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Einstimmig abgeschmettert

Keine Hänsel + Gretel-Notinsel in Mühldorf - Das will die Stadt jetzt für gefährdete Kinder tun

Notinsel –Bei Geschäften, Büros oder Einrichtungen, wo dieser Aufkleber zu sehen ist, können sich Kinder hinwenden, wenn sie Unterstützung brauchen.
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Notinsel –Bei Geschäften, Büros oder Einrichtungen, wo dieser Aufkleber zu sehen ist, können sich Kinder hinwenden, wenn sie Unterstützung brauchen.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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Einstimmig hat der Hauptausschuss der Stadt gegen den Abschluss einer Notinsel-Partnervereinbarung mit der Deutschen Kinderschutzstiftung Hänsel + Gretel gestimmt. Damit lehnten sogar die Ausschussmitglieder der CSU-Stadtratsfraktion, die den Antrag gestellt hatte, das Ansinnen ab.

Mühldorf – Zwar unterstütze die Verwaltung den vorliegenden Antrag und Bürgermeister Michael Hetzl (UM) hatte sich zu diesem Thema auch mit der Stadt Waldkraiburg kurzgeschlossen, die bereits Notinseln installiert hat. Aber, um ausreichend Schutz- bzw. Fluchtpunkte für Kinder und Jugendliche in Not- und Gefahrensituationen zu schaffen, müsste eine möglichst hohe Anzahl an Notinsel-Geschäften im Stadtgebiet akquiriert werden.

Arbeit für Notinseln muss Stadt leisten

„Eine sinnvolle und zielführende Umsetzung des Projekts ist nicht ohne erheblichen Aufwand in der Verwaltung zu leisten“, so Hetzl „Wir sollen Klinken putzen und die Beratung machen. Das wird was kosten.“ Die Stiftung mit Sitz in Karlsruhe werde nicht vor Ort tätig werden.

Die Grundlagenermittlung, Akquise, Kontaktvermittlung mit Notinsel-Geschäften, Transparenz, Werbung in Schulen und mehr aber auch die nachhaltige Begleitung des Projekts binden langfristig Personalkapazitäten in der Verwaltung. „Wir werden dafür keine neuen Mitarbeiter einstellen“, machte Hetzl klar.

Die finanziellen Auswirkungen wurden als noch nicht absehbar eingeschätzt, da Erfahrungswerte fehlen. Es wird von rund 5000 Euro für Personal- und Sachkosten ausgegangen.

Stadt missfällt Franchise-Gedanke

Was der Stadtverwaltung an dem Projekt Notinsel von Hänsel+Gretel besonders missfällt, brachte der Bürgermeister in der Hauptausschuss-Sitzung auf den Punkt: „Die Stadt muss für rund 5000 Euro die Aufkleber und das Material für Schulen und Kindergärten kaufen und eine Art Franchisevertrag eingehen. Die ganze Arbeit müssen wir aber selbst erledigen.“

Wanka warnt vor großem Aufwand

Er wollte von Waldkraiburg erfahren, wie das Projekt dort seit Jahren laufe, wie viele Hilfegesuche von Kindern es gegeben habe. „Ich habe nichts bekommen“, so Hetzl. Er vermutet deshalb, dass das Projekt keinen großen Zulauf habe.

Auch Dr. Reinhard Wanka (UM) unterstrich, dass der Aufwand für diese an sich gute Einrichtung nicht zu unterschätzen sei: „Das kostet Zeit und Ausstattung, sonst wird es eine Totgeburt.“

Hausberger wirbt für eigenes Konzept

Claudia Hausberger (CSU) meinte, das Projekt würde „die Familienfreundlichkeit der Stadt erhöhen“ und nach der Etablierung auch keine stetige Arbeitsbelastung bedeuten. Sie betonte aber auch: „Wenn Mühldorf Geld in die Hand nimmt, dann können wir etwas Vergleichbares selber besser machen.“ Sie plädierte für ein eigenes Mühldorfer Konzept. „Kinderschutz hat oberste Priorität“, so Andreas Seifinger (UM). „Ich habe aber Zweifel an diesem Instrument Notinsel. Wir sollten den Antrag zurückstellen.“

Schörghuber sieht Geschäftsgebaren der Stiftung kritisch

Auch Stefan Schörghuber (CSU) bewertete das Geschäftsgebaren der Stiftung kritisch: Wir sollten den Antrag zurückstellen und eventuell einen eigenen, einfachen Flyer zu der Sache machen.“ Kindern Schutzangebote machen, wenn sie bedroht wurden, sich verletzt haben oder in der Stadt verloren gegangen sind. Das Stadtoberhaupt schlug als ersten Einfall einen eigenen Aufkleber für Mühldorf vor: „Vielleicht mit Kindern und einem Mühlrad im Hintergrund.“

„Wir können es selber besser machen“

Letztendlich einigten sich die Ausschussmitglieder einstimmig darauf, den Antrag auf eine Notinsel-Partnervereinbarung abzulehnen. Stattdessen wurde ebenso einstimmig beschlossen, dass die Leiterin des Sachgebiets 21 Kinderbetreuung, Schulen, Jugend, Sarah Kramer, zusammen mit Jugendreferent Gottfried Kirmeier (SPD) und Sozialreferentin Claudia Hausberger (CSU) eine mögliche Lösung für Mühldorf erarbeiten soll.

So beschreibt sich das Projekt selbst : „Angst und Gefahren gehören zum Alltagsleben dazu. Wenn Kinder erleben müssen, dass auch der Schulweg ein Gefahrenweg sein kann oder wenn ihnen sonst etwas passiert ist, brauchen Sie Unterstützung und einen Zufluchtsort. Auf dem Spiel- oder Sportplatz, in der Schule oder auf dem Weg nach Hause. Alle Geschäfte mit dem Notinsel-Zeichen an der Tür bieten Kindern Zuflucht. Beteiligte Geschäfte setzen darüber hinaus ein deutliches Zeichen für den Kinderschutz und gegen potenzielle Täter.“

Kindern in akuten Gefahrensituationen Schutz bieten

Damit Kinder auf ihren Wegen nicht verloren gehen, hat die Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel + Gretel nach eigenen Angaben mit der Notinsel ein Zeichen geschaffen, das Kindern sichere Zufluchtsorte bietet. „Mit dem deutschlandweit größten Kinderschutzprojekt im öffentlichen Raum gelingt es, Kindern in akuten Gefahrensituationen Schutz zu bieten, Menschen zum Hinsehen und Handeln zu bewegen und ein breites Bewusstsein für Kinder zu schaffen“, heißt es dazu auf der Internetseite.

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