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Covid-19

Keiner muss qualvoll ersticken - Palliativmediziner in Mühldorf können Leid Sterbender lindern

Das letzte Mittel: Ein Patient liegt während der Beatmung im Mühldorfer Krankenhaus auf dem Bauch. Dieses letzte Mittel erhöht noch einmal die Sauerstoffaufnahme der schwer geschädigten Lunge. Was geschieht mit Patienten, die diese Intensivbehandlung ablehnen? Müssen Sie qualvoll ersticken?
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Das letzte Mittel: Ein Patient liegt während der Beatmung im Mühldorfer Krankenhaus auf dem Bauch. Dieses letzte Mittel erhöht noch einmal die Sauerstoffaufnahme der schwer geschädigten Lunge. Was geschieht mit Patienten, die diese Intensivbehandlung ablehnen? Müssen Sie qualvoll ersticken?
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Mit dem Coronavirus ist Sterben ein Thema mitten in der Gesellschaft. Viele fragen sich, was kommt auf mich zu? Eine Leserin aus Mühldorf spricht sich ausdrücklich gegen eine künstliche Beatmung aus und sorgt sich, wie qualvoll der Corona-Tod dann ist. Das Thema beschäftigt auch Sterbebegleiter im Landkreis Mühldorf.

Mühldorf – Annemarie T. ist 60, also in einem Alter, in dem Menschen in die Kategorie Corona-Risikopatienten fallen. Sie setzt sich seit langem mit der Frage auseinander, die viele beschäftigt: Wie will ich im Fall einer Corona-Erkrankung behandelt werden. Annemarie T., die darum bittet, ihren echten Namen nicht zu schreiben, sagt: „Manche wünschen sich im Fall von Corona keine intensivmedizinische Behandlung.“

Mit einer solchen Entscheidung, beginnen aber die Fragen: „Wie sieht ein schwerer Verlauf von Corona ohne Beatmung aus? Welche Unterstützung gibt es bei Atemnot? Kann man in häuslicher Quarantäne statt im Krankenhaus bleiben?“. Das möchte sie wissen.

Auch Covid-19-Patienten kann geholfen werden

Dr. Hans Dworzak könnte man den Vater der Palliativmedizin und der Sterbebegleitung im Landkreis nennen. Der ehemalige Chefarzt im Mühldorfer Krankenhaus engagiert sich seit fast 30 Jahren in der Schmerztherapie und Leidenslinderung und will vor allem eine Sorge nehmen: „Qualvoll zu ersticken ist eine Angst aus dem vergangenen Jahrhundert. Keine Behandlung, die der Linderung des Leidens dient, ist ausgeschlossen. Das ist der Trost. Jeder kann einen ruhigen Tod sterben.“

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Palliativmedizin, Leidenslinderung bedeutet: Schwerstkranke, Sterbende so zu begleiten, dass sie in Frieden sterben können. Körperlich wie seelisch, in der Klinik, im Altenheim, zu Hause. Seit der Pandemie hat sich das Sterben ins Krankenhaus verlagert, 62 Menschen starben dort seit März 2020 an Corona.

Den eigenen Willen genau artikulieren: Thomas Kitzeder, Silvia Steinbrenner, Hans Dworzak und Klaus Huber vom Anna Hospizverein.

Coronavirus und seine Folgen - wie vorsorgen?

Zusammenbruch der Lunge, Nierenversagen, Schlaganfall, die Folgen einer Corona-Erkrankung können lebensbedrohlich sein. Silvia Steinbrenner vom Palliativdienst des Hospizvereins sagt: „Es kann zu dieser Situation kommen. Deshalb sollte man vorher darüber nachdenken: Wie möchte ich behandelt werden? Da braucht man eine klare Ansage.“

Seit vielen Jahren können Menschen das in einer Patientenverfügung regeln. In ihr legen sie fest, was Ärzte im Falle einer lebensbedrohlichen Erkrankung tun dürfen. Wer einen der bekannten Vordrucke verwendet, schafft ein Grundgerüst, in dem Platz für weitergehende, präzisere Angaben ist.

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Patientenverfügung als Hilfe

Klaus Huber arbeitet beim Hospizverein in der Beratung. „Wir empfehlen, diese Dinge zu besprechen, sie auszusprechen, sie aufzuschreiben. Dazu braucht man Ruhe und Besonnenheit, um herauszufinden, was man will. Gut ist es, das zusammen mit der Familie zu tun.“

Wenn Ärzte bei der Behandlung auf die Patientenverfügung zurückgreifen, brauchen sie möglichst genaue Informationen. Nicht nur darüber, welche Behandlung ein Mensch nicht mehr wünscht, sondern auch über die Lebenseinstellung des Patienten, seine Wertvorstellungen, seinen Glauben, seine Lebensfreude oder Einsamkeit.

Denn auf diesen Willen des Patienten kommt es an, wenn es ans Sterben geht, wenn er ihn nicht mehr äußern kann. Keine Rolle spielt er in Notfallsituationen. Silvia Steinbrenner sagt: „Die Notversorgung ist immer gewährleistet, da kann niemand zuerst schauen, ob eine Patientenverfügung vorliegt.“ Erst wenn es in die letzten Wochen, Tage oder Stunden geht, greift die Patientenverfügung. Sie ist kein Todesurteil bei einem Autounfall, Schlaganfall oder Herzinfarkt.

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Annemarie T. weiß, was sie nicht will. Und sie weiß, was sie will. „Ist es unter Umständen möglich, in häuslicher Quarantäne zu sterben?“

Zu Hause möglich aber aufwendig

Ja, grundsätzlich schon. Allerdings ist damit ein hoher Aufwand verbunden. Klaus Huber sagt: „Corona ist eine Krisensituation, das muss sehr gut geplant und besprochen werden. Das Umfeld muss viel auf sich nehmen, um eine palliative Versorgung zu Hause zu ermöglichen.“

Denn alle Beteiligten müssen sich natürlich vor einer Ansteckung schützen. Und das hieße auch zu Hause: Schutzanzug, Maske Handschuhe.

Sterbende in der Klinik besuchen

Ein Trost mag sein: Auch wer in der Klinik stirbt, muss nicht auf die Begleitung durch seine Angehörigen verzichten. „Wir konnten zu Beginn der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 nur engsten Angehörigen und auch nur Einzelpersonen den Besuch von sterbenden Covid-Patienten ermöglichen“, sagt Klinikvorstand Thomas Ewald.

„Jetzt, in der zweiten Welle, können wir unsere Erfahrungen auch dazu nutzen, die Besuchsregelungen für Palliativpatienten und sterbende Patienten etwas offener zu gestalten.“ In Abstimmung mit den Angehörigen sei jetzt auch der Besuch durch mehrere Personen möglich.

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