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Umzug der Trabrennbahn nach Mühldorf

„Haben es versäumt uns zu vermarkten“: Pollinger Pferdehof hat wenig Hoffnung für Trabrennsport

Mit der dreijährigen Cinderella Santana hat Elisabeth Höll derzeit eine Rennstute im Training, die im Mitbesitz der Präsidentin des Münchner Trabrennvereins ist.
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Mit der dreijährigen Cinderella Santana hat Elisabeth Höll derzeit eine Rennstute im Training, die im Mitbesitz der Präsidentin des Münchner Trabrennvereins ist.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Die Nachricht über einen möglichen Umzug der Traberrennbahn von Daglfing nach Mühldorf wird auf dem Pollinger Pferdehof mit Zurückhaltung aufgenommen. Was den Rennsport in der Region so schwierig macht.

Polling - Hier, wo Elisabeth Höll mit ihrem Lebensgefährten Georg Kirchisner seit 2005 Traber trainiert, könnte man freilich etwas mehr Begeisterung erwarten. Doch zu schwierig und verfahren scheint aktuell die Rennsportsituation, übrigens nicht nur in der Region. „Die Vorstellung, Mühldorf zum Zentrum des bayerischen Trabrennsports zu machen, ist schon toll. Aber ich bin da realistisch“, sagt Elisabeth Höll mit einem Kopfschütteln. Es fehlen Stallungen und Zelt. Sponsoren vor Ort zu finden, um die Rennbahn wieder aufzubauen, sei ihrer Meinung nach unwahrscheinlich. Der Trabrennverein habe es einfach versäumt, den Sport zu vermarkten. Vom Wettgeschäft, das von der Bahn ins Internet abgewandert ist, gar nicht zu reden.

Immer wenigerZüchter und Fahrer

Die 40-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin mit Schwerpunkt Rennsport nimmt im gemütlichen Stüberl auf dem Gelände Platz, das gleichzeitig als Pferdetherapiehof den eleganten Vierbeinern wieder auf die Sprünge hilft. Im Schlepptau Lucki und Schoki, der eine ein langbeiniger Jack-Russel-Terrier, der andere ein schwarzer Golden-Retriever-Mischling, zwei quirlige Begleiter, die ihr auf dem Hof auf Schritt und Tritt folgen und sich zwischen Stallungen und Pferdeboxen samt den langmähnigen Gästen pudelwohl fühlen. Im Kern betreibt Elisabeth Höll heute eine Pferdepension. Das Training von Trabern tritt da etwas in den Hintergrund.

Aktuell sind es noch vier Pferde, darunter ihr eigenes, plus einen Jährling und ein Fohlen, die sie unter ihren Fittichen hat und sozusagen auf Trab bringt. Nicht nur das: Aus Mangel an Profi-Fahrern sitzt Elisabeth Höll bei Rennen auch mal selbst im Sulky. Eigentlich aus der Not geboren, aber: „Mit 50 Stundenkilometern direkt am Hintern des Pferdes zu hängen, ist schon ein Feeling. Ungefähr so, wie wenn man mit dem Rad ungebremst den Berg herunterbrettert“, erzählt Höll, die 2018 mit eigener Züchtung Magic Happens ihren größten Erfolg mit dem Sieg in Pfarrkirchen feiern konnte. Ihre Augen funkeln. Im nächsten Augenblick winkt sie wieder ab: Auch hier in der Region gebe es immer weniger Züchter und Fahrer, so die erfahrene Pferdetrainerin. „Machen wir uns nichts vor: Der Sport ist tot.“

Jedoch ist nicht überall tote Hose auf der Sandbahn: In Pfarrkirchen waren beim Rennen an Pfingsten wieder alle Tribünen voll. „So etwas findet man vielleicht noch in Berlin zum Derby“, so Höll. Das seien Ausnahmen. Nach Niederbayern zu schielen, mache wenig Sinn. Ganz andere Voraussetzungen gebe es da: Tribünen vorhanden, renovierte Stallungen und eine Stadt, die den „Pfingstdienstag“ als Pferdefeiertag einmal im Jahr zelebriere. So mache man halt Events, die zu Besuchermagneten werden.

Um den Trabrennsport wieder voranzubringen, müssten alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen. In Mühldorf ist man von den Hochzeiten des Sports in den 90er-Jahren, die Höll als Enkelin eines passionierten Traberzüchters noch lebendig vor Augen hat, heute weit weg.

Und da wäre ja noch die anscheinend schon ewig laufende Fehde zwischen dem Inntaler Traberfreunden und dem Motorsport-Club Mühldorf, die sich einst die Rennbahn teilen durften. Elisabeth Höll ist skeptisch. Solche Differenzen tragen sicher nicht zu einem positiven Außenbild des Sports bei.

Diskussionen um das Tierwohl vermiesen nicht nur seit dem olympischen Pferde-Eklat in Tokio wegen angeblicher Tierquälerei in den Reihen des Modernen Fünfkampfs die Stimmung. Gerade, was den Trabrennsport angeht, verstummen die kritischen Stimmen aufgrund der für Pferde unnatürlichen Gangart nicht. „Sicher ist schnelles Traben außergewöhnlich. Deswegen gibt es ja eine eigene Zucht“, so die Pollingerin.

Jedoch könne man kein Pferd dazu zwingen, schnell zu laufen. Außerdem sei auch der Trabrennsport Hochleistungssport. Wie in jeder Sportart gehören auch hier Verletzungen, etwa an den Sehnen, zum Alltag. Gerade deswegen mache die Pferde-Reha auch für gesunde Tiere Sinn, glaubt die Pferdewirtschaftsmeisterin, die auch externe Physiotherapeuten und Tierärzte mit ins Boot holt.

Diskussionenum das Tierwohl

Training und Reha sind das eine. Auf der anderen Seite ist auch nicht jedes Pferd der geborene Traber. Zur Grundschnelligkeit muss Ehrgeiz und Nervenstärke kommen. Ob die passt, kann Elisabeth Höll bei ihren Schützlingen bei Trainingsläufen auf den großen Bahnen wie etwa Dagl fing testen, wo die jungen Pferde Start und Startwagen zu sehen bekommen – mindestens vier- bis fünfmal, bevor sie echte Rennluft schnuppern können.

90 Prozent der Trainingsarbeit läuft heute auf dem eigenen Gelände mit kleiner Trainingsbahn, vor allem seit der Rennbetrieb für Traber in Mühldorf 2011 endgültig eingestellt wurde. Die im Rennbahnstadion vorhandene Trainingsbahn nutzt sie aktuell nicht. Das könnte sich freilich ändern, wenn die Münchner neben Daglfing auch in Mühldorf aufschlagen. Dann gäbe es wieder eine Bahn direkt vor der Haustüre für Elisabeth Hölls Traber.

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