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OVB-REDAKTEURIN SILVIA MISCHI EXKLUSIV MIT GELEITSCHUTZ DER POLIZEI ONLINE

Kinderporno-Vorwürfe gegen Mann aus Landkreis Mühldorf: Das ist das weltweite Darknet

Recherche im Darknet
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Recherche im Darknet
  • Silvia Mischi
    VonSilvia Mischi
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  • Lars Becker
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Nein, der Monitor wird nicht dunkler, wenn man ins Darknet abtaucht. Das mulmige Gefühl wird aber immer stärker, je tiefer man in die Sphären des illegalen Handels vordringt. OVB-Redakteurin Silvia Mischi hat sich unter Geleitschutz der Polizei in die Tiefen des Darknets bewegt, in dem der jetzt aufgeflogene weltweite Kinderporno-Ring sein Unwesen getrieben hat.

Mühldorf - Die Nachricht ist brandneu: Das Bundeskriminalamt hat zusammen mit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt eine der weltweit größten Kinderporno-Plattformen im Darknet vom Netz genommen. Drei Verdächtige wurden in Deutschland festgenommen, darunter ein Mann aus dem Landkreis Mühldorf. Eine OVB-Redakteurin hat bereits vor einiger Zeit im Darknet recherchiert und ihre Erlebnisse aufgeschrieben.

Kinderpornos, Drogen, Waffen: Eine erschreckende Reise

Ich bin dabei nicht alleine unterwegs, sondern exklusiv mit „Geleitschutz“. Kriminalhauptkommissar Mario Regazzoni vom Arbeitsbereich „Cybercrime“ im Polizeipräsidium Oberbayern Süd steht mir zur Seite. Ich will wissen, wie leicht man an Waffen, Drogen et cetera im Darknet rankommt und wie das Netz des illegalen Handels überhaupt aufgebaut ist. Eine spannende, erschreckende und auch ernüchternde „Reise“.

Das Deepnet (siehe Kasten) soll bis zu 100-mal größer sein als das bekannte, „sichtbare“ Netz (Surface Web/Oberflächen-Web). Das Darknet wiederum ist aufgrund der „Untiefen“ langsamer als das „normale“. Man arbeitet hier via eines so genannten Onion-Routers. Der Name „Zwiebel“ (Onion) steht dabei für die vielen Schichten/Verschlüsselungen der Informationen, die zur weiteren Verschleierung unzählige Computer passieren.

Das Deepnet

Das Deepnet (auch Deep Web genannt) wird auch als Hidden Web oder Invisible Web (verstecktes oder unsichtbares Netz) betitelt und bezeichnet den Teil des World Wide Webs (www), der über normale Suchmaschinen nicht auffindbar ist.

Es besteht zu großen Teilen aus Fachdatenbanken und Webseiten. Die Inhalte darin sind nicht frei zugänglich oder im Index der Suchmaschinen nicht aufgeführt. Gründe hierfür können ökonomischer, strategischer oder rechtlicher Natur sein.

Denn auch Websites, die durch Passwörter geschützt sind oder Onlinebanking zählen zu diesen Kategorien. Das Deepnet gibt es seit geraumer Zeit und dient auch zur Vernetzung von Regimekritikern. Es soll zur Wahrung der Meinungsfreiheit, besonders in Zensurländern wie China beitragen. Das Darknet wiederum ist ein Teil des Deepnets und konzentriert sich auf illegale Aktivitäten, wie Waffen- und Drogenhandel, Kinderpornografie sowie Fälschungen und Hacker-Aktivitäten.

Die Endung „.onion“ ist dabei nicht nur für den Router bezeichnend, sondern kann auch für „Otto Normalverbraucher“ gefährlich werden: Entsprechende Mails oder Links damit können ausspionieren und auf Datenklau am Heimcomputer aus sein.

Ursprünglich positiver Zweck: Vor Zensur geschützt

Wer abseits der Hauptpfade wie Google und Co. agieren will, taucht ins Deepnet (siehe Kasten) beziehungsweise Darknet ab. Dabei hatte letzteres ursprünglich einen anderen Sinn: „Eigentlich war es für Journalisten und Organisationen gedacht, die von Zensur bedroht waren“, sagt mein „Fremdenführer“ Mario Regazzoni. Mittlerweile seien die Untiefen und zahlreichen versteckten Winkel aber hauptsächlich zum Umschlagplatz (Darknet) für illegalen Handel geworden.

Das Deepnet

Im Darknet („Dunkles Netz“) sind verschiedene anonyme Netzwerke zusammengeschlossen, in die Nutzer nur über spezielle Zugangsbrowser gelangen. Das Darknet ist ein Teil des Deep Web und bündelt vor allem illegale Aktivitäten wie Waffen- und Drogenhandel oder Kinderpornografie. Im Darknet liegen die Seiten auf einzelnen PCs.

Die Daten fließen über verschiedene Computer von Darknet- Nutzer zu Darknet-Nutzer. Unterschied zum „normalen“ Internet: Hier gibt es keine zentralen Server, um eine Seite abzurufen.

Die Daten werden verschlüsselt übertragen und gespeichert. Durch zahlreiche Zwischenstationen und wechselnde Codierungen ist die Rückverfolgung oftmals nur zu einer Station möglich, kaum aber zum Ursprung. Dies macht die Handhabung für die Polizei auch so schwer. Im Darknet soll sich nach Angaben der Polizei zum Beispiel der Amokläufer von München seine Waffe organisiert haben. Auch der weltweite Kinderpornografie-Ring trieb hier sein Unwesen.

Mit nur wenigen Suchbegriffen öffnet sich das Tor zur Welt des illegalen Handels. Der dafür notwendige und gleichnamige Browser ist einfach downzuloaden. Erkennbar ist er später „nur“ als grüne Weltkugel in der unteren Taskleiste des Computers. Sein Verlauf wird nicht gespeichert, es gibt keine offensichtlichen Spuren und kann nur schwer zurückverfolgt werden.

Besondere Währung im Darknet

Doch zunächst muss ich Geld wechseln. Denn um im Darknet einkaufen zu können, muss man Bitcoins kaufen. Die Kryptowährung ist inzwischen im Mainstream angekommen, eine Einheit davon kostet nach dramatischen Wertzuwächsen in den vergangenen Monaten fast 50.000 Euro.

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„Hier läuft der Handel sowohl über Börsen als auch über Marktplätze“, so der Kriminalhauptkommissar. Wer selbst diese Zahlungsströme verschleiern will, nutzt die Dienste von „Mixern“. Für eine prozentuale Gebühr der Gesamtsumme werden die Zahlungsströme per Verschlüsselungen und Transfers verschleiert. Zur Absicherung können auch Treuhänder zwischengeschaltet werden. Sie verlangen zwischen drei und 15 Prozent vom Warenwert.

Zahlreiche Marktplätze im Darknet

Über das Eingangsportal geht es dann zu einem der zahlreichen Marktplätze. Diese können auch spezialisiert sein. „Manche existieren länger, andere verschwinden von heute auf morgen und wiederum weitere sind kurzzeitig nicht mehr vorhanden, tauchen aber nach einer Auszeit erneut aus dem Nichts auf“, beschreibt Regazzoni die Unberechenbarkeit der Verkaufsportale.

Schmaler Grat zwischen legal und illegal

Das Betreten des Darknets ist legal. Auch vereinzelte Angebote darin sind vorschriftsmäßig. Das Surfen im Darknet ist größten- teils im Sinne der Verfassung – je nachdem, was man sich ansieht. Das reine Betrachten von Inhalten ist in der Regel nicht strafbar. Problematisch wird es bei Kinderpornos Wer auf diesen Seiten landet, macht sich streng genommen bereits mit mit der Anwesenheit darauf strafbar.

Viren und andere Malware (Schadprogramme) gibt es in Hülle und Fülle im Deepnet. Während des Surfens im Darknet kann der eigene Computer für verschlüsselte Datenübermittlung im Hintergrund verwendet werden. Sobald man Verbotenes aktiv kauft oder verkauft, begeht man laut Polizei eine Straftat.

Dabei sind die Online-Marktplätze analog zum Protal „Amazon“ als Einkaufsmeile aufgebaut – inklusive Werbebanner beispielsweise für Ausweisfälschungen. Unterschied: Die Waren hier sind illegal. Der aktuell größte Marktplatz unterteilt beispielsweise in Rubriken wie „Drogen“, „Waffen“, „Sprengstoff“ und „Service“. Mich schaudert’s. Ich kenne bis dato Reiter mit Namen wie „Schuhe“, „Kleidung“ oder „Elektronik“.

Waffen: Ein Klick vom Kauf entfernt

Waffen (Symbolbild)

Eine Liste von Waffen habe ich nun vor mir. Ein Klick vom Kauf entfernt. Drei Glock 19-Pistolen Kaliber neun Millimeter „near new“ (fast neu) werden für 4200 US-Dollar angeboten. Die Munition ist hier separat zu kaufen. Bei anderen Anbietern sind sie inklusive. Diese Pistolen scheinen speziell für einen Kunden auf Bestellung zu sein. So heißt es in der Beschreibung „Bitte nicht kaufen, wenn nicht geordert“ und „individuelles Angebot für M********e“. Wären diese drei Pistolen nicht für einen speziellen Käufer, müsste man sich für die Transaktion mit einem Nicknamen samt Passwort registrieren.

Rauschgift: Sterne-Wertungen für Zuverlässigkeit

Die Verkäufer haben dabei Sterne-Wertungen in puncto Ware und Zuverlässigkeit. Zudem gibt es verschiedene „Trustlevels“ (Vertrauensebenen), die sich ein Händler im Laufe der Zeit durch Bewertungen seiner Kunden erarbeiten kann. Fassungslos starre ich auf den Polizei-Bildschirm und lese den „Qualitätsbericht“ über die Ware eines Drogenanbieters. Illegale Rauschmittel aller Sorten gibt es. 50 Gramm Heroin für circa 600 Euro.

Die Bandbreite der Angebote ist vielfältig und dunkel. Dienste eines Schlägers werden ebenso angeboten wie Tipps zu verschiedenen Vorgehensweisen bei Straftaten. Einige davon klingen, als wären sie aus Drehbüchern abgeschrieben. Eine E-Mail-Bomb kostet 5,90 US-Dollar. Auch Hackerdienste für Facebook und Kreditkartenaccounts werden angepriesen. Doch nicht jede Ware wird weltweit geliefert. Viele sind auf nationale Ebenen beschränkt.

Missbrauchsaufnahmen von Jungen wurden ausgetauscht

Die Zustellung erfolgt unterschiedlich: In Teilen zerlegt per Post nach Hause oder in Packstationen. Besondere Waren werden via GPS-Daten zugestellt. Dann muss der Kunde zu dem Punkt gehen und dort die Ware beispielsweise ausgraben. Das meiste läuft allerdings über das Internet - so wie im jüngsten Kinderpornografie-Fall.

Dabei ging es vor allem um den weltweiten Austausch von Missbrauchsaufnahmen von Jungen unter den Mitgliedern. Das kinderpornografische Forum und weitere Chatplattformen wurden laut BKA und der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt im Anschluss an die Durchsuchungsmaßnahmen abgeschaltet.

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