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Digitale Diskussionsrunde

Jede Menge Corona-Fragen der Bürger: Leitender Arzt des Impfzentrums Mühldorf steht Rede und Antwort

Die Zahl der tatsächlich Infizierten geht landkreisweit zurück. Schwerpunkt bleibt Waldkraiburg, aber auch dort macht das Landratsamt eine positive Entwicklung aus.
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Die Zahl der tatsächlich Infizierten geht landkreisweit zurück. Schwerpunkt bleibt Waldkraiburg, aber auch dort macht das Landratsamt eine positive Entwicklung aus.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Fragen zum Thema Impfen konnten Menschen in einer digitalen Diskussionsrunde Dr. Timm Büttner, Leitender Arzt des Impfzentrums in Mühldorf, stellen. Das Katholische Kreisbildungswerk in Mühldorf hatte diesen Austausch möglich gemacht. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wenn jemand eine Infektion überstanden hat, genügt dann eine einmalige Impfung?

Dr. Timm Büttner: Man geht davon aus, dass man nach überstandener Infektion sechs bis acht Monate immun ist. Wenn man sich dann impfen lässt, käme das einer Auffrischung gleich. Deshalb wird nach überstandener Infektion nur eine einmalige Impfung frühestens 6 Monate nach Genesung durchgeführt.

Mehr Grafiken zur Coronapandemie im Landkreis finden Sie hier

Wie lange hält der Impfschutz?

Dr. Büttner: Nach zwei Impfungen sollte der Schutz deutlich über acht Monate hinaus gehen. Wie lange er tatsächlich anhält, ist von der Immunreaktion jedes einzelnen Menschen abhängig.Ob regelmäßige Nachimpfungen nötig sein werden, ist derzeit noch nicht abzusehen. Möglicherweise sind sie erforderlich, um – ähnlich wie bei Grippeviren – auch gegen zukünftige Mutationen geschützt zu sein.

Wie verlässlich sind die Ergebnisse eines Antikörpertests nach einer Infektion, um unter Umständen auf eine Impfung verzichten zu können?

Dr. Büttner: Niemand kann sagen, wie hoch der Antikörper-Spiegel sein muss, damit eine Immunität gegeben ist. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt daher eine Impfung sechs Monate nach der Genesung unabhängig von der Höhe des AK-Titers.

Sollte man vor einer möglichen Impfung einen Antikörpertest machen?

Dr. Büttner: Nein, weil sich damit nicht nachweisen lässt, wann eine Infektion tatsächlich stattgefunden haben könnte. Im Hinblick auf die Erleichterungen im gesellschaftlichen Leben, in die Geimpfte oder Genesene kommen sollen, ist als Nachweis der Infektion nur ein positives Testergebnis (PCR-Test) oder eine Isolierungsanordnung des Gesundheitsamtes als Erkrankter gültig. Liegt beides nicht vor, muss eine vollständige Impfserie (zwei Impfungen beziehungsweise eine bei Johnson & Johnson) durchgeführt werden.

Mein Sohn – unter 60 Jahre – wurde mit Astrazeneca geimpft. Welche Empfehlung gibt es für die Zweitimpfung?

Dr. Büttner: Die Ständige Impfkomission des Robert-Koch-Instituts (StIKo) empfiehlt für diese Personen die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff. Diese Empfehlung beruht einerseits auf theoretischen Überlegungen und auf Erfahrungen mit anderen Impfstoffen, andererseits auf einer Abwägung zwischen dem Nutzen der Impfung und dem Risiko schwerer Nebenwirkungen.Grundsätzlich handelt es sich bei Astrazeneca um einen sehr guten Impfstoff. Die zunächst zurückhaltende Empfehlung für Über-60-Jährige hatte ihren Grund darin, dass die Datenlage einfach noch zu dünn war, um das Vakzin für diese Altersgruppe freizugeben.

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Müssen wir auch in Zukunft mit Maske rumlaufen, auch wenn wir zweimal geimpft sind?

Dr. Büttner: Politisch wird man eine Lockerung eher zurückhaltend beurteilen. Es ist nach derzeitigem Wissensstand unwahrscheinlich, dass ein vollständig Geimpfter eine so große Viruslast ausbildet, um damit andere zu gefährden. Komplett ausgeschlossen ist es aber nicht, dazu laufen mehrere Studien.

Ich hatte eine starke Impfereaktion nach der ersten Gabe von Astrazeneca. Jetzt wurde mir für die zweite Impfung Biontech angeboten. Was würden Sie empfehlen?

Dr. Büttner: Wer vor dem 30.3.21 mit Astra Zeneca geimpft worden und unter 60 ist, kann bei der zweiten Impfung alternativ einen mRNA-Impfstoff wählen. Die Datenlage ist noch gering, ob eine Impfung mit zwei verschiedenen Vakzinen genauso oder vielleicht sogar besser schützt wie eine Impfung mit ein und demselben Impfstoff. Nach Expertenmeinung ist die Kombination zweier Impfstoffe möglich und bietet auch einen entsprechenden Schutz.

Ich wurde mit AstraZeneca geimpft, hätte die Möglichkeit, die Zweitimpfung nicht erst im Juni, sondern schon jetzt zu erhalten. Ist das nicht zu früh?

Dr. Büttner: Laut Zulassung von Vaxzrevia soll die zweite Gabe vier bis zwölf Wochen nach der ersten Impfung erfolgen. Der maximal mögliche Zeitraum für die Zweitimpfung sollte anfangs ausgereizt werden, weil es einen Impfstoffmangel gab und möglichst viele Impfwillige zumindest die erste Dosis erhalten sollten. Studien haben allerdings auch Hinweise ergeben, dass ein Impfabstand von 12 Wochen eine bessere Immunisierung bewirken kann.

Meldungen von Nebenwirkungen verunsichern. Sollte man abwarten?

Dr. Büttner: Man muss sich überlegen: Was riskiere ich, wenn ich mich nicht jetzt gleich, sondern erst in sechs Wochen impfen lasse? Möglicherweise infiziert man sich und steckt darüber hinaus einen andere an, die einen nicht vorhersehbaren Verlauf, möglicherweise sogar mit Komplikationen, erleiden. Von Meldungen über sehr seltene Nebenwirkungen darf man sich nicht verunsichern lassen, da empfehle ich zum Vergleich die Lektüre eines Beipackzettels beliebiger Medikamente. Wichtig ist doch, dass wir wieder unser normales Leben erhalten und dabei hilft die Impfung.

Positive Entwicklung: Bis jetzt wurden knapp 42 Prozent der Bürger mindestens einmal geimpft.

Was empfehlen Sie Schwangeren?

Dr. Büttner: Eine generelle Empfehlung für Schwangere gibt die Ständige Impfkommission derzeit nicht. Zu deren Schutz soll die Immunisierung ihrer engsten Kontaktpersonen beitragen. Von den Zulassungsstudien für Impfstoffe sind Schwangere und Stillende bislang ausgeschlossen. Weltweit haben sich viele werdende Mütter trotzdem impfen lassen, weil sie zum Beispiel nichts von ihrer Schwangerschaft wussten. Komplikationen schienen bei ihnen nicht häufiger zu sein als bei ungeimpften Müttern. Laut StIKo kann eine Impfung bei Schwangeren ab dem 2. Trimenon sinnvoll sein, wenn ein besonderes Erkrankungsrisiko besteht. Hier können die Frauenärzte entsprechend beraten.

Kann man sich trotzdem mit Astrazeneca impfen lassen, wenn man anfällig für Thrombosen ist?

Dr. Büttner: Ja, weil der Entstehungsmechanismus ein ganz anderer ist. Bei Thrombosen nach COVID-Impfung handelt es sich um eine Art allergischer Reaktion. Diese tritt bei Menschen mit Thrombosen in der Vorgeschichte genauso selten auf wie bei anderen.

Wenn ich am Impftag krank bin, soll ich mich dann impfen lassen?

Dr. Büttner: Wenn sie nicht über 38,5 Grad Celsius Fieber haben, können Sie sich impfen lassen. Wenn sie sich aber richtig krank fühlen, sollten sie den Termin absagen.

Stimmt es, dass man von Schmerzmitteln vor und nach der Impfung die Finger lassen sollte?

Dr. Büttner: Paracetamol oder Ibuprofen haben eine entzündungshemmende Wirkung. Prophylaktisch vor der Impfung rate ich dringend davon ab, weil damit die Impfantwort vermindert werden kann. Sind Kopf- und Muskelschmerzen nach einer Impfung aber so schlimm, dass sie ohne Schmerzmittel nicht zu ertragen sind, oder stellt sich hohes Fieber ein, dann ist eine Behandlung nicht verkehrt.

Heftige Reaktion sagt nichts über Wirksamkeit der Impfung

Ist eine heftige Impfreaktion ein Zeichen dafür, dass besonders viele Antikörper gebildet werden?

Dr. Büttner: Nein. Die Heftigkeit der Reaktion steht nicht in Korrelation mit dem zu erwartenden Impfschutz. Wenn sie keine Reaktion haben, heißt das nicht, dass sie nicht geschützt wären. Bei Jüngeren fällt in der Regel die Impfreaktion heftiger aus als bei Älteren.

Bald sollen auch Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren ein Impfangebot erhalten. Was halten Sie davon?

Dr. Büttner: Es ist seit jeher wichtig, auch Kinder vor schweren Erkrankungen zu schützen. Bei den Impfstoffen gegen Covid kann man sagen, dass diese erst freigegeben werden, wenn sie entsprechend untersucht worden sind und Studien dazu vorliegen. Und diese Studien laufen gerade. Ich halte es für wichtig, auch die 12- bis 18-Jährigen zu impfen, weil die viel unterwegs sind, viele soziale Kontakte haben. Die Impfung bietet Schutz und ermöglicht den Jugendlichen wieder ein normales Leben in der Gesellschaft.

Wieder ein Corona-Toter

Einen Toten und 16 neue Corona-Fälle meldet das Landratsamt. Damit sind bisher 154 mit dem Virus infizierte Landkreisbürger gestorben. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 103,6, derzeit gibt es 307 aktive Fälle. Der Schwerpunkt der Neuinfektionen hat sich verschoben. Lag er vergangene Woche mit 47 Prozent in der Altersgruppe der 35- bis 59-jährigen, gab es in dieser Woche in der Gruppe von 15 bis 34 Jahren mit 46 Prozent die meisten. 58 Prozent finden im privaten Umfeld statt, gefolgt vom Arbeitsplatz (22). In Waldkraiburg hat sich die Lage weiter mit einer Inzidenz von 174,6 gegenüber 294 in der Vorwoche verbessert. 28 Corona-Patienten müssen in den Kliniken behandelt, elf Patienten davon beatmet werden.

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