Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Schöner Wohnen auf dem Schlossberg

Für die Schloss-Ruine Jettenbach hat Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach große Visionen

Noch ist er nur Wiese: Ignaz Toerring auf dem Gelände des als Park geplanten alten Galeriegartens am Schlossberg Jettenbach.
+
Noch ist er nur Wiese: Ignaz Toerring auf dem Gelände des als Park geplanten alten Galeriegartens am Schlossberg Jettenbach.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
    schließen

Jettenbach – Das Schloss von Jettenbach, das den Grafen zu Toerring-Jettenbach gehört, soll in neuem Glanz erstrahlen. Auf rund 3000 Quadratmetern Areal wird Platz für Wohnungen und Geschäftsräume geschaffen. Wie genau das Leben auf dem Schlossberg wieder Einzug halten soll, darüber spricht Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach im Interview

Bei der jüngsten Bürgerversammlung hier in der Gemeinde wurde Unmut wegen der Schlossruine laut. Haben Sie dafür Verständnis?

Ignaz Toerring: Ich finde es gut, dass jeder sagt, was er denkt. Es ist wie in jeder nachbarschaftlichen Beziehung, wo man auch zusammenkommen muss. Letztendlich stehe aber ich dafür ein, was am Schlossberg entsteht.

Auf der Zufahrt zum Schloss, dessen Fenster vom Hagel zerstört und mit Brettern gesichert wurden: Graf Toerring bezeichnet das alte Brauereigebäude (links) als „Bausünde“ vergangener Jahrzehnte.

Wie wichtig ist Ihnen denn nun Jettenbach?

Toerring: Es ist seit 1255 unser Erbe, verbunden mit dem Forst, der Landwirtschaft und den Immobilien auch wirtschaftlich ein wichtiger Standort. Ich habe den Anspruch, dass hier etwas passiert. Natürlich kann ich nicht zaubern, sodass morgen alles fertig dasteht.

Sie kümmern sich um mehrere Schlösser. Welchen Raum nimmt diese Bewirtschaftung ein?

Toerring: Sehen Sie, es ist wie bei jedem Immobilien-Portfolio. Die Objekte müssen sinnvoll genutzt werden. Wir haben in unserem Bestand viele denkmalgeschützte Gebäude wie Schlösser, die heute einer neuen Nutzung zugeführt werden müssen. Und das ist manchmal eine große Herausforderung.

Es geht also hier weniger um schöner wohnen, mehr um Verantwortung?

Toerring: Doch, es geht auch um schöner wohnen! Auch hier in Jettenbach. Auf dem Schlossareal sollen Wohnungen für Familien entstehen. Solche Orte müssen – gerade für Städter – Sehnsuchtsorte werden.

An ein Museum haben Sie nicht gedacht?

Toerring: Es gibt sogar Interesse, in den Galerietürmen ein Museum einzurichten. Aber auch das wird nur kommen, wenn es langfristig wirtschaftlichen Sinn ergibt.

Es stehen also umfangreiche Baumaßnahmen auf dem Schlossberg an?

Toerring: Wir haben Visionen. Es soll eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe entstehen. Vorbilder dafür gibt es: Ich denke da an Schloss Seefeld am Pilsensee, das einer anderen Toerring-Linie gehört. Die Anlage ist ähnlich wie Jettenbach und ist mit einem Zusammenspiel von Wohneinheiten, Büros, Geschäften, Kleinhandwerk und sogar einem Kino sehr harmonisch gelungen. Ich weiß also, dass es funktioniert. So etwas möchte ich in Jettenbach auch verwirklichen. Jetzt geht es darum, wie wir an das Ziel kommen.

Denken Sie, dass das Angebot für die Münchner ansprechend ist?

Toerring: Nicht nur für die Münchner. Genauso für Menschen von hier. Aber – ja! Der prachtvolle Blick auf den Inn und die Natur, wohnen in historischen Gebäuden und das ganze „Drumherum“ etwa im ehemaligen barocken Galeriegarten mit den Türmen, der vielleicht mal ein Park werden wird. Alles zu Preisen, die sich eine Familie leisten kann. Wir haben in München mittlerweile bei Neubauten einen Quadratmeterpreis von bis zu 20.000 Euro. Das kann sich niemand mehr leisten. Im Schloss, das heute natürlich noch eine Ruine ist, könnte man für einen Bruchteil des Geldes wohnen. Und das in einer Gemeinschaft von 30 bis 40 weiteren Wohneinheiten. Man ist also nicht alleine mit dem Schlossgeist (schmunzelt).

Wunderbarer Blick vom Schlossberg auf die Gemeinde.

Sie selbst wohnen allerdings in München?

Toerring: Ja, der Firmensitz ist in München. Von dort aus wird der Familienbesitz geführt. Meine Kinder gehen in München zur Schule. Aber wir kommen oft nach Jettenbach.

Zurück zu den Planungen den Schlossberg betreffend. Inwiefern spielen die Preisentwicklung und labile Wirtschaftslage mit hinein?

Toerring: Selbstverständlich macht uns der Blick auf die Wirtschaft Sorgen. Neue Projekte sind sehr viel riskanter geworden, weil man bei Baubeginn nicht weiß, wohin die Reise geht. Auch wir müssen das Geld für die Arbeiten aufbringen.

Müsste dann auch die Gemeinde tief in die Tasche greifen?

Toerring: Nein, sicher nicht. Jettenbach ist eine kleine Gemeinde mit rund 700 Einwohnern. Das Projekt muss sich ohne finanziellen Zuschuss der Gemeinde tragen. Dennoch arbeiten wir in verschiedenen Projekten eng zusammen. Beispielsweise wurde im Juni ein herrlicher Mehrgenerationenplatz in der Ortsmitte eröffnet, zu welchem wir das Grundstück überlassen haben. Auch wurde kürzlich die Wasserversorgung der Gemeinde durch Erweiterung des Nutzungsrechtes deutlich verbessert. Es gibt also immer viel zu tun.

Darauf ist Graf Toerring besonders Stolz: Der mit Hilfe der Grafen gebaute Mehrgenerationenplatz liegt zwischen dem ehemaligen Gräflichen Amtsgebäude und dem alten E-Werk.

Natürlich ist die Frage nach dem Geld wichtig. Aber wo bleibt dabei der historische Kern?

Toerring: Der bleibt in seiner Substanz erhalten. Da arbeiten wir eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammen. Die hat vor allem das Schloss, den ehemaligen barocken Schlossgarten mit den Türmen und weitere Gebäude im Blick. Mein Ziel ist es, die Schönheit des Alten mit großen, interessanten Räumen, den Annehmlichkeiten modernen Wohnens, schnellem Internet und nachhaltiger Energieversorgung zu verbinden.

Das alte Brauereigebäude (links) liegt direkt vor der Schlossfassade in Jettenbach. Die Brauerei wurde endgültig 2020 stillgelegt.

In Sachen Breitbandausbau und Internet wird die Gemeinde noch nachschieben müssen ...

Toerring: Der wird auch noch kommen. Man muss halt etwas Geduld haben.

Nicht nur für die Enten eine hübsche Aussicht: Graf Toerring am Steg an einem der ehemaligen Klärweiher in Jettenbach, gegenüber zum Sportplatz. Heute liegt er an einem Biotop und dient der Erholung.

Mehr zum Thema

Kommentare