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Dekanats-Leiter zeigt Verständnis

Nach Missbrauchsgutachten: Zahl der Kirchenaustritte im Kreis Mühldorf nimmt zu - in einer Gemeinde deutlich

Pfarrer Franz Eisenmann (rechts) und Ulrich Bednara stehen den beiden katholischen Dekanaten im Landkreis Mühldorf vor. Persönliche Angriffe nach dem Missbrauchsskandal hat Eisenmann noch nicht erlebt.
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Pfarrer Franz Eisenmann (rechts) und Ulrich Bednara stehen den beiden katholischen Dekanaten im Landkreis Mühldorf vor. Persönliche Angriffe nach dem Missbrauchsskandal hat Eisenmann noch nicht erlebt.
  • VonUrsula Huckemeyer
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Schon in den vergangenen Monaten ist die Zahl der Kirchenaustritte im Landkreis Mühldorf gestiegen. Seit Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens in der vergangenen Woche geht der Mitgliederschwund offensichtlich noch schneller.

Mühldorf – Das zeigt eine Umfrage bei den Städten und Gemeinden im Landkreis. Der Leiter des Dekanats Mühldorf, Franz Eisenmann, zeigt Verständnis für die Verärgerung und fordert Konsequenzen.

Erste Konsequenzen schon spürbar

Solche Konsequenzen ziehen schon heute viele katholische Christen, die Zahl von Kirchenaustritten steigt deutlich. Die spüren die Städte und Gemeinden im Landkreis. Und dies schon in diesem Monat Januar.

In Mühldorf schon 50 Prozent mehr Austritte

Wie die Kreisstadt Mühldorf mitteilt, wurden vergangenes Jahr 258 Kirchenaustritte verzeichnet. Heuer waren es bereits 50 Prozent mehr als 2021. Aktueller Stand: 40 Austritte im Januar.

Obwohl die Mitgliedschaft eine Kirchensache ist, muss der Austritt aufgrund der besonderen Stellung der Kirche bei der politischen Gemeinde erfolgen. „Der Austritt aus einer Kirche, Religionsgemeinschaft oder weltanschaulichen Gemeinschaft muss beim Standesamt persönlich zur Niederschrift erklärt werden oder ist dort schriftlich in öffentlich beglaubigter Form einzureichen“, heißt es auf dem Bayernportal des Freistaats. Entsprechend gefordert sind die Kommunen.

Von Missbrauchsgutachten erschüttert

Dass die Kirchenaustritte immer mehr werden, darüber macht sich auch Pfarrer Franz Eisenmann aus Neumarkt-St. Veit viele Gedanken. Der Dekan des Dekanats Mühldorf ist vom Missbrauchsgutachten tief erschüttert.

Für die Kirchenaustritte habe er im gewissen Sinne sogar Verständnis. Dass Menschen so einen „Verein“ nicht mehr unterstützen wollen, sei nachvollziehbar.

Bereits vor zehn Jahren, so der Dekan, wurden erste Missbrauchsfälle in der Öffentlichkeit publik gemacht. Dass man anschließend jahrelang nur minimal reagiert habe, ist für Eisenmann völlig unverständlich.

Vor Ort erlebt Eisenmann Solidarität

„Bisher bin ich von Seiten der Bevölkerung noch nicht angegriffen worden. Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Die Leute sind zwar verärgert, doch drücken sie eher ihre Betroffenheit nach dem Motto aus ihr vor Ort bemüht euch und von oben werden euch Prügel vor die Füße geworfen“, erklärt der Dekan seine Situation.

Gerade in den Gremien werde viel diskutiert. Die Teilnehmer würden sich ihren Frust von der Seele reden. Was für Franz Eisenmann feststeht: „Es braucht jetzt klare Konsequenzen, die Schlamperei muss ein Ende haben“.

Auch an die Verdienste denken

Auf den emeritierten Papst Benedikt angesprochen sagt Eisenmann: „Hätte er vorher nicht expliziert gesagt, er war bei der Sitzung nicht dabei, dann wäre Benedikt ein Zurückrudern erspart geblieben. So macht es die Angelegenheit delikat“. Franz Eisenmann weist aber auch auf die Verdienste von Papst Benedikt hin, die nun nicht mehr gesehen würden. Es koche alles sehr hoch. Der Dekan warnt in dieser Beziehung vor Schnellschüssen.

Mehr Austritte in fast allen Gemeinden

Das Standesamt Mettenheim meldet fünf Austritte. Und es gebe bereits weitere Anfragen, heißt es. wie das Standesamt Waldkraiburg meldet, das auch Taufkirchen, Kraiburg, Gars, Jettenbach und Unterreit betreut. Dieses Jahr seien bereits 16 Austritte vollzogen worden. Für die kommenden Tage stünden weitere Termine an, hieß es. Das Standesamt Ampfing mit den Gemeinden Rattenkirchen und Heldenstein meldet drei Austritte.

Einen deutlicheren Anstieg von Austritten verkündet das Standesamt Haag, zu dem die Gemeinden Rechtmehring, Maitenbeth, Reichertsheim und Kirchdorf gehören. Bisher kehrten zwölf Menschen der katholischen Kirche den Rücken. Ein Anstieg habe sich schon vergangenes Jahr bemerkbar gemacht, hieß es. Die Standesämter Aschau und Buchbach sind mit jeweils drei Kirchenaustritten registriert. Das Standesamt Schwindegg weist auf einen Kirchenaustritt in diesem Monat hin. Beim Standesamt Neumarkt-St. Veit mit der Gemeinde Egglkofen sind bisher vier Rücktrittsgesuche eingelaufen.

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