberneukirchen und Polling mit rund 2500 Katholiken.

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Für die schwierige Übergangszeit wurde dem Pfarrer und Pastoralreferentin Christina Fraunhofer vom Ordinariat hauptamtliche Unterstützung zugewiesen. Neben Pastoralreferent Stefan Durner, der als Seelsorger in Flossing die Koordination in Händen hat, aber im Dezember in Ruhestand geht, kommen nach den Ferien die Pastoralassistentin Lena Schreiner und der Ampfinger Kaplan Markus Nappert als Pfarrvikar.

Als „Geschenk“ empfindet Pfarrer Seifert die Verstärkung. Vieles könne dadurch zunächst in der gewohnten Form aufrechterhalten bleiben, das gilt weitgehend auch für die Gottesdienstordnung.

„Wir müssen diese Zeit nutzen, um uns auf den gemeinsamen Weg zu machen“, sagt er. Über notwendige Veränderungen sei immer wieder gesprochen worden. Jetzt sind sie unumgänglich. „Wir stehen vor einem gewaltigen Umbruch.“ Eines ist klar: Die Zeiten, da hauptamtliche Seelsorger überall sein und alles begleiten konnten, sind unwiederbringlich vorbei.

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„Die Flossinger sollen merken, dass sie nicht nur geschluckt werden.“ Das will der Pfarrer vermitteln. Er hat sich deshalb vorgenommen, anfangs im neuen Pfarrverband stärker präsent zu sein.

Längerfristig, das weiß auch er, werden die Hauptamtlichen weiter wegrücken von den Menschen. Das ist eine Konsequenz aus der Entwicklung, immer weniger Mitarbeiter für immer größere Einheiten zu haben. 20 Gremien, Pfarrgemeinderäte, Kirchenverwaltungen, gibt es in den beiden Verbänden. Undenkbar, dass bei allen Beratungen ein Hauptamtlicher mit am Tisch sitzt.

„Messen sind gesetzt“, sagt Seifert. „Beerdigungen, Trauungen, Taufen – das müssen wir weiter machen.“ Geburtstags- und Krankenbesuche, Krankenkommunion, Firm- und Kommunionvorbereitung, Familiengottesdienste, die Leitung von Wortgottesdiensten – das wird immer stärker die Sache der Ehrenamtlichen werden müssen.

Pfarrverbandsrätin hadert mit Stellenplan

Barbara Thomas ist eine von ihnen. Die Vorsitzende des Pfarrverbandsrates Kraiburg zweifelt daran, dass die Ehrenamtlichen das auffangen können. Sie hadert mit dem neuen Personalplan der Erzdiözese, der die Städte bevorzuge, wo „nur auf dem Papier noch viele Katholiken stehen“, das Angebot der Kirche aber oft kaum noch nachgefragt werde. Die Leute im ländlichen Raum seien dagegen noch viel stärker im Glauben verwurzelt.

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Während es in Kraiburg kaum Wortgottesdienstleiter gibt, sind diese Gottesdienste im Pfarrverband Flossing seit den 1990er-Jahren eine selbstverständliche Einrichtung. Doch auch dort gibt es Probleme. „Die Quelle ist versiegt. Es kommen keine Neuen mehr nach. Die Teams werden alt“, sagt Pastoralreferent Stefan Durner. Eigentlich gäbe es viel zu tun, für einen Neuaufbruch nach Corona.

Doch der Pastoralreferent ist sich mit Pfarrer Seifert einig. Das ist nicht die Stunde von angenehmen Botschaften, sondern von ehrlichen Ansagen: Was in Zukunft nicht mehr aus den Pfarreien passiert, von innen her kommt, das wird es über kurz oder lang nicht mehr geben. Durner: „Das könnte so weit gehen, dass aus Pfarreien Filialen werden.“

Durner gehört zu jenen, die den Ehrenamtlichen viel zutrauen. „Aber sie brauchen Begleitung. Seelsorger vor Ort, die Kontakt zu den Leuten haben.“

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