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Urteil am 4. Mai erwartet

Kindsmissbrauch und Kinderpornos: Prozess gegen jungen Mann aus Altötting

Ein junger Mann aus Altötting soll sich an minderjährige Mädchen herangemacht haben.
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Ein junger Mann aus Altötting soll sich an minderjährige Mädchen herangemacht haben.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Durch eine Strafanzeige nach einem Sex-Chat mit einer erst Zwölfjährigen auf Instagram kam die Kripo Mühldorf auf die Spur eines inzwischen 22-Jährigen aus Altötting, der sich via Internet in sexueller Weise an mehrere minderjährige Mädchen herangemacht haben soll.

Traunstein/Altötting - Die langwierigen Ermittlungen mündeten in einen Prozess vor der Traunsteiner Jugendkammer mit Vorsitzender Richterin Heike Will. Plädoyers und Urteil werden am Dienstag, 4. Mai, ab 9.30 Uhr erwartet.

Vorwurf: Sexueller Missbrauch von Kindern in sechs Fällen

Dem zu den Tatzeiten 2018/2019 noch Heranwachsenden wirft Staatsanwältin Helena Neumeier sexuellen Missbrauch von Kindern in sechs Fällen sowie vielfachen Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften vor.

Die betreffende Strafanzeige galt den Online-Kontakten des Angeklagten mit dem jungen Mädchen ab September 2018. Im Januar 2019 besuchte der damals 19-Jährige das Kind in dessen Heimatstadt Essen – mit sexuellen Absichten, wovon die Staatsanwältin ausgeht. Glücklicherweise blieb es bei einem Kuss.

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Nach den ersten Ermittlungserkenntnissen erwirkte die Polizei einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Beschuldigten. Im August 2019 stellte die Kripo Mühldorf dort zahlreiche Datenträger, darunter Mobiletelefone, sicher. Die Fahnder werteten die vielen Daten in über einjähriger Ermittlungsarbeit aus.

Fast 1000 pornografische Inhalte entdeckt

Letztlich entdeckten sie 382 kinder- und 591 jugendpornografische Fotos und Videos. Als sich andeutete, dass der junge Mann nach der Strafanzeige seine strafbaren Aktivitäten keineswegs beendet hatte, erfolgte Ende Mai 2020 eine zweite Durchsuchung.

Das Ergebnis laut Anklage: Der Altöttinger hatte nach der Anzeige seine pädophil geprägten Kontakte mit minderjährigen Mädchen über Instagram und Whatsapp fortgeführt und neue geschlossen. Dabei soll der 22-Jährige zum Beispiel Nacktfotos und Bilder von sexuellen Handlungen an sich selbst von den Kindern gefordert und teils erhalten haben.

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Der Angeklagte mit Verteidiger Jörg Zürner aus Mühldorf zur Seite, stand vor der Jugendkammer zu seinen Taten und stellte sich auch unangenehmen Fragen. Dazu merkte Vorsitzende Richterin Heike Will an: „Ich finde es sehr beachtlich, dass Sie hier so Rede und Antwort stehen.“

Geständnis: Kein Opfer muss vor Gericht aussagen

Dank des im Vorfeld der Hauptverhandlung vom Verteidiger angekündigten Geständnisses musste keines Opfer in den Zeugenstand treten. Das Gericht hörte als einzigen Zeugen den Sachbearbeiter der Kripo Mühldorf an – dessen Ermittlungsergebnisse sich mit dem Geständnis deckten.

Der 22-Jährige gab an, wenn Mädchen in den Chats keine sexuellen Themen gewollt hätten, habe er das akzeptiert. Eigentlich habe er „Freundschaften“ gesucht. Ihm sei nicht bewusst gewesen, wie jung sie eigentlich waren.

Angeklagter bereut sein handeln

Zu seiner Vorliebe für kinder- und jugendpornografische Darstellungen erklärte er, das habe im Alter von 18 Jahren begonnen. Er sei „zufällig“ darauf gestoßen. Später habe er gezielt danach gesucht. Mittlerweile bereue er sein Handeln. Er beteuerte, er werde im Fall einer Strafe mit Bewährung jede Therapieauflage annehmen.

Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Martin Rieger aus Wolfratshausen umriss den 22-Jährigen als gehemmt und von Kind an kontaktarm. Sein „Kontaktschicksal“ sei möglicherweise niemand aufgefallen. Der Angeklagte habe eine „soziale Phobie“, sei „ganz extrem introvertiert“ und nicht dissozial.

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Während der vorläufigen Unterbringung seit August 2020 in einem Bezirksklinikum anstelle von Untersuchungshaft sei bezüglich einer Aufarbeitung „noch nicht viel passiert“. Der Gutachter attestierte eine Persönlichkeitsstörung, eine erheblich beeinträchtigte Schuldfähigkeit und unbehandelt eine Wiederholungsgefahr für ähnliche Taten.

Dr. Martin Rieger hielt eine stationäre Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus derzeit noch für notwendig. Bewährung komme noch nicht in Betracht. Bei aktiver Mitarbeit könne in sechs Monaten der Übergang in eine ambulante Therapie geprüft werden.

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