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Seelsorger Wunibald Müller redet Klartext

Was wird aus der katholischen Kirche? Amts-Ausschluss von Frauen „ein Skandal“

Kreuz auf Kirchturm
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Das Kreuz einer Kirche ist in der Abenddämmerung zu sehen.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Mühldorf/Ampfing – Wunibald Müller ist einer der bekanntesten Seelsorger der katholischen Kirche, Buchautor und Vortragsredner. Und er ist einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Wunibald Müller redet Klartext, wenn es um die katholische Kirche geht. Auf Einladung des Katholischen Kreisbildungswerks sprach er in Ampfing über: „Der Letzte macht das Licht aus? Lust auf heute und morgen in der Kirche“. Ein Interview.

Wozu brauche ich als Christ die Kirche?

Wunibald Müller: Das Schöne ist, dass jeder und jede ohne die Vermittlung von Kirche in die Beziehung mit einer höheren Macht, mit Gott treten kann. Die Kirche kann dafür Räume, Formen, Rituale in Form von Kirchen, Gottesdiensten, Sakramenten anbieten, die dabei helfen können, diesen Kontakt zu gestalten, umzusetzen, zu vertiefen. Mir persönlich ist dabei die Feier der Eucharistie besonders wichtig, weil ich hier zusammen mit anderen, im gemeinsamen Feiern, Beten, Singen, dem Austausch des Friedengrußes Erfahrungen mache, bei denen ich spüren darf, mit anderen und mit Gott in Berührung zu sein.

Gibt es in der Kirche noch was zu lachen? Wunibald Müller analysiert die Lage mitten in der großen Krise.

Ist weggehen nicht die logische Konsequenz, wenn die Kirche vieles von dem nicht erfüllt, für das sie eigentlich steht?

Müller: Ich kann jene gut verstehen, die die Kirche verlassen, weil sie die Erfahrung machen, dass die Kirche, die für sich beansprucht, die Liebe auf ihr Banner geschrieben zu haben, sich in dem, was sie tut, genau dagegen verstößt.

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Welche Rolle spielt der Missbrauchsskandal?

Müller: Gerade die Missbrauchskrise hat ja gezeigt, dass das klerikale System, das zwischen Klerikern und Laien unterscheidet und in dem die Kleriker das eigentliche Sagen haben, den lieblosen Umgang mit Opfern sexualisierter Gewalt erleichtert hat. Es ging vor allem um das Ansehen der Kirche, der Schrei der Opfer wurde nicht gehört. Wo ist da die Liebe, das Mitfühlen geblieben?

Und die Rolle von Frauen?

Müller: Sie werden, solange ihnen der Zugang zu den Weiheämtern – Diakonat, Priester- und Bischofsamt – verwehrt wird, von der Leitung in der Kirche ausgeschlossen. Das ist ein Skandal und mit der Liebe und der Gottesebenbildlichkeit, die im Mann und in der Frau zum Ausdruck kommt, nicht in Einklang zu bringen. Da darf man sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen, darunter viele Frauen, die Kirche verlassen.

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Warum sind Sie noch in der Kirche?

Müller: Ich habe bei den Augustinern in Würzburg eine Gemeinde gefunden, die mir das gibt, was Kirche sein sollte: eine spirituelle Heimat. Dazu kommt, dass ich in den vergangenen Jahrzehnten mein Herzblut für die Kirche gegeben, indem ich für eine Kirche gekämpft habe, die etwas von der Menschenfreundlichkeit Gottes verkörpert, indem sie niemanden ausschließt. Egal ob er heterosexuell oder homosexuell, verheiratet oder geschieden oder wieder verheiratet geschieden ist. Eine Kirche, die es ernst meint mit der Botschaft Jesu: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen sein. Ich will euch erquicken“. Diese Kirche will und werde ich nicht denen überlassen, die dieser Botschaft durch ihre Haltung und ihr Verhalten nicht gerecht werden.

Wenn Sie drei Wünsche an die Kirche frei hätten, wäre das, das …

Müller: … das Pflichtzölibat fällt und es in Zukunft ganz selbstverständlich verheiratete und zölibatäre Priester gibt, heterosexuelle und schwule Priester, vor allem aber auch Priesterinnen.

… die unselige Trennung hier die Kleriker, dort die Laien, aufgehoben wird und die hierarchische Struktur der Kirche, die ein oben und unten kennt, abgelöst wird durch ein Netzwerk, bei dem Kleriker und Laien als das eine Volk Gottes, miteinander im Kreis sitzen, auf Augenhöhe miteinander reden, miteinander streiten, und gemeinsam versuchen, die Kirche aus der Misere herauszuführen, in der sie sich augenblicklich befindet.

… die Kirche für die Menschen zu einem Ort wird, wo sie die spirituelle Nahrung bekommen, nach der sich viele sehnen und als Ort erfahren dürfen, an dem Menschen die Gegenwart Gottes, der die Liebe ist, besonders stark erfahren dürfen.

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