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„Bausünden“ sollen weichen

Abschied von der Ruine – So soll Jettenbachs Schlossberg in Zukunft aussehen

Blick auf das alte Sudhaus der Brauerei, direkt vor Schloss Jettenbach. Derzeit nutzt noch eine Firma das Gebäude, das allerdings in absehbarer Zeit abgerissen wird.
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Blick auf das alte Sudhaus der Brauerei, direkt vor Schloss Jettenbach. Derzeit nutzt noch eine Firma das Gebäude, das allerdings in absehbarer Zeit abgerissen wird.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Noch steht das Schloss Jettenbach, das den Grafen zu Toerring-Jettenbach gehört, verfallen da. „Bausünden“ aus vergangenen Jahrzehnten direkt vor dem Schloss: Sudhaus, Exporthalle für das immer wichtiger werdende Biergeschäft. Das alles soll im Zuge anstehender Baumaßnahmen weichen. Geplant sind moderne Räumlichkeiten für Wohnungen und Geschäfte.

Jettenbach – „In dieser Machart könnte in einigen Jahren der ganze Schlossberg aussehen.“ Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach weist auf das fertig restaurierte ehemalige Gräfliche Amtshaus im Zentrum von Jettenbach, das nach vierjähriger Planungs- und Bauphase heute wieder in gelb und weiß erstrahlt und Platz für einige Bewohner bietet.

In diesem Stil könnte bald der ganze Schlossberg restauriert werden: Blick auf das Gräfliche Amtshaus vom Schlossberg Jettenbach aus.

Direkt vor dem Gebäude liegen ein Mehrgenerationenplatz, ein paar Meter weiter ein Biotop, das im Auwald an der Südseite des Schlosses eine wachsende Wasserbüffelherde beheimatet. Beides entstand mithilfe der Grafen, die seit dem 13. Jahrhundert historisch eng mit den Jettenbachern verbunden sind. Manche würden das eine Idylle nennen. Woher also die Aufregung einiger Jettenbacher bei der jüngsten Bürgerversammlung?

Gräfliches Amtshaus als Pilot

Im gepflegten kleinen Garten hinter dem Amtshaus steht neben Ignaz Toerring Josef Anglhuber vom Kraiburger Architekturbüro Aris, der federführend mit den Arbeiten am Amtshaus wie auch am restlichen gräflichen Besitz betraut wurde. Der Blick geht hoch auf den Schlossberg, der die vergangene Größe trotz Baufälligkeit spiegelt.

Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach (links) und der Kraiburger Architekt Josef Anglhuber (rechts) vor dem Gräflichen Amtshaus.

„Bausünden“ der alten Brauerei

Nachdem die Brauerei 2020 endgültig aufgegeben wurde, stehen die Gebäude leer oder werden von diversen Firmen als Lager und Produktionsstätte gemietet. Nicht ideal. Auch die auf dem Berg vorhandene Gastronomie geht zu einem Parkplatz hinaus, wodurch Ambiente verschenkt werde, so Anglhuber.

Dass sich manche Leute hier über die „halbe Ruine“ und darüber, dass sich die Grafen Toerring kaum sehen lassen, aufregen, liege vielleicht an alten Ressentiments, die seit 30 oder 40 Jahren in den Köpfen rumspuken, glaubt der Architekt. Außerdem: „Egal, um was es geht, ob Grunddienstbarkeit oder Wegeführungen – der große Ansprechpartner hier heißt Toerring.“

Aber das kommt nicht von ungefähr. Seit 1255 wegen der strategisch wichtigen Lage am Querhügel zum Inn in Besitz der Grafen Toerring, wurde nach und nach die Burgbefestigung ausgebaut und mit Gräben gesichert.

Von der Befestigung zum Landsitz

Im 18. Jahrhundert wurde aus der Festung ein barocker fürstlicher Landsitz mit Schloss, prachtvollem Galeriegarten. Auch Wirtschaftsgebäude für Vieh und Pferde wurden aufgestockt barockisiert. Ein Kleinod ähnlich Schloss Winhöring, das ebenfalls von Toerrings Vorfahren, dem bayerischen Feldmarschall Ignaz Felix Graf von Törring-Jettenbach, für damalige Verhältnisse modernisiert wurde. Wasserleitungen dank eigener Quelle waren inbegriffen. Die gibt es heute noch.

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen dann Brauerei, E-Werk, Sägewerk und weitere Wirtschaftsgebäude hinzu. „Nach dem Krieg im Zuge des Wirtschaftswunders war die Entwicklung noch brutaler in Richtung Industrie. Man nahm keine Rücksicht auf Substanz“, erklärt Toerring die „Bausünden“ direkt vor dem Schloss: Sudhaus, Exporthalle für das immer wichtiger werdende Biergeschäft. „Damals hat Denkmalschutz noch keine große Rolle gespielt.“ Das sei heute anders. Jetzt müsse sauber geplant werden, was auf dem Schlossberg an Baumaßnahmen anstehen. Und hier hat die Denkmalschutzbehörde ein gutes Wort mitzureden. Die Planungen gehen dahin, wie im Gräflichen Amtshaus Wohneinheiten zu schaffen. Daneben wäre Platz für Gastronomie, Geschäfte und mehr. Die alten Wirtschaftsgebäude, die derzeit diverse Firmen angemietet haben, passen in das Konzept nicht mehr hinein.

Denkmalschutzimmer mit im Boot

Wo aber anfangen? „Allererste Maßnahme muss das sogenannte Mayr- beziehungsweise Meierhaus links vor dem Schloss am Hang betreffen“, betont Architekt Anglhuber. Das müsse statisch gesichert werden. Dazu zählt auch, das wegen eines Brandes vor über 100 Jahren abgetragene Dach zu erneuern. Im Moment hat es ein flaches Notdach. Diskussionen mit der Denkmalbehörde, ob dieses Dach als schützenswert einzustufen sei, sind noch im Gange. „Über solchen Sachen hängt man mitunter Jahre. Die sind kriegsentscheidend“, unterstreicht Anglhuber.

Dann wäre noch das Schloss selbst. Das habe wenigstens ein dichtes Dach, sagt Toerring. Die Fenster sind nach einem Hagelschaden mit Brettern gesichert. Auch hier soll nutzbarer Wohnraum entstehen. Wohnungen, die nach allen Seiten eine tolle Sicht bieten. Und ein zu einem Park umfunktionierter barocker Galeriegarten. Geradezu idyllische Aussichten für die Gemeinde, die sich dadurch Zuzug versprechen könnte. Wenn alles gut geht, glaubt Graf Toerring, in zwölf Jahren seine Visionen verwirklicht zu haben. Diese stehen nicht in den Sternen, sondern am Anfang, sagt er.

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