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Verkehrslärm ärgert Anwohner

Kampf gegen den Schleichweg: Anwohner in Mühldorf-Mößling fordern Verkehrseinschränkungen

Und wieder schießt ein 30-Tonner am Haus vorbei: Burgi, Enkeltochter Leni und Heinz Prieschl vor ihrem Haus an der Oberhofener Straße in Mößling.
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Und wieder schießt ein 30-Tonner am Haus vorbei: Burgi, Enkeltochter Leni und Heinz Prieschl vor ihrem Haus an der Oberhofener Straße in Mößling.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Der Weg durch das Mößling ist bequem und für manche Lastwagen- und Autofahrer schneller als über die Nordumfahrung zur Autobahn zu fahren. Die Anwohner sind sauer, doch der Bürgermeister zuckt nur mit den Schultern.

Mühldorf – Dieses Mal ist es ein 30-Tonner mit einem österreichischer Zulassung, der über die Oberhofener Straße im Mühldorfer Ortsteil Mößling rauscht. Er transportiert einen Container für Quarzsand. Für Heinz Prieschl ist klar, warum der Lkw in diesem Moment an seinem Haus vorbeifährt: „Der kommt von der Autobahn und will sich die Nordumfahrung sparen.“

Zu viele Ampeln auf Umgehungsstraße

Fünf Ampeln, auf Teilen der Straße eine Geschwindigkeitsbegrenzung und die oft verstopfte Kreuzung an der Innkanalbrücke sind Grund genug für Navigationsgeräte, den Fahrern einen anderen Weg zu weisen. „Und wer sich auskennt, macht es sowieso“, sagt Prieschl. Für die Umfahrer geht es von der Autobahn über die Frixinger- und Oberhofener Straße ins Wohngebiet, vorbei am Wohnhaus der Prieschls und vieler anderer Mößlinger.

Per Brief an die Stadt gewandt

Denen reicht es, Burgi und Heinz Prieschl haben sich an die Stadt gewendet. Unterstützt werden sie von 70 Nachbarn, die eine Liste gegen Verkehrslärm unterschrieben haben. „Von unserem Garten haben wir nichts“, sagt Prieschl, der als langjähriger Feuerwehrmann fest im Dorf verwurzelt ist.

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Im August 2020 wenden sich Burgi und Heinz Prieschl erstmals an die Stadt, auch Tochter Michaela wird per Brief vorstellig; sie lebt mit ihrer sechsjährigen Tochter Leni im Haus der Eltern. „Es ist ein Kampf“, sagt Burgi Prieschl, denn Gehör findet die Familie bei der Stadt nicht.

Zentrale Straße ja, aber kein Autobahnzubringer

Dabei machen die Prieschls Vorschläge, wie der Lärm bekämpft und der Verkehr anders geleitet werden kann. Die Stadt, das macht ihr Antwortschreiben deutlich, sieht keine Möglichkeiten. „Wir müssen akzeptieren, dass die Strecke eine der zentralen Hauptverkehrsstraßen in Mühldorf ist“, schreibt der zuständige Abteilungsleiter Fritz Waldinger. „Zentrale Straße ja, aber doch kein Autobahnzubringer,“ sagt dagegen Heinz Prieschl und seine Frau betont: „Wir fühlen uns im Stich gelassen.“

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Denn die Stadt prophezeit in ihrem Brief nicht nur noch mehr Verkehr, sondern auch, dass es keine Lösung gibt. „Ein bedarfsgerechter Ausbau der kleinräumigen innerstädtischen Verkehrsinfrastruktur ist schlicht völlig unmöglich.“

Straße für Lastwagen sperren

Das sehen die Prieschls anders. Sie sprechen von Geschwindigkeitsbeschränkungen oder der Sperrung der Frixinger Straße für den Schwerlastverkehr, damit der nicht mehr den Schleichweg durchs Dorf nutzen kann.

Keine Chancen auf Verbesserung

Die Chancen für die Verbesserung der Situation gehen aktuell gegen Null. Das macht die Stadtverwaltung klar. „Eine Rechtsgrundlage für eine Geschwindigkeitsbeschränkung besteht nicht“, heißt es in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Die Stadtverwaltung beruft sich nach Angaben von Sprecherin Monika Pingitzer auf Paragraf 45 Absatz 9 der Straßenverkehrs-Ordnung, der „äußerst hohe Hürden zur Umsetzung beschränkender Maßnahmen“ vorsehe.

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Die seien nur gegeben, wenn es Gefahren gebe, die das allgemeine Risiko erheblich übersteigen würden. „Es liegt jedoch kein durch überhöhte Geschwindigkeit bedingter Unfallschwerpunkt vor, es sind keine Kurven, Steigungen oder Neigungen und auch keine witterungs- oder topografisch bedingten Einflüsse festzustellen.“ Auf der Friedhofstraße habe der Bayerische Verwaltungsgerichtshof Tempo 30 zum Lärmschutz angeordnet, auf der Ahamer Straße seien die Baumaßnahmen am BRK-Gebäude und an der Klinik für die vorübergehende Beschränkung verantwortlich. Auf Tempo-Beschränkungen in anderen Städten, auf die Familie Prieschl verwiesen hat, geht die Stadtverwaltung nicht ein.

Ansinnen findet kein Gehör

Auch im Landratsamt findet das Ansinnen der Anwohner auf Sperrung der Frixinger Straße für Lastwagen kein Gehör. „Grundsätzlich ist zu beachten, dass sich auf den Straßen des überörtlichen Verkehrs der weiträumige und der innerörtliche Verkehr bündeln“, erklärt Landratsamtssprecher Wolfgang Haserer, der zugleich betont, dass es keine Prüfung des konkreten Falles gebe. Reglementierungen stehe in der Regel die besondere Verkehrsfunktion dieser Straße aber entgegen.

Gafus hält Einschränkung für möglich

Keine Resonanz fand Familie Prieschl beim Stadtrat. Obwohl sie die Stadtratsmitglieder auf die hohe Belastung in Mößling schriftlich hingewiesen hat, meldete sich nur Verkehrsreferent Dr. Georg Gafus (Grüne) zurück. Er hält eine Einschränkung des Verkehrs und ein Tempolimit allen rechtlichen Bedenken zum Trotz durchaus für möglich.

Politischer Wille Fehlanzeige

„Aber dazu bräuchte es den politischen Willen und eine Mehrheit im Stadtrat“, sagt er. Denn es sei möglich, Anwohner vor Lärm zu schützen, in dem man den Verkehr auf die dafür vorgesehene Nordumfahrung führe. „Das könnte der Stadtrat beschließen und dann abwarten, ob es Klagen dagegen gibt oder das Landratsamt einschreitet.“

Darüber hinaus fordert er eine Änderung der Gesetze, die den Kommunen mehr Handlungsspielraum lässt. Gafus will, dass die Stadt einer entsprechenden Initiative von Städten in Deutschland beitritt.

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