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Austritt aus der Milcherzeugergemeinschaft Mühldorf

„Einfach gehen, geht nicht“: Kann der Streit um 29 Mühldorfer Milchbauern gelöst werden?

Festredner beim Festakt: (von links) MEG-Vorsitzender Richard Straubinger, Ministerin Michaela Kaniber, Milchkönigin Philomena Mögele und CSU-Generalsekretär Dr. Martin Huber.
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Festredner beim Festakt: (von links) MEG-Vorsitzender Richard Straubinger, Ministerin Michaela Kaniber, Milchkönigin Philomena Mögele und CSU-Generalsekretär Dr. Martin Huber.
  • Hans Rath
    VonHans Rath
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Es gibt eine Annäherung: Beim Festakt zum Jubiläum der Milcherzeugergenossenschaft Altötting-Mühldorf sind der Vorstand der MEG und die Kritiker aufeinander zugegangen. Das haben sie angekündigt.

Mühldorf/Teising – Der Austritt von 29 Landwirten aus der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) hat auch bei der Versammlung zum 50. Geburtstag der MEG mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) für Aufmerksamkeit gesorgt. Vertreter der MEG und der 29 Landwirte betonten, dass sie den Dialog suchen. Damit begannen sie schon bei der Versammlung im Reiterhof in Teising.

„Einfach gehen, das geht nicht“

MEG-Vorsitzender Richard Straubinger beklagte in seiner Rede einen Rückgang der Milchbauern. Er ging auch auf den Austritt der 29 Milchbauern ein, die der MEG den Rücken kehrten und zur Molkerei Weihenstephan wechseln wollen. Diese Kündigung wird 2023 wirksam, Richard Straubinger bot den „Kündigern“ eine Rückkehr in die MEG an: „Die MEG hat die Verantwortung für 840 Bauern, die Mitte des Monats ihr Milchgeld erhalten wollen. Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass die Kündiger ihren Schritt noch einmal überlegen und zurückkommen.“

Versöhnlichen Ton angeschlagen

Auch Josef Riedlaicher, Vertreter der 29 Milchbauern, schlug einen versöhnlichen Ton an. „Unsere Wut richtet sich nicht gegen die MEG, sondern gegen die Molkerei. Wir möchten bei der MEG bleiben, auch wenn wir ab 1. Januar 2024 bei einer anderen Molkerei sind“, betonte er zum Ende der Versammlung. MEG-Chef Straubinger bot seine Unterstützung an: „Wir von der MEG sind immer bemüht, für euch Bauern den besten Milchpreis zu erzielen“, sagte er. „Das Wichtigste aber ist Vertragstreue. Einfach gehen, das geht nicht.“ Er riet den 20 Milchbauern: „Stellt einen Mitgliedsantrag für die MEG, dann sehen wir weiter. Schauen wir, dass wir es wieder hinbringen“. Die MEG hatte zum Jahresende insgesamt 874 Mitglieder.

Ministerin Kaniber hält Festrede

Den Festakt eröffnete Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber: „In schwierigen Zeiten braucht es Zusammenhalt und Stärke“, sagte sie. Corona, der Ukrainekrieg, eine hohe Inflationsrate und die Unterbrechung der Gaslieferungen hätten gezeigt, dass die bayerische Landwirtschaft systemrelevant sei. „Es ist dekadent, dass dieser Wert erst erkannt wird, wenn ein Krieg ausbricht. Ich bin übrigens eine geborene Kroatin und weiß, was Krieg bedeutet.“

Kaniber forderte eine Entlastung der Verbraucher, vor allem durch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf alle landwirtschaftlichen Produkte. Zugleich erteilte sie der von Staatssekretären der Grünen geforderten Reduzierung der Nutztierhaltung um 50 Prozent eine klare Absage: „Wir dürfen Milch und Fleisch nicht aus dem Ausland beziehen, sondern aus Bayern.“

Entlastung der Verbraucher gefordert

60 Prozent der Produkte der bayerischen Landwirtschaft bleiben nach Angaben der Ministerin in Bayern, 20 Prozent in Deutschland, 15 Prozent in Europa. „Nur fünf Prozent gehen auf den Weltmarkt. Wir produzieren in erster Linie für die Heimat.“

Europa soll sich selbst ernähren

Die Ministerin forderte Ernährungssouveränität in Europa, man dürfe sich nicht – so wie bei der Energie – erpressbar machen.

Markus Seemüller bot einen Einblick in den „Weidinger Milchkrieg“. Der Geschäftsführer der MEG berichtete, dass vor der Gründung der MEG im Jahr 1972 Bauern und Molkereibesitzer nicht immer einig gewesen seien und es zu Protestaktionen wie einer Blockade der Werkstore und der B12 durch Landmaschinen gekommen sei.

Die bayerische Milchprinzessin Philomena Mögele kommt aus dem Landkreis Augsburg, sie würdigte das Engagement der Bauern. „Sie managen Arbeitskräfte, behalten den Überblick über Stall, Felder und Wiesen, beherrschen Landtechnik und Digitalisierung, tragen das Risiko für das finanzielle Überleben für Hof und Familie und gehen abends in den Stall, wenn andere längst Feierabend haben.“

Herbert Maier, Vorsitzende der Bayern MEG stellte fest, dass „aus der Mitte der MEG Altötting-Mühldorf die Bayern MEG entstanden ist“.

Anzahl der Betriebe geht zurück

Der stellvertretende Altöttinger Landrat Hubert Gschwendtner bezeichnete die bayerischen Bauern als „die wichtigsten Lieferanten für hochwertige Milch“, beklagte aber auch den stetigen Rückgang der Zahl der Milchbetriebe und die Dumpingpreise, die Milchbauern für ihr wertvolles Produkt erhalten: „Es reichen 90 Sekunden Arbeit, um einen Liter Milch zu kaufen. Wir als Verbraucher müssen Milch als Lebensmittel wieder mehr schätzen und bereit sein, dafür einen höheren Preis zu bezahlen. Gute Arbeit verdient guten Lohn.“

Musik von „Brass nach Mass“

CSU-Generalsekretär und Altöttinger Landtagsabgeordneter Dr. Martin Huber würdigte ebenfalls die Bauern: „Die Landwirte bei uns leisten viel und produzieren gesunde Lebensmittel. Angesichts stark steigender Preise besteht die Gefahr, dass an Lebensmitteln gespart wird.“ Das treffe die Bauern hart.

Die Kapelle „Brass nach Mass“ unter der Leitung von Heinrich Grübl umrahmte den Festabend der Milcherzeugergenossenschaft.

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